WORT ZUM SONNTAG: Mutter der farbigen Kinder

Sonntag, 02. Dezember 2012

Viele Weiße sind der Überzeugung, dass sie einer Edelrasse angehören. Sie halten Menschen mit farbiger Haut als minderwertig. Diese Rassenideologie erreichte im sogenannten „Dritten Reich“ ihren Höhepunkt. Die „arische Rasse“ sei die vornehmste Rasse und ihr Edelprodukt sei die „nordische Herrenrasse“. Von diesem Wahn befallen, schufen ihre Anhänger den verbrecherischen „Holocaust“.

Aber nicht nur in Hitler-Deutschland grassierte dieser fanatische Aberglaube. Auch in den USA, die auf ihre Freiheit so stolz sind, wurden Farbige lange Zeit, oft grausam, unterdrückt. In Afrika wurden Hunderttausende von Menschen mit schwarzer Haut geraubt und in Amerika als rechtlose Sklaven verkauft. Erst der Bürgerkrieg von 1861-1865 erstritt den Menschen mit schwarzer Haut die Freiheit. Dadurch wurden sie noch nicht „gesellschaftsfähig“. Der Ku-Klux-Klan verfolgte sie weiterhin und sogar in den öffentlichen Verkehrsmitteln herrschte bis tief ins 20. Jahrhundert die Rassentrennung. Der Vorkämpfer für die Rechte der Farbigen, Dr. Martin Luther King, wurde 1968 von Rassenfanatikern ermordet. Die Ureinwohner Amerikas, die Indianer, wurden aus ihren Stammesgebieten mit Gewalt vertrieben und in Reservationen eingepfercht. Diese Rassenprobleme scheinen heute zum Großteil gelöst zu sein, ist doch der „mächtigste Mann“ Amerikas ein Farbiger. Aber bis dahin war es ein weiter und beschwerlicher Weg. Es ist vor allem dem Wirken überzeugter Christen zu verdanken, dass in den USA die Rassentrennung aufgehoben wurde. Eine Vorreiterin dieser zutiefst christlichen Kulturarbeit war Maria Catherine Drexel.

Sie wurde am 26. November 1858 zu Philadelphia als „Deutschstämmige“ geboren. Ihr Vater war der Bankier Franz Anton Drexel und ihre Mutter eine geborene Langstroth. Catherine war die zweite Tochter, die Mutter starb einen Monat nach ihrer Geburt. Der Vater heiratete nochmals, um seinen Töchtern eine gute Stiefmutter zu geben. Es war Emma Bouvier, die Großmutter der berühmten Jacqeline Kennedy. Der zweiten Ehe entspross die Tochter Luise. So war es ein „Dreimädelhaus“ und eine harmonische Familie. In ihrem Reichtum vergaßen sie nicht ihre armen Mitbürger und engagierten sich großzügig finanziell in sozialen Projekten. Catherines Schwestern Elisabeth und Luise heirateten, sie aber blieb ledig. Die Stiefmutter starb 1883 und der Vater zwei Jahre später. Die 27-iährige Catherine erbte nun ein immenses Vermögen. Sie hätte in Saus und Braus luxuriös leben und sich jeden Wunsch erfüllen können. Sie beschloss, wozu nur ein überzeugter christlicher Glaube einen Menschen bewegen kann, ihr ganzes Vermögen für die Erziehung von Neger- und Indianerkindern einzusetzen. Die finanziellen Mittel sollten nicht verpufft, sondern sinnvoll eingesetzt werden und dauernde Früchte zeitigen.

Catherine unternahm eine Pilgerfahrt nach Rom und erhielt eine Audienz bei Papst Leo XIII. Ihm trug sie ihr Vorhaben vor und bat, er möge veranlassen, dass für die Erziehung armer Indianer- und farbiger Kinder in den Slums der USA eine Schwesterngemeinschaft gegründet werde. Sie wolle dafür den größten Teil ihres Vermögens stiften. Der kluge Papst überraschte sie mit dem Vorschlag, sie solle diesem wichtigen Anliegen nicht bloß ihr Vermögen, sondern auch sich selbst widmen und selber eine solche Schwesterngemeinschaft gründen.

Nach Hause zurückgekehrt, begann sie den Vorschlag des Papstes zu erfüllen. Bald gesellten sich ihr gleichgesinnte Jungfrauen zu. In den Mittelpunkt stellten sie die Anbetung der hl. Eucharistie. Das Gebet ermutigte sie zur Tat. Maria Catherine erkannte, dass den armen Neger- und Indianerkindern am besten durch eine christliche Erziehung und entsprechende Schulbildung geholfen werden kann. Mit Hilfe ihres Vermögens errichtete sie Schulen. Es gesellten sich viele Frauen und Mädchen ihrer Gemeinschaft zu. Als 1913 ihre Schwesterngemeinschaft von Rom approbiert wurde, wuchs sie noch rascher an. Sie nannten sich „Schwestern vom hl. Sakrament für Indianer und Neger“. Bald wurden Schulen und Häuser in Columbus Ohio, Chicago, Boston, Haarlem und New York-City eröffnet. Das Mutterhaus wurde auf dem Sommersitz der Familie Drexel errichtet. Catherine Drexel schuf 1915 die Xavier-University in New Orleans für farbige katholische Studenten. Damals wurden farbige Studenten an anderen Universitäten noch nicht zugelassen.
Sie erreichte ein hohes Alter und starb am 3. März 1955 96 Jahre alt. Papst Johannes Paul II. sprach diese außerordentliche und vorbildliche Christusjüngerin am 20. November 1988 selig.

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