WORT ZUM SONNTAG: Trost und Hilfe

Sonntag, 22. September 2013

„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“
(1.Joh.5, 4c).

Nach dem Märtyrertod der beiden Apostel Petrus und Paulus hatte Johannes die Leitung und Betreuung der kleinasiatischen Gemeinden übernommen. Aus Ephesus, wo er seinen Wohnsitz hatte,  schreibt er nun gegen Ende des ersten christlichen Jahrhunderts ein Rundschreiben, das uns unter dem Namen „1. Johannesbrief“ bekannt und erhalten geblieben ist.

Was Johannes zu diesem Schreiben veranlasste, war das Auftreten einiger Irrlehrer, die ein höheres Christentum anstrebten. Sie wollten zwar Christen bleiben, aber die apostolische Lehre, das „was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben und unsere Hände betastet haben ...“ genügte ihnen nicht mehr. Sie erheben darum prophetischen Anspruch und verkünden: Jesus sei gar nicht der Christus, der Sohn Gottes. Jesus sei ein normaler Mensch gewesen, der Sohn des Zimmermanns Joseph und der Maria. Und so sei er auch am Kreuz als ein einfacher Mensch gestorben. Darum sei von ihm kein Heil zu erwarten. Der Christus aber, der Messias, sei ein himmlisches Geisteswesen.

Gegen diese Irrlehrer, die das Leben in den Gemeinden gefährdeten, tritt Johannes auf  und schreibt diesen Brief, um seine Gläubigen zu stärken. Er zeigt ihnen, was sie an der Gemeinschaft mit Gott haben und wie sie diese Gemeinschaft bewahren können. Denn all das, was die Apostel verkündigt haben, sind keine Mythen und Legenden, sondern das alles haben sie mit Jesus von Nazareth selbst erlebt: Sie haben seine Worte gehört und seine Taten und Wunder gesehen; sie haben erlebt, wie Gott sich bei seiner Taufe zu seinem „Sohn“ bekannte. Dann haben sie ihn am Kreuz gesehen und haben alles miterlebt, was in seiner Todesstunde geschah. Und sie haben ihn auch als den Auferstandenen gesehen und erlebt. Dieser Jesus ist der Heiland der Welt und nur in ihm ist das Heil zu finden!

Das, was Johannes damals seinen Gemeinden geschrieben hat, dürfen auch wir heute hören – zu unserem Trost und zur Hilfe. Auch wir sollen wissen, dass Jesus der Heiland der Welt ist und dass wir in ihm das Heil haben. Und das ist keine Botschaft, die nur an Sterbebetten, an Gräber und Särge gehört; es ist auch keine Botschaft nur für alte und kranke Menschen; sondern eine Botschaft für uns alle, die wir Hilfe suchen zur Bewältigung unseres Lebens. Denn nicht nur die ältere Generation hat ihre Fragen und Probleme mit der Bewältigung des Lebens. Immer mehr junge Menschen suchen heute nach Antworten auf die Fragen nach dem Sinn dieses Lebens und nach Lebenshilfe. Denn neben die alltäglichen Sorgen und Probleme, neben Krankheit und verborgene Todesangst tritt heute immer mehr die Unsicherheit unseres Lebens, in einer Welt, in der das Leben immer komplizierter wird und unsere Zukunft immer unsicherer ist.

Wie bewältigen wir  das Leben mit seinen vielfältigen Sorgen und Anforderungen? Wie werden wir damit fertig? Wir leben in dieser Welt und sind ein Teil dieser Welt. Auf der einen Seite haben wir das Empfinden, dass dieses Leben schön und lebenswert ist. Andererseits aber stellen wir fest, dass diese Welt immer unsicherer ist, dass sie immer mehr aus den Fugen gerät und dass immer mehr und andere Gefahren auftauchen, die unser Leben erschweren.

Wer ist nicht schon einmal am Morgen mit einem Seufzer aufgewacht, ohne zu wissen, warum ihm das Herz schwer ist?! Und gerade hier will uns unser Wochenspruch weiterhelfen. Denn der Glaube an den auferstandenen Heiland hat gerade damit zu tun, was wir „Lebensbewältigung“ nennen. Martin Luther nennt diese Möglichkeit, mit der Angst und Unsicherheit fertig zu werden, einfach „überwinden“. Und Johannes sagt heute: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“.

Wie kann uns der Glaube hier weiterhelfen? Brauchen wir da nicht vielmehr starke Nerven? Was heißt überhaupt „Glaube“? Gehört der Glauben nicht vielmehr der Vergangenheit an? Wenn wir das Wort „Glauben“ hören, denken wir gleich an etwas Unsicheres, Zweifelhaftes, Fragliches. Wer nicht mit Sicherheit sagen kann „Ich weiß!“, der sagt „Ich glaube“. Und warum ist unser Glaube, der Sieg, der die Welt überwunden hat?

Glauben heißt nicht die Meinung – es könnte ja vielleicht doch stimmen, was von Jesus gesagt wird! Und Glauben heißt auch nicht die Hoffnung, dass später einmal, wenn mein Ende kommt, auch mit mir alles in Ordnung sein wird! Denn der Glaube ist nicht „unser Glaube“, sondern „unser Glaube an Jesus Christus“! Und Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Wir sollen nicht auf uns und unseren schwachen Glauben sehen, sondern auf IHN und auf das, was er für uns getan hat. Christus hat diese Welt besiegt. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er die Gewalt des Bösen und die Schrecken des Todes besiegt. Und an diesem Sieg gibt er uns Anteil.

Der Glaube bedeutet nicht alles besser kennen oder besser wissen. Sondern er ist das Vertrauen, dass Christus mich angenommen hat und dass er mich mit seiner Liebe durch das Leben begleitet. Das gibt uns Sicherheit und Gelassenheit, weil wir wissen, wir sind nicht allein. Möge dieser Glaube uns bewahren und gut zum Ziel bringen. Amen.

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