WORT ZUM SONNTAG: Schafe unter Wölfen

Sonntag, 11. August 2013

Christus gab nach seiner Auferstehung auf einem Berg in Galiläa den Aposteln den Auftrag: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe!“ Dieser Auftrag wurde von den Aposteln und allen nachfolgenden Glaubensboten erfüllt. Die Botschaft Christi wird auch heute in allen Kontinenten verkündet. Die Glaubensboten, die in fremde unbekannte Länder zogen, benötigten große Glaubenskraft und hohen Mut. Ihnen begegneten Misstrauen der Einheimischen, Neid, Eifersucht und Hass der Zauberer und Schamanen, die ihren Einfluss schwinden sahen. Es bewahrheitete sich das Wort Christi: „Ich sende euch wie Schafe unter Wölfen!“ Unzählige Glaubensboten mussten bei ihrem Wirken ihr Leben für Christus opfern. Zu diesen opferbereiten Glaubensboten gehören auch die drei Franziskaner P. Liberatus Weiss, Michele Pio Fasoli und Samuele Marzorati. P. Liberatus Weiss wurde am 4 Januar 1675 zu Konnersreuth in der Oberpfalz geboren. Diese Gemeinde wurde im 20. Jahrhundert weltweit durch Theresia Neumann bekannt. Sie trug die Wundmale Christi an ihrem Leib und lebte dreißig Jahre hindurch nur von der hl. Kommunion. Das wurde streng überwacht. So ging schon 200 Jahre vorher ein Gnadenstern über diesem Ort auf. Der Knabe wurde auf den Namen Johannes Laurentius getauft. Da er begabt war, besuchte er im Städtchen Waldsassen die Schule des dortigen Zisterzienserstiftes.

Mit 18 Jahren verließ er seine bayerische Heimat, reiste nach Wien und wurde Franziskaner. Beim Eintritt erhielt er den Ordensnamen Liberatus. Erfolgreich durchlief er die Studienjahre in Philosophie und Theologie und wurde 1698 zum Priester geweiht. Zunächst wirkte er in Niederösterreich und da er Rednertalent besaß, wurde er sogar Stadtprediger in Graz.
In einem Rundschreiben bat der Generalkommissar des Ordens 1703 um freiwillige Missionare für Äthiopien. Sofort meldete sich Liberatus für diese Aufgabe. Äthiopien hatte schon in frühester Zeit den christlichen Glauben angenommen. Leider ging im Laufe der Zeit der Kontakt mit Rom verloren und die Kirche Äthiopiens verfiel der Häresie des Monophysitismus. Der KaiserÄthiopiens Jasu und Mitglieder des höheren Klerus suchten die Union mit Rom wiederherzustellen. Der Herrscher ersuchte Papst Clemens XI.(1700-1721) um Franziskaner, die die Union vorbereiten sollten. Die Aussichten waren vielversprechend.

P. Liberatus wurde 1704 von der Kongregation für die Glaubensverbreitung in Rom zum Missionar für Äthiopien bestimmt. Vorher musste er eine Ausbildung durchlaufen, die auch die Vermittlung notwendiger medizinischer Kenntnisse einschloss. Im September 1704 reiste er mit mehreren Mitgliedern des Ordens nach Ägypten. Anfang 1705 begann die mühevolle Reise nilaufwärts. Sie gelangten ermattet nach Khartum, der heutigen Hauptstadt des Sudans, am Zusammenfluss des weißen und blauen Nils. Der dortige König Bade ließ die Minderbrüder nicht weiterziehen und beraubte sie all ihrer Habe. Der Tod lichtete die Reihen der ausgeplünderten und ausgehungerten Franziskaner so sehr, dass nur Liberatus und Michele Pio überlebten. Beide mussten nach Ägypten zurückkehren. Rom erhielt Kunde von diesen leidvollen Ereignissen. Die Kongregation für die Glaubensverbreitung ernannte 1711 P. Liberatus zum Apostolischen Präfekten für Äthiopien und gab die Weisung, nochmals eine Reise nach Äthiopien zu unternehmen. Diesmal ging die Fahrt übers Rote Meer. Nach einer gefahrvollen Reise landeten P. Liberatus und seine zwei Gefährten Michele Pio und Samuele Marzorato im April 1712 in Massaua, eine Hafenstadt im heutigen Eritrea. Diese Stadt ist einer der heißesten Orte der Erde. Schließlich gelangten die drei Glaubensboten nach Giondar, der damaligen Hauptstadt Äthiopiens. Kaiser Jasu war 1707 gestorben. Sein Nachfolger auf dem Thron war Justos, der die drei Glaubensboten freundlich empfing.

Seine politische Stellung war noch nicht gefestigt. Deshalb mahnte er zur Vorsicht und ließ sie nicht in aller Öffentlichkeit predigen. Die Missionare errichteten ein Hospiz und behandelten die Kranken kostenlos. Dadurch entstand für sie ein günstiges Klima. Schon schien die Union mit Rom zu gelingen. Die Gegner der Union fürchteten nun, ihren politischen Einfluss zu verlieren. Sie wiegelten mit Schauermärchen das ungebildete Volk gegen die Missionare auf. Der Kaiser wurde zur Abdankung gezwungen. Die Missionare verloren damit ihre Schutzhand. Der neue, junge und unerfahrene Kaiser David III. war ganz von der Gunst der Höflinge abhängig. Die drei Glaubensboten wurden bald verhaftet und am 2. März 1716 vor Gericht gestellt. Man warf ihnen Verhetzung des Volkes und andere Verbrechen vor. Sie könnten ihr Leben nur retten, wenn sie sich beschneiden ließen und Monophysiten würden. Das lehnten sie entschieden ab. Nun wurden sie zum Tode durch Steinigung verurteilt. Es war die Exekutionspraxis des Alten Testaments. Am nächsten Tag wurden die drei Glaubensboten zum Richtplatz geführt und zu Tode gesteinigt. Mit Lobgesängen auf den Lippen gingen sie in den Tod wie einst der Erzmärtyrer Stefanus vor den Toren Jerusalems. Sie waren tatsächlich Schafe unter den Wölfen. Papst Johannes Paul II .sprach die drei Blutzeugen am 20. November 1988 selig.

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