WORT ZUM SONNTAG: Unsere Gaben nutzen

Samstag, 01. August 2015

Liebe Leserinnen und Leser,

der 9. Sonntag nach Trinitatis, auf den wir zugehen, wird vom Evangelium der anvertrauten Talente bestimmt (Mt. 25,13-36). Darin wird sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Gott uns einen Auftrag gibt. Um welchen Auftrag es sich dabei handelt, unterstreicht fast jedes Gleichnis des Neuen Testaments. Eben auch unseres. Denn in ihm geht es darum, das Reich Gottes in der Welt zu verbreiten. Es geht darum, das Reich Gottes in dieser dunklen Welt sichtbarer werden zu lassen. Und da sind wir, alle Getauften, die sich in der Nachfolge Jesu Christi wissen, gerufen dieses zu tun. Wie? Schauen wir weiter was unser Gleichnis erzählt.

Es wird davon erzählt, dass ein Herr seinen Knechten sein Vermögen anvertraute. Und jedem gab er eine bestimmte Summe: dem Ersten fünf Silbertalente, dem Zweiten zwei und dem Dritten einen. Mit diesen sollten nun die Drei das Vermögen ihres Herrn vermehren. Während die ersten Zwei den Auftrag erfolgreich ausführten, ist der Dritte auf „Nummer sicher gegangen“ und hat das anvertraute Talent begraben. Als der Herr nun wieder im Lande war und das Ergebnis sehen wollte, musste er feststellen, dass die ersten Zwei weise gehandelt haben, während der Dritte ihm nichts vorweisen konnte, außer dem anvertrauten Talent. Die beiden anderen Knechte wurden für ihr kluges Handeln belohnt. Der dritte musste in den sauren Apfel beißen und verlor alles. Soweit unser Gleichnis.
Es könnte durchaus möglich sein, dass diese Geschichte uns ein bisschen in die Irre führt. Denn darin geht es ja in erster Linie ums Geldvermehren. Und da kennt sich unsere moderne Gesellschaft heutzutage ja bestens aus. So gut, dass viele Menschen wegen der Gier und der Habsucht einiger viel zu leiden haben. Aber unser Gleichnis will uns viel mehr sagen, als Geld zu machen.

Jesus hat sehr gerne Gleichnisse erzählt, um den Menschen mit sehr beispielhaften Bildern aus ihrem Alltag die Botschaft Gottes näher zu bringen. In ihnen geht es immer um Gott und um sein Reich. Es ist wirksam wie ein Senfkorn oder ein Sauerteig, es ist kostbar wie ein Schatz, den man im Acker findet oder wie eine Perle, die man auf dem Markt findet. Seine engsten Jünger musste Jesus darauf vorbereiten, dass sich sein Wirken auf der Erde langsam dem Ende zuneigte. Und er musste ihnen klarmachen, dass damit nicht alles aus war, sondern dass Gottes Reich auch nach seinem Tod sich weiter auf der Erde ausbreiten und irgendwann für alle Menschen sichtbar sein wird. Und er musste ihnen ebenfalls klarmachen, dass sie nun an der Reihe sind, diesen Auftrag Gottes weiterzuführen. Deswegen schickt er sie hinaus in die Welt, um vom Reich Gottes zu erzählen und Menschen für das Reich Gottes zu begeistern. So fing es an, ihr Lieben. Und heute sind wir es, die dieses Wort hören, diesen Auftrag hören. Wie gehen wir damit um? Wie gehen wir mit den Talenten um, mit den Gaben, die Gott uns anvertraut, ja geschenkt hat? Bringen wir uns damit ein zum Wohl der Gemeinde Jesu Christi? Tragen wir in irgendeiner Weise dazu bei, dass die paradiesischen Zustände des Reiches Gottes, die wir uns ja alle auf dieser Welt wünschen, sichtbar werden?

Am letzten Sonntag ging es darum, dass wir in der Welt salzen sollen, d.h. die Welt schmackhafter, genießbarer, besser machen sollen. Es hieß ebenso, dass wir auch leuchten sollen wie das Licht, damit die Finsternis, die unsere Welt jeden Tag aufs Neue bedeckt, vertrieben wird. Ein klarer Auftrag. Nur: Wie sieht es mit der Umsetzung in Deinem, in unserem Leben aus? Ich erlebe leider immer wieder, wie ungerecht wir unserem Auftrag eigentlich werden.  Wir streiten lieber, als dass wir versöhnt und in geschwisterlicher Liebe miteinander die Welt besser machen. Aus uns erklingen auch immer wieder die Gier, der Neid und die Missgunst. Hier und da wollen wir uns auch gerne mal in den Mittelpunkt stellen, nach vorne drängeln und über andere treten. Kein Wunder, wenn die Welt aus allen ihren Fugen zu geraten scheint.

Gott will etwas anderes von uns. Der ursprüngliche Auftrag an uns ist ein anderer. Seid Licht! Seid Salz! Gebt von der Liebe Gottes, die jeder von uns bekommen hat, an eure Mitmenschen weiter! Lasst Gottes Reich schon jetzt unter euch sichtbar werden! Seid wie die beiden Knechte, die aus dem, was sie bekommen haben, mehr gemacht haben. Verschwendet die Zeit nicht, die ihr bekommen habt, denn einmal werdet ihr alle vor dem Richterstuhl Christi stehen und Rechenschaft davon ablegen, wie ihr mit den anvertrauten Talenten, mit euren Gaben umgegangen seid.
Vielleicht ist es an der Zeit zu überlegen, welche Gaben Gott uns gegeben hat und wie wir sie einbringen können, damit wir unseren Auftrag erfüllen. Vielleicht müssen wir uns aber erst einmal in unser sicheres Versteck begeben, um die verborgenen Talente wieder ans Tageslicht zu holen. Gott hat sie uns geschenkt. Machen wir was draus!

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*