WORT ZUM SONNTAG: Schatzsucher

Sonntag, 30. Juli 2017

Eine indische Legende berichtet Folgendes: Ein Weiser, der ein heiligmäßiger Mann war, hatte auf seiner Reise den Rand eines Dorfes erreicht. Er ließ sich unter einem Baum nieder, um dort die Nacht zu verbringen. Da kam ein Dorfbewohner angerannt und rief: „Der Stein! Gib mir den kostbaren Stein!“ „Welchen Stein?“ fragte der Weise. Der Mann erklärte: „Letzte Nacht erschien mir der Gott Shiwa und sagte mir, ich würde bei Einbruch der Dunkelheit am Dorfrand einen Mann finden, der mir diesen kostbaren Stein geben wird, sodass ich für immer reich sein werde“. Der Weise durchwühlte seinen Sack, zog einen Stein heraus und sagte: „Wahrscheinlich meinte Shiwa diesen Stein hier. Ich fand ihn vor einigen Tagen auf einem Waldweg. Du kannst ihn natürlich haben“. Staunend betrachtete der Mann den Stein. Es war ein Diamant, wahrscheinlich der größte Diamant der Welt. Er nahm den Diamanten und ging nach Hause. Er konnte aber die ganze Nacht nicht schlafen und wälzte sich im Bett. Beim Tagesanbruch des nächsten Morgens weckte er den Weisen aus dem Schlaf und sagte: „Gib mir lieber den Reichtum, der es dir ermöglicht hat, diesen Diamanten so leichten Herzens wegzugeben!“

Christus vergleicht seine Heilsbotschaft mit einem Schatz im Acker und mit einer kostbaren Perle. Der Entdecker des Schatzes verkauft sein ganzes Eigentum, um den Acker mit dem Schatz zu erwerben und ein Kaufmann verkauft seine ganze Habe, um diese kostbare Perle zu besitzen. Was will Christus uns damit sagen? Wer den ewigen Wert seiner Heilsbotschaft erkennt, relativiert alle irdischen Werte und ist zu jedem Opfer bereit, diese Heilsbotschaft wie einen Schatz in sich aufzunehmen. Wer aber sein Leben nur zur Jagd nach materiellen Gütern gestaltet, wird den „Schatz im Acker“ und die „kostbare Perle“ nie entdecken. Wer – um mit dem Apostel Paulus zu reden – „sucht, was droben ist“, der erkennt den unschätzbaren Wert der Heilsbotschaft Christi. Er denkt um, wie der Mann in der Legende, der den geistigen Reichtum des Weisen erahnt, der ihn dazu bringt, leichten Herzens auf den „Diamanten der materiellen Genussgüter“ zu verzichten.

Wer kann sich dazu entschließen? Jeder, der die Heilsbotschaft höher einschätzt als Banknoten, Aktien, Geldbörsen und Glücksgüter. Der Markgrafensohn Aloysius von Gonzaga (1568 – 1591) war einer, der dies fertigbrachte. Als Erstgeborener sollte er die Grafschaft erben. Doch der heranwachsende Jungmann entdeckte den „Schatz im Acker“ und die „kostbare Perle“ der Heilsbotschaft Christi. Er hatte harte Auseinandersetzungen mit dem Vater, der ihm das Familienerbe aufdrängen wollte. Leichten Herzens verzichtete Aloysius auf die Grafschaft zugunsten seines jüngeren Bruders. Er trat zu Rom in den Jesuitenorden ein. Als dort die Pest ausbrach, betreute er Pestkranke, wurde selbst angesteckt und starb mit 23 Jahren im Dienste der Nächstenliebe. Sein Bruder, der das Erbe abtrat, auf das Aloysius so leichten Herzens verzichtet hatte, wurde später ermordet. Aloysius ist das ruhmvolle Mitglied des ganzen Gonzagageschlechtes. An ihm erfüllte sich das Wort aus dem Buch der Sprüche: „Der Gerechte ist wie ein Baum für die Ewigkeit!“

Auch wir haben in der Taufe das Anrecht auf den „Schatz im Acker“ und auf die „kostbare Perle“ der Heilsbotschaft Christi empfangen. Glücklich der Christ, der diese Werte erkennt. Er wird trachten, diesen geistigen Reichtum zu bewahren. Was hilft zur Bewahrung? Als man im Mittelalter Burgen erbaute, trug man Sorge, dass sich im Inneren der Burg ein Brunnen befand, der genügend Wasser führte. Wo das vernachlässigt wurde, konnte eine lange Belagerung nicht ausgehalten werden. Trotz der festen Mauern musste die Burg übergeben werden, wollten die Belagerten nicht vor Durst umkommen.

Auch wir werden in unserer Glaubensburg ständig vom Bösen belagert. Wir werden nur dann die Belagerung gut überstehen und uns die Schätze der Heilsbotschaft Christi nicht rauben lassen, wenn wir unseren Geistesbrunnen auf die unversiegbare Quelle der Gnade und Rettungsliebe Gottes bauen. Bleiben wir eifrige Schatzsucher und bewahren wir den gefundenen Schatz. Dann werden wir die ewigen Schätze Gottes mitbesitzen und nicht, als abgewiesene Bettler, vergeblich an die Tür der Schatzkammer Gottes pochen.

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