WORT ZUM SONNTAG: Im Geist leben und wandeln

Sonntag, 09. September 2018

Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.

Galater 5, 25-26

Soweit das Wort der Heiligen Schrift. Der HERR segne dieses Wort an Euren Herzen und Seelen.

Eine schöne Hochzeit hat ihren Sinn und ihr Ziel nicht darin, der schönste Tag im Leben von Braut und Bräutigam zu sein, so wichtig und ergreifend ein solches Fest natürlich sein kann. Bei der Trauung versprechen Braut und Bräutigam vor Gott, vor der anwesenden Gemeinde und den Trauzeugen, den Ehepartner zu lieben und zu ehren, die Ehe mit diesem nach Gottes Gebot und im Vertrauen auf seine Verheißung zu führen, bis dass der Tod die beiden scheidet. Wir wünschen den beiden einen schönen Hochzeitstag, aber noch mehr „o cas² de piatra“, ein Haus aus Stein, einen fest gegründeten Hausstand, einen glücklichen, gemeinsamen Weg durchs Leben. Und es ist auch klar, dass eine Ehe nicht nur für eine einzelne Stunde in der Woche geschlossen wird, sondern eben für ein gemeinsames Leben, in welchem die beiden Glück und Leid miteinander teilen. In einem russischen Liebeslied wird der Geliebte als der besungen, für den dein Herz schlägt und mit dem du dein Leid teilst.

Durch die Taufe werden wir Glieder der Kirche und Kinder Gottes. Als Geschenk erhalten wir dabei den Heiligen Geist. Das ist natürlich ein wichtiges Ereignis im Leben eines jeden Christen und für alle, die sich zu Jesus Christus als unserm HERRN bekennen. Aber was in und durch die Taufe geschieht, hat Bedeutung weit über den Tag der Taufe hinaus. Martin Luther hat gesagt, dass wir täglich in die Taufe zurückkriechen sollen, d. h. dass wir uns täglich ihrer Bedeutung und Kraft gewiss werden sollen, so wie wir uns ja – in der Regel – eben auch täglich waschen, damit wir nicht anfangen zu stinken.

Mir ist noch heute der Ausspruch einer Frau aus der Gemeinde gegenwärtig, wo ich vor vielen Jahren mein Vikariat absolviert habe, die darauf hinwies, dass wir Streit – etwa in der Familie – jeden Tag noch vor Sonnuntergang begraben und ausräumen sollen. Das aber heißt: beim Heiligen Geist in die Schule gehen. Der heilige Apostel Paulus sagt es ja klar: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit, gegen all dies ist das Gesetz nicht.“ (Galater 5, 22f) Und beim Heiligen Geist in die Schule gehen, heißt eben, alle diese Dinge lernen.

Das bedeutet dann, dass wir auf alle Selbstrechtfertigung verzichten lernen, dass wir nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern, den andern nicht bloßstellen und nicht beneiden. Wie das gemeint ist, können wir uns wieder am Beispiel der Ehe klarmachen. Man spricht ja auch vom „Ehejoch“. Das Wort könnte Anlass geben zu klagen. Solche Klage aber erfasst nicht den Sinn dieses Ausdrucks. Denn das Joch dient dazu, dass die beiden die Last ihres Lebens gemeinsam tragen lernen. Sie verlernen alle Rechthaberei. Sie lernen Geduld, lernen Rücksicht aufeinander zu nehmen und lernen einander zu lieben.

Jesus selbst sagt ja: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11, 28-30). Dieses Joch ist niemand anders als der Heilige Geist selbst, der unser Leben erneuern will, wie am schönsten Tag deines Lebens.

Amen.

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