WORT ZUM SONNTAG: Was Leid bereitet, gibt auch Freude

Sonntag, 25. Juni 2017

„Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ . (Mt. 11, 28)

„Viele Menschen leben heute so, als ob das Negative nicht zu unserem Leben dazugehören würde – der Schmerz, die Schlaflosigkeit, das Leid, die Angst, das Unerwartete und Unvorhersehbare. Wir lassen uns dazu verleiten, zu glauben, dass all dies nur unnötige Umwege auf unserem Lebensweg wären, derer wir uns entledigen könnten. Wir würden gerne „Kapitäne unserer Seelen“ sein. Nur das Positive zählt, das Negative wird über Bord geworfen. Aber gerade hier liegt ein großer Denkfehler, aus dem heraus viele Neurosen und psychische Krankheiten erwachsen. Das Positive existiert gar nicht ohne das Negative. Wir können uns nur entwickeln, indem wir das Negative verarbeiten. „Die Nivellierung der Tiefen bringt uns um das Vergnügen, die Erstürmung der Gipfel zu genießen.“
Mit ungefähr diesen Worten (in diesem Fall aus dem Rumänischen übersetzt), umschrieb der deutsche Psychiater Klaus Dörner die Lebenseinstellung vieler Menschen unserer Zeit.

Und wir merken tatsächlich, dass das ständige Streben nach Glück, Erfolg und Lustgewinn seine Bauernopfer fordert – immer mehr Menschen haben psychische Probleme und die psychisch Kranken werden immer jünger. Und gerade an solche Menschen, die unter der Last ihres Lebens leiden, wendet sich Christus mit seinen Trostworten: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“. Gleich in dem darauf folgenden Vers ruft Jesus in dem so genannten Heilandruf die Beschwerten auf: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir.“
Die Lasten, die ein Mensch in seinem Leben zu tragen hat, vergleicht der Evangelist Matthäus mit einem Joch. Ochsen tragen ein Joch, um eine Last zu ziehen. Früher trugen auch Menschen ein Joch auf ihren Schultern, um Wasser zu holen oder Waren zum Markt zu bringen. Das Joch, das Jesus den Seinen gibt, ist ein Joch mit leichten Lasten, die nicht zu schwer für uns sind und die wir tragen können. Wir müssen aber lernen, unser Joch, unser Kreuz, das Negative und Schwierige in unserem Leben zu akzeptieren und uns von ihm formen zu lassen. Da hilft es zu wissen, dass Christus von diesem Joch weiß, das er mit uns trägt, und dass er auch für unsere Erlösung ringen wird.  

Wir können nicht wirklich „Kapitäne unserer Seelen“ sein. Ein menschliches Leben kann niemals frei von Sorgen und Belastungen verlaufen, aber die Lasten, die Jesus gibt, bringen uns nicht zu Fall. Und sollten wir doch stolpern und fallen, so sendet Gott uns einen Engel, der uns auffängt, so wie es heißt in dem 91. Psalm: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.“
An die immerwährende Präsenz von Freude und Leid in der menschlichen Existenz erinnern auch die schönen Worte des Philosphen Kahlil Gibran:
„Eure Freude ist euer Leid ohne Maske. Und derselbe Brunnen, aus dem euer Lachen aufsteigt, war oft von euren Tränen erfüllt. Und wie könnte es anders sein? Je tiefer sich das Leid in euer Sein eingräbt, desto mehr Freude könnt ihr fassen.
Ist nicht der Becher, der euren Wein enthält, dasselbe Gefäß, das im Ofen des Töpfers brannte? Und ist nicht die Laute, die euren Geist besänftigt, dasselbe Holz, das mit Messern ausgehöhlt wurde? Wenn ihr fröhlich seid, schaut tief in eure Herzen, und ihr werdet finden, dass nur das, was euch Leid bereitet hat, euch auch Freude gibt. Wenn ihr traurig seid, schaut wieder in eure Herzen, und ihr werdet sehen, dass die Wahrheit um das weint, was euch Vergnügen bereitet hat.“
Amen

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