WORT ZUM SONNTAG: Gottes Wort berührt und setzt in Bewegung

Samstag, 30. Januar 2016

Apg. 16, 9-16: „Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich, nach Mazedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.
Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Mazedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in dieser Stadt.
Am Sabbattag gingen wir hinaus vor die Stadt an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen. Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde.
Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.“

Lukas erzählt in seiner Apostelgeschichte eine Begebenheit, die von ganz zentraler Bedeutung ist: Das Evangelium erreicht den europäischen Kontinent, in dem es seine Heimat finden wird. Die Begegnung mit der griechischen und römischen Kultur prägte das Evangelium so, wie wir es heute kennen.
Wohl im Frühjahr 49 haben Paulus und sein Gefährte Silas Antiochia, das heutige, nahe an der syrischen Grenze gelegene Antakya verlassen. Ihr Ziel war die Stadt Ephesus am Ägäischen Meer. Unterwegs wollten sie christliche Gemeinden besuchen, um ihnen vom Zusammentreffen der Apostel in Jerusalem zu erzählen. Und darüber, dass Christen davon frei sind, sich an das jüdische Gesetz halten zu müssen.
Unterwegs treffen sie in Lystra Timotheus wieder, den Paulus auf seiner ersten Missionsreise bereits kennengelernt hatte. Von sich aus wäre er wohl nie auf die Idee gekommen, nach Europa zu reisen. Aber durch die Leitung des Geistes war ihm seine Reiseplanung verwehrt worden. Er wollte ursprünglich von Galatien aus in der Provinz Asien predigen. Er muss die Reisepläne ändern und erreicht Troas, das Tor zu Europa. In Troas hat Paulus seinen Traum, der seine Schritte auf eine ganz neue Spur setzen soll.

Gott hat Paulus nach Mazedonien gesandt, so bezeugt es Lukas. „Paulus hat geträumt“. Nicht ganz, dort steht: Er hatte in der Nacht eine Erscheinung. Der Apostel Paulus, als ehemaliger Pharisäer sicher geschult im Verständnis von Visionen, verstand die Zeichen, die Zeichen der Zeit, und er handelte sofort.
Paulus und seine Mitarbeiter kommen nach Philippi. Er wird sich immer wieder umgeschaut haben, ob er nicht den Mann wiedersieht, der ihn nach Mazedonien gerufen hat. Aber er begegnet ihm nicht. Nach einigen Tagen tun sie das, was sie als fromme Juden tun sollten. Da es keine Synagoge in Philippi gibt, gehen sie zum Fluss, weil die Juden dort die rituellen Waschungen vornehmen können. Es waren einige Frauen dort. Die Missionare kommen mit den Frauen ins Gespräch. So begann das Evangelium in Europa bekannt zu werden. Lydia und ihr Haus, das waren die ersten Christen auf dem europäischen Kontinent.
Der erste Christ in Europa ist also eine Frau. Lydia kann, was Männern zumeist schwerfällt: Intensiv hören! Sie kann, wozu sich viele Männer außerstande sehen: Mit Gottes Eingreifen in unser kleines Leben rechnen! Ein Mann aus Europa hatte Paulus im Traum um Hilfe gerufen, aber er begegnet einer Frau! Lydia! Nach herkömmlicher Meinung war sie eine wohlhabende, emanzipierte, selbstbewusste Händlerin mit wertvollen Stoffen. Eine neue Deutung sagt, dass sie vielleicht eine freigelassene Sklavin aus Lydien (Thyatira) war, die die schwere Arbeit aus eigener Anschauung kannte und ihr Glück im Ausland suchte.

Wanderprediger bei sich zu Hause aufzunehmen, das war für Lydia riskant. Sie hätte gut deswegen angezeigt und, wie Paulus kurz darauf, ausgepeitscht werden können! Aber sie spürte: Wenn Gott zu mir reden will, dann muss ich bereit sein zu ungewöhnlichen Schritten. Dann muss ich bereit sein, mich ihm zu öffnen. Mit allen Risiken! Der Apostel Paulus hatte in Lydia den Glauben an Jesus geweckt, woraufhin sie sich mit ihrer Familie taufen ließ. Die Taufe hatte sie ermutigt, ihr Haus zum Mittelpunkt der in Philippi entstehenden Gemeinde zu machen.
Wie einfache Mittel mit höchster Wirkung! Ein paar Frauen am Fluss, nur eine lässt sich überzeugen, mit ihr wird eine kleine Hausgemeinde begründet. Anscheinend wenig – und doch so viel. Es ist wie eine kleine Quelle, die vielleicht zu einem großen Strom anschwellt. Paulus lässt sich senden, tut das, was wohl nötig ist, er erzählt von dem Glauben, der ihn bewegt, und den Rest überlässt er Gott.
Diese Geschichte kann mir weiterhelfen: Nicht immer sind die großen Entwürfe notwendig, dass aus unserer kleinen Schar etwas wird. Wichtiger ist wohl Gottes Wort, wichtig ist der Mensch, der sich anrühren lässt, und wichtig ist Gottes Geist, der daraus Großes wachsen lassen kann!

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