WORT ZUM SONNTAG: Unter dem Diktat des Magens

Sonntag, 05. August 2012

Christus hatte einen ganzen Tag lang das heilshungrige Volk über das kommende Reich Gottes belehrt. Dass dieses Reich Wirklichkeit werden kann, bekräftigte er durch die wunderbare Brotvermehrung. Die gesättigten Leute waren nun so begeistert, dass sie ihn zum König ausrufen wollten. Doch er entzog sich ihnen. Am nächsten Tag suchten sie ihn. Wollten sie sich im Glauben an das verheißene Gottesreich bestärken lassen? Nein. Sie hatten wieder Hunger und hofften auf die erneute Sättigung des knurrenden Magens. Sie standen leider unter dem Diktat des Magens.

Sind wir heutigen Menschen aus anderem Holz geschnitzt? Leider nein. Als kurz nach der Revolution von 1989 aus dem Ausland Hilfsgüter bei den Kirchen eintrafen, da strömte viel Volk zu den Kirchen, aber nicht in die Kirchen. Sie wollten nur Brot und andere Hilfsgüter, die Frohe Botschaft vom Reiche Gottes interessierte sie wenig. Auch sie standen unter dem Diktat des Magens und der fünf körperlichen Sinne.

Erfahrene Machthaber und Politiker haben eine gute Menschenkenntnis. Sie wissen, dass viele Bürger sich dem Diktat des Magens unterworfen haben. Darauf bauen sie ihre Machtstrategie auf. Die römischen Cäsaren sorgten, dass das Volk genügend „Brot und Zirkus“ habe. So sicherten sie ihre Macht. Die heutigen Politiker, die durch Wahlen an die Hebel der Macht gelangen wollen, überbieten sich gegenseitig in Versprechungen für reichlich „Brot und Zirkus“. Leider gleichen die Versprechungen dem Riesen Goliath, die Erfüllungen aber nur den „sieben Zwergen“.

Kann das erfüllte Diktat des Magens uns glücklich machen? Fragen wir eine Person, die alles in „Hülle und Fülle“ genießen konnte. Die Marquise von Maintenon hatte durch ihre Schönheit die Aufmerksamkeit des Königs Ludwig XIV. so erregt, dass er sich nach dem Tod seiner Gemahlin heimlich mit ihr trauen ließ. Später gestand sie einer Freundin im Brief: „Ich sterbe vor Traurigkeit in Glücksverhältnissen, die jeden Traum übersteigen. Nur Gottes Beistand verhindert, dass ich daran nicht zerbreche. Ich war jung und schön; ich habe das Leben genossen. Im reiferen Alter habe ich jahrelang mit geistreichen Leuten verkehrt. Ich habe allerhöchste Gunst erlangt. Und ich schwöre Ihnen: All das hat nur eine schreckliche Leerheit in mir zurückgelassen, weil in all dem keine wahre Befriedigung liegt!“ Voller Magen, überreizte Sinne und dagegen ein leeres, einsames, religiös vernachlässigtes Herz können kein Glück erzeugen.

Ergreifen wir die andere Alternative: Stellen wir unser Leben unter die Verheißungen Christi: „Ich bin das Brot des Lebens, ich bin das Licht der Welt, ich gebe euch ewiges Leben!“ Der Dichter Max Dauthendey und seine Frau waren religionslos und betrachteten das Christentum als eine überwundene Sache. Aber noch rechtzeitig erkannten sie seine unübertreffbaren geistigen Werte. Es wurde ihnen Halt in Einsamkeit und Sehnsucht. Ende August 1917 schrieb die Frau aus ihrer schwedischen Heimat an den Gatten, der vom Krieg in Java festgehalten wurde und dort 1918 starb: „Erinnerst Du Dich, dass ich immer dachte, die Mathematik könne mir den Schlüssel zum Weltall geben? Jetzt habe ich Ihn gefunden, er heißt Jesus! Jesus ist der Schlüssel zu Gott, zur ganzen Welt, zu allen Menschen. Er ist der Schlüssel zum Himmel und der Schlüssel, der des Todes Pforte öffnet!“

Verweilen wir nicht unter dem Diktat des Magens und der fünf Sinne, sonst bleiben uns die wahren und bleibenden Werte verborgen. Stellen wir unser Leben unter die Verheißung Christi: „Ich bin das Brot des Lebens! Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben!“

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