WORT ZUM SONNTAG: Wahre Wohltäter der Indios

Sonntag, 08. Juli 2012

Nach einem reichen Fischfang sprach Christus zu Petrus: „Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen!“ Damit meinte er, dass Petrus und die übrigen Apostel Menschen für Gott gewinnen werden. Aber diese Arbeit ist weit mühevoller als ein Fischfang auf der See Genesareth. Darauf wies Christus mit folgenden Worten hin: „Seht, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe!“ Er wollte damit sagen: Wie ein Schaf waffenlos ist, so sollen auch seine Glaubensboten ohne militärische Begleitung in alle Welt gehen und das Evangelium verkünden. Nach dieser Anweisung handelten die Apostel und opferten sogar ihr Leben als „Schafe unter den Wölfen“. Durch alle Jahrhunderte handelten so die Glaubensboten und tun es auch heute bei der Verkündigung der Erlösungsbotschaft. Es darf keine Gewaltbekehrungen geben. Nicht die Nacken der Menschen sollen gebeugt werden, sondern ihre Herzen sollen sich der Liebe Christi freiwillig und freudig ergeben.

Christentum darf nur mit Überzeugungskraft und Liebe verbreitet werden. Das  taten die Missionare seit jener und tun es auch heute. Viele von ihnen wurden wie Schafe von den Wölfen zerrissen und bezeugten mit ihrem Blut ihre Treue zur Erlösungsbotschaft Christi. Solche Blutzeugen im 17. Jahrhundert waren der hl. Roque Gonzalez de Santa Cruz und seine zwei Gefährten Alfonso Rodriguez und Juan de Castillo. Alle drei gehörten dem Jesuitenorden an.

Roque Gonzalez wurde 1576 in Asuncion, der Hauptstadt Paraguays, geboren. Er stammte aus einer vornehmen Familie, die für Paraguay mehrere Statthalter stellte. Dem Jungmann winkte eine glänzende Zukunft. Doch er war von der Botschaft Christi so begeistert, dass er den Priesterberuf wählte. Da er sehr begabt war, wurde er Dompfarrer an der Kathedrale seiner Geburtsstadt Asuncion. Doch sein Ideal war kein geruhsames Leben. Vom Geist Christi erfüllt, wollte er Missionar unter den Indios werden. Deshalb trat er 1609 in den Jesuitenorden ein. Bald wurde er zum großen Stamm der Guaycurus gesandt. Mit viel Takt und Einfühlung, und da er auch die Sprache des Stammes beherrschte, gelangen ihm zahlreiche Bekehrungen. Dieser Frucht seiner Missionsarbeit wollte er Dauer verleihen, deshalb errichtete er Reduktionen.

Was waren die Reduktionen? Es waren religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Unternehmungen, die darauf abzielten, dienomadisierenden Indianerstämme sesshaft und zu Christen zu machen. Offiziellen Charakter bekam diese Entwicklung durch ein Dekret des spanischen Königs Philipp III. im Jahre 1610. Dadurch wurden die Indianer von jeglicher Zwangsarbeit für Einzelpersonen befreit und unter den Schutz des Königs gestellt. Im Namen des Königs mussten die Missionare auch die weltliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit ausüben. Ihnen wurde ein Rat von Eingeborenen zur Seite gestellt. So entstanden christliche Dörfer mit je 2000 bis 3000 Einwohnern. Diese Reduktionen entstanden im Gebiete der Flüsse Parana und Uruguav, umfasste Teile Argentiniens, Brasiliens und Paraguays. Pater Roque Gonzalez war einer der eifrigsten und erfolgreichsten Gründer von Reduktionen.

Es ist dem selbstlosen Wirken Pater Roques und seiner Gefährten zu verdanken, dass die Guarani - Völker in wenigen Jahren von einer halbnomadischen Lebensweise zu einer einzigartigen Zivilisation übergingen. Auf diese Weise kam eine bemerkenswerte Entwicklung der Städte, des Ackerbaus und der Viehzucht in Gang. Die Einheimischen machten sich schnell mit Ackerbau und Viehzucht vertraut. Es erblühten Handwerk und Künste.

In wenigen Jahren entstanden Kirchen und Schulen, Häuser für Witwen und Waisen, Krankenhäuser, Friedhöfe, Getreidespeicher, Mühlen, Ställe und andere öffentliche Einrichtungen. Die Glaubensboten weckten auch die geistigen Talente, die in den Indios schlummerten. Durch Wort und Beispiel wurden die Ureinwohner zu Malern, Bildhauern, Musikern, Kunsthandwerkern und Baumeistern. Es wurden die großen Flüsse erforscht, geographische und wissenschaftliche Entdeckungen gemacht und große Gebiete der Zivilisation und dem Glauben erschlossen.

Mit seiner Lebensklugheit und überzeugender Glaubenskraft verstand es Pater Gonzalez sich die Achtung und das Ansehen bei den Eingeborenen - Kaziken und bei den weißen Obrigkeiten von Asuncion und von Rio de la Plata zu verdienen. Sein aus dem Evangelium geborener Gerechtigkeitssinn drängte ihn, seine Stimme zur Verteidigung der Rechte der Indios zu erheben. Mit den anderen Priestern setzte er sich dafür ein, die Ungerechtigkeit in diesem Teil des Kontinents zu beseitigen. So entstand in einer Atmosphäre der Eintracht und Harmonie eine vorbildliche Gesetzgebung, die eine ethnische und kulturelle Verschmelzung möglich machte. Mit liturgischen Feiern, Prozessionen, Marianischen Kongregationen und Kirchenmusik wurzelte er die Volksfrömmigkeit bei den Indios ein.

Wilde Indianer waren erbitterte Feinde der Reduktionen. Hinterhältig überfielen sie 1628 eine Reduktion, in der Pater Roque gerade weilte. Sie töteten ihn und seine zwei Gefährten. Diese Wohltäter der Indios wurden zu Blutzeugen. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 16.Mai 1988 in Asuncion heilig.

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