WORT ZUM SONNTAG: König der Herzen

Samstag, 22. November 2014

Die englische Prinzessin Diana kam Ende August 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben. Fast die ganze Welt nahm an ihrem tragischen Lebensende Anteil. Weshalb? Als Prinzessin reiste sie oft in asiatische und afrikanische Länder. Dort nahm sie sich der kleinen Leute, vor allem der armen Kinder an. Sie nahm Säuglinge auf ihre Arme, herzte und küsste braune und schwarze Kinder. Mit einem Wort: Sie hatte ein Herz für kleine Leute und arme Kinder. Das erschien den Zeitungskorrespondenten, aber auch den einfachen Leuten so großartig, dass man sie nach ihrem tragischen Tod mit dem Ehrennamen „Prinzessin der Herzen“ bedachte. Sie hatte aber nie kleine Kinder betreut, sie hatte ihnen nie die schmutzigen Windeln gewaschen, sie hat aber den Kleinen herablassende Liebe geschenkt. Allein dass eine so hochgestellte Person sich zu den Kleinen herabließ, erschien den gewöhnlichen Menschen so großartig, dass man sie „Prinzessin der Herzen“ nannte.

Eine Woche nach ihrem Tode starb in Kalkutta die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa (1910-1997). Ihr hat man nicht den Titel „Prinzessin der Herzen“ gegeben, denn sie stammte ja nicht aus einer „blaublütigen Familie“ und auf die wartete auch keine königliche Krone. Aber welch wunderbare Leistungen hat sie an ihren Mitmenschen vollbracht! Fünfzig Jahre hindurch hat sie sich in Kalkutta der verwaisten oder verlassenen Kinder, der Armen in den Rinnsteinen und der Sterbenden auf den Straßen angenommen, sie bekleidet, gepflegt und den Sterbenden beigestanden. Sie verrichtete die niedrigsten Dienste für ihre Mitmenschen, ohne sie nach ihrer Ethnie oder Religion zu fragen. Sie sah in diesen Menschen nur Hilfsbedürftige und wollte ihnen mit all ihrer Kraft und christlichen Liebe helfen. Hätte sie nicht viel mehr als Diana den Titel „Prinzessin der Herzen“ verdient?

Was gab ihr die geistige Kraft dazu, sich der Verlassensten, der Kranken und Sterbenden anzunehmen? Ein Mann, der sie einmal begleitete, sagte erschüttert: „Nicht einmal, wenn man mich mit Millionen bezahlen würde, könnte ich eine solche Arbeit verrichten.“ Mutter Teresa gab zur Antwort: „Auch ich könnte das nicht für Millionen tun, ich kann es nur aus Liebe zu Christus tun!“ Diese Liebe zu Christus war eine geistige Kraftquelle. Offenbar ist die Christusliebe die stärkste und wirksamste geistige Kraftquelle. Er hat ja das alles mit seinem Tun und Lassen uns vorgelebt. Dabei stammt er aus dem höchsten Adel, den es überhaupt geben kann: Aus dem Adel Gottes! Und dieser Jesus, dem „alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist“, stieg nicht von einem irdischen Adelspalast in die Slums der Großstädte hinab; er stieg vom Himmel in das „Tal der Tränen“, in das Land der Sünden und des Todes herab. Ja, er tat einen Verzicht, wie es kein Sterblicher fertigbringen kann. Er verzichtete auf seine Allmacht, ja er tat noch mehr: Er bekleidete sich mit Ohnmacht und gab für uns, die geistig Blinden und Tauben, die vom Aussatz der Sünden Behafteten, sein Letztes hin, sein Blut und Leben am Kreuz.

Hat es jemals auf Erden einen Machthaber gegeben, der sich für seine Untertanen geopfert hätte? Aus der Geschichte kennen wir nur das Gegenteil: Die Untergebenen mussten sich für ihn opfern. Christus hat vor Pilatus gesagt: „Ja, ich bin ein König!“ Welcher Art König ist er für uns? Er hat aus Liebe zu uns das größtmögliche Opfer gebracht. Das Symbol dieses Opfers ist das Kreuz. Darum gilt für ihn, wie für keinen anderen Sterblichen, der Titel, den nur die Liebe verleihen kann: „König der Herzen!“

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