WORT ZUM SONNTAG: Gottes Heil für alle Menschen

Sonntag, 23. September 2018

„Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.“   Jes 49,6b

Israel im Jahr 2018. Vor siebzig Jahren wurde der moderne Staat auf dem historischen Siedlungsgebiet der Stämme Jakobs gegründet. Von Anfang an war der jüdische Staat ein Fremdkörper in der Region, die sich in den vergangenen Jahrhunderten ohne einflussreiche jüdische Präsenz entwickelte hatte. Ein Wunsch, ein Tagtraum, dessen Umsetzung immer wieder an der Realität zu zerbrechen droht. Realität ist seit über fünfzig Jahren nämlich auch die Besetzung der ursprünglich autonomen Palästinensergebiete durch Israel. Ein Dauerkonflikt, dessen Intensität mal stärker mal schwächer ausfiel, der die Angst voreinander aber deutlich wachsen ließ. Seit nunmehr über fünfzehn Jahren steht zwischen dem israelischen Kernland und Palästina ein Hochsicherheitszaun und teilweise eine Mauer, sechs Meter hoch, ein versuchter Schutz aus dieser Angst heraus.


Die Realität der Angst zermürbt das Volk und mit Gewaltmitteln wird versucht, dem beizukommen; auch mit einer sich verändernden Gesetzgebung, die nicht ein-, sondern ausgrenzend ist. Israel – ein moderner demokratischer Staat, aufgebaut nach dem europäischen Vorbild eines sozialen Rechtsstaates, scheint nun seinerseits ein Vorbild für die neue Entwicklung in der Sozialfestung Europa geworden zu sein: Selbstgenügsam, quasiliberal, ausgrenzend. Wie verhält sich jedoch diese Realität mit dem biblischen Auftrag, „Licht der Völker“ zu sein? Es ist nicht gerade ein positiver Vorbildcharakter, der den Zionstaat heute ausmacht. Doch genau das wäre gemäß alter Prophetie die Aufgabe des Gottesknechtes Israel, bis heute: Das Heil Gottes allen Menschen zu bringen und nicht nur dem eigenen Volk. Durch Israels beispielhaft lebendige Beziehung zu seinem Gott, die in alle Lebensbereiche hineinwirken sollte, sollen alle anderen Nationen erkennen, wie sich ein fürsorglicher Gott um sein Volk kümmert. Israel soll als Beispiel dafür dienen, wie sich dieser Gott eigentlich um alle Völker der Erde kümmern möchte, wenn diese das Angebot ihrerseits akzeptieren möchten.

Etwas aber scheint heute anders zu sein als damals zur Zeit des biblischen Gottesknechtes „Volk Israel“. Hat vielleicht Gott selbst seine Sichtweise geändert? Oder hat vielleicht Israel seinen Auftrag schon erfüllt, sodass das „heilige Land“ heute von Gott selbst gar nicht mehr als solches betrachtet wird, weil Seine Heiligkeit nicht mehr an dieses Volk und Land gebunden ist, sondern inzwischen in aller Welt bekannt ist? Betrachten wir die geschichtlichen Ereignisse der vergangenen zweitausend Jahre, so steht eines eindeutig fest: Die Prophetie vom Gottesknecht hat sich in Jesus Christus erfüllt. Denn in Israel, dem auserwählten Volk Gottes, wurde Gottes Sohn geboren. Und durch ihn ist das Heil Gottes tatsächlich allen Menschen dieser Erde zugänglich geworden. Seit der Auferstehung von Jesus Christus muss niemand mehr ein Israelit sein, um Gottes Liebe, seine Gerechtigkeit und das Licht seiner Wahrheit zu erfahren. Denn die größte Angst der Menschen, die Todesangst, ist uns genommen worden. Wir wissen, dass Gott durch seinen Sohn den Tod besiegt hat, sodass allen Menschen, die darauf vertrauen, das Gleiche ermöglicht wird.

Dieses ist das Heil Gottes, das er allen Menschen schenken möchte: Ewiges Leben mit ihm. Es wird uns ermöglicht durch Jesus, den Israeliten, den Gottesknecht, der Gottes Auftrag erfüllt hat, allen Menschen das Licht dieser seiner Wahrheit scheinen zu lassen. Vielleicht dürfen wir daher die heutigen Abschottungsprozesse Israels wie auch vieler christlicher Staaten als eine Glaubensherausforderung Gottes betrachten. Vielleicht fragt Gott dadurch in diese Zeit der Selbstherrlichkeit und Selbstsicherheit hinein: Meint ihr wirklich, es geht auch ohne mich? Ja, antworten viele. Ja, tatsächlich, wenn Menschen einseitige Gerechtigkeit suchen, die andere ausschließt; wenn Menschen Frieden mit Gewalt erzwingen; wenn für das eigene Wohlergehen die Ausbeutung anderer Menschen und der Natur akzeptiert werden. Nein, dürfen wir hingegen sagen, wenn es um wahre Gerechtigkeit geht, um unsere Ängste, um unser aller Leben, um das Leben an und für sich. Dann geht es letztendlich ohne Gott nicht wirklich weiter. Darauf dürfen wir vertrauen und um Erleuchtung bitten, damit Gottes Heil auch heute erkannt wird.

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