WORT ZUM SONNTAG: Jesus als guter Hirte

Sonntag, 10. April 2016

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Liebe Schwestern und Brüder,

„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?“ schrieb Thomas Mann in „Josef und seine Brüder“und stieß damit tief hinein in die unergründliche Welt der Religionen. Und auf dem Grund, da fand er die Angst. Die Religionen verstehen viel von der Angst, weil sie bis in die größten Tiefen der menschlichen Psyche vordringen, gerade dorthin, wo auch der Sitz der Angst ist. Und ob wir es nun zugeben oder nicht, ob wir es verdrängen oder nicht – wir alle kennen sie, die Angst vor dem unausweichlichen, unbarmherzigen Tod. Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten, die wissen, dass sie sterben werden. Tiere und Pflanzen haben kein Bewusstsein ihrer eigenen Endlichkeit. Es ist im Grunde genommen nur eine Frage der Zeit. Und deswegen sind die Götter aller Religionen immer „mysterium tremendum et fascinosum“, wie der deutsche Theologe Rudolf Otto empfand, erschreckend und faszinierend zugleich, ein unergründliches Geheimnis. Denn in der Götterwelt der verschiedenen Religionen spiegelt sich die Selbsterfahrung des menschlichen Daseins mit all seinem Ausgeliefertsein an die höheren Mächte.

Und so kennen die meisten Religionen auch den Ritus des Opferns, um die Götter zu besänftigen. In den alten Religionen, wie zum Beispiel bei den Inkas, den Mayas, aber auch den Kelten, Germanen und Griechen finden sich auch die höchsten Formen des Opfers, nämlich des Menschenopfers. Und auch im alten Testament finden wir einen Ansatz zu einem solchen Opfer, und zwar bei der Opferung Isaaks, die allerdings noch im letzten Augenblick verhindert wird, weil Gott den großen Glauben Abrahams anerkennt. Mit dieser Geschichte wird vermutlich auch ein Übergang von Menschenopfern zu Tieropfern markiert. Die Angst vor dem Ausgeliefertsein an die Götter und der Drang, diese Angst zu besänftigen, fordert jedoch auch weiterhin immer wieder neue Opfer, der Opferritus besänftigt die Götter immer nur auf Zeit und muss deshalb immer aufs Neue wiederholt werden. Die verschiedenen Religionen der Welt verstehen allesamt sehr viel von der Angst, die tief im Brunnen der Vergangenheit lauert, sie können sie jedoch nicht bändigen.

Anders ist es jedoch im Christentum. Zwar kennen wir auch die Angst vor dem Tod, jedoch auch den Weg durch den Tod hindurch, die Möglichkeit, ihn zu überwinden. Schon im Alten Testament konnte die Angst gebannt werden, weil man um die Bundestreue Gottes wusste, der mit den Gläubigen einen Bund geschlossen und seinen Segen verheißen hat. Im neuen Testament erfahren wir nun auch den Weg, durch welchen der Bund eingehalten und somit der ewige Tod überwunden werden kann, nämlich durch das einmalige Opfer Jesu Christi am Kreuz und durch seine Auferstehung. Christus lehrte uns, dass Gott das Licht der Menschen ist, dass die Finsternis ihm nichts anhaben kann und dass wir nach unserem Tod in dieses Licht gehen werden. Durch das Gehaltensein in Christus, welches die Gläubigen erfahren dürfen, kann die Angst immer wieder aufs Neue überwunden werden. Sogar die Sünde und die Schuld, oft Auslöser existenzieller Ängste, können in Christo vergeben werden. Am kommenden Sonntag erfahren wir Jesus als den guten Hirten, der seine Schafe beim Namen kennt, der bereit ist, sein Leben für die Schafe zu geben und der auch dem verlorenen immer wieder nachgeht, damit es nicht für immer verloren bleibe.

Amen

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