WORT ZUM SONNTAG: Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig

Sonntag, 15. Januar 2012

Paulus, der Intellektuelle unter den Aposteln, von dem der römische Statthalter Festus sagte, dass ihn das viele Wissen noch wahnsinnig machen würde, singt ein Loblied des gekreuzigten Christus, der Zurückhaltung, der Demut, des Schweigens. Nicht mit hohen Worten oder durch die Überredungskunst der Weisheit hat Paulus die Korinther überzeugt, sondern durch den gekreuzigten Christus, in Schwachheit, Furcht und viel Zittern. Der gekreuzigte Christus ist das Geheimnis Gottes, göttliches Geheimnis, erneuerter Glanz, die Ehre des Menschengeschlechts. Christus allein, den Gekreuzigten, will Paulus wissen, den gekreuzigten Christus will er predigen, SEIN Wort will er erfüllen, demütiges Werkzeug im göttlichen Heilsplan, in Erweisung des Geistes und der Kraft.

Das kommt daher, dass dieser Christus dem Paulus damals auf dem Weg nach Damaskus persönlich begegnet war. Dieses Ereignis hatte den einstigen Christenverfolger in die tiefste Krise seines ganzen Lebens gestürzt, aus welcher er als völlig neuer Mensch hervorging, der sich alsbald taufen und zum Apostel, zum Werkzeug des allmächtigen und barmherzigen Gottes berufen ließ, zu predigen das heilige Evangelium von Jesus Christus unter den Heiden. Tatsächlich ist dies einer der bewegendsten Momente in der Geschichte der frühen Kirche, als Hananias dem Mann, der vor noch gar nicht allzulanger Zeit Gefallen an der Hinrichtung des heiligen Stefanos bekundet hatte, die Hände auflegte, um ihn in den Dienst Gottes zu berufen. Zu Recht empfand Paulus dies als Ausdruck der unaussprechlichen Güte und Gnade Gottes.

Immer wieder kommt der Apostel auf diese Erfahrung zurück. Er, der von Hause aus Zeltmacher war, wurde gewürdigt, das Evangelium vor Königen und Mächtigen zu bezeugen und sein Zeugnis durch zahlreich erlittenes Leid, Gefängnisaufenthalte, empfangene Schläge und schließlich sogar den Märtyrertod zu besiegeln. Als Leitmotiv über dem persönlichen Leben des Paulus könnte die Jahreslosung für 2012 stehen, ein Satz aus seinem zweiten Brief an die Korinther: „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Ich erinnere mich an Bilder aus meiner Kinderbibel, die den Apostel mit einem Holzbrett gefesselt im Kerker zeigen. Das gleiche erleben wir heute bei den um ihres Glaubens willen verfolgten, gefangenen und oftmals auch gefolterten Christen. Es ist da gar kein garstiger Graben der Geschichte, der unsere Zeit von der des Paulus trennen würde. Denn der Apostel bezeugt das gleiche Evangelium und den gleichen HERRN, den auch wir mit Herz und Mund bekennen wollen, dieselbe Liebe, denselben Glauben, das gleiche Geheimnis, den heiligen Namen Jesus Christus.

Paulus, der durch die Gnade Gottes berufene Apostel unsres HERRN, hat die Erfahrung gemacht, was es heißt, zum Leib Christi dazu zu gehören. Seine Bekehrung war der – menschlich gesehen völlig unerwartete – Anfang eines neuen Lebens in der Gemeinschaft der Kirche, in welcher – verbunden im gemeinsamen Bekenntnis zu Jesus Christus als unserm HERRN – Intellektuelle und Handwerker, Frauen und Männer, Reiche und Arme, Große und Kleine, Junge und Alte, Gelehrte und Ungelehrte, Griechen, Juden und Barbaren ihren Platz und ihre je spezifische Aufgabe finden können. Nicht hohe Redekunst und Weltweisheit verbinden sie, sondern das Kreuz, die Liebe, die Gnade, die Güte und Barmherzigkeit Gottes, der göttliche Gehorsam, die Tränen, die Hingabe, die Ermahnungen und der Trost der Apostel, manchmal ein unaussprechlicher Friede im Herzen, die unterschiedlichen Gaben, der Sieg über die Sünde, den Tod und den Teufel, eine fest gegründete Hoffnung, der Glanz der kommenden Welt, der gekreuzigte, auferstandene HERR und sein lebendiges und Leben schaffendes Wort, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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