WORT ZUM SONNTAG: Unser Lebensziel

Samstag, 21. Februar 2015

Reiche Leute suchen den Lebensweg ihrer Kinder zu ebnen. Alle Hindernisse sollen aus dem Weg geräumt werden. Deshalb werden die Kinder in die besten Schulen geschickt, bei Krankheiten sollen die besten Ärzte helfen. Es wird großzügig für nahrhaftes Essen und für warme Kleidung im Winter gesorgt. Die Kinder erhalten zur Unterhaltung die teuersten Spielzeuge. Und wenn sie großjährig geworden sind, was ist aus ihnen geworden? Oft Bilderbuchegoisten, denn ihnen wurde ja nie beigebracht, dass das Leben aus Erfüllung von Aufgaben und nicht von unbescheidenen Wünschen besteht. Gott ist der reichste aller Väter. Wie hat Er den Lebensweg seines „einzigen Sohnes voll Gnade und Wahrheit“ gestaltet? Ganz anders als die besorgten reichen Eltern. Er ließ seinen Sohn, den Sohn des Königs der Könige, in einem Schafstall geboren werden. Kaum geboren, wurde das Kind zum politischen Exilanten, denn Herodes wollte es töten. Dieses Kind wuchs nicht in Samt und Seide auf, sondern in Armut und Genügsamkeit.

Christus begann sein öffentliches Wirken. Er wollte das Reich Gottes auf Erden gründen. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, musste er populär werden. Da trat die Versuchung an ihn heran: „Tue etwas Außergewöhnliches, dass alle Leute vor Staunen mit offenem Munde dastehen. Nur wenn du im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehst, kannst du Eindruck machen und Hörer begeistern!“ Die Versuchung lautete: „Stürze dich von der Zinne des Tempels herab. Dir wird nichts geschehen, denn die Hand Gottes fängt dich auf!“ Ehrgeizige Politiker, die hoch hinauf wollen, wären bereit, sich vom Dach eines Turmblocks hinabzustürzen, wenn sie die Garantie hätten, dass alles gut ausgehen wird. Da sie aber diese Garantie nicht haben, stürzen sie sich lieber vom Turm der Versprechungen herab. Sie wissen, dass das Sprungtuch des schnellen Vergessens sie unbeschadet auffangen wird. Jesus ließ sich von so einer Versuchung nicht überwinden.
Jesus wirkte das Wunder der Brotvermehrung. Sofort wollte ihn die satt gewordene Menge zum König ausrufen. Er widerstand dieser Versuchung und entzog sich ihr. Nicht mit materiellen Geschenken wollte er die Volksgunst erringen. Die Politiker sollten sich ihn zum Vorbild nehmen.

Dann kam die Ölbergstunde, wo es um die Entscheidung über Leben und Tod ging. Es war, menschlich gesprochen, die schwerste Entscheidung. Sie war so schwer, dass sein Schweiß zu Blut wurde. Er überwand sie mit den Worten: „Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“ Am Kreuz durchkämpfte er die letzte Versuchung. Höhnisch riefen ihm die Vorsteher des Volkes zu: „Steig´ herab vom Kreuz und wir wollen an dich glauben!“ Er hätte es tun und so seine Macht offenbaren können. Aber der Erlösungsauftrag des Vaters war ihm jedes Opfer wert. Er überwand auch diese Versuchung mit dem Siegeswort: „Es ist vollbracht!“
Wir stehen immer wieder vor der Entscheidung zwischen Gut und Böse. Der Dichter Nikolaus Lenau illustriert diese Tatsache: „Der Seelen jede hat zwei Rosse, das eine bös, das andre rein. Das edle strebt zur Höh´ empor, das böse wiehert mit Gestampfe und zieht hinab zu Sumpf und Moor!“ Der Schriftsteller Jean J. Rousseau traf nach seiner Einschätzung die falsche Entscheidung: „Ich habe heftige Leidenschaften und solange die in mir toben, kenne ich weder Schonung noch Anstand. Ich bin frech, unverschämt, heftig. Schande hält mich nicht zurück!“ Bedauernd spricht er über diese falschen Entscheidungen: „Ich hätte ein guter Christ, ein guter Bürger und guter Freund, ein guter Hausvater, ein guter Mensch werden können. Statt dessen: Welch ein Gemälde von Unglück habe ich zu entwerfen!“ Wir können in unserem Leben die richtigen Entscheidungen treffen und die Versuchungen der unlauteren Begierden überwinden. Nicht das „Es gut haben“, sondern das „Gut-sein“ sei unser Lebensziel.

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