WORT ZUM SONNTAG: Wer ist wie Gott

Sonntag, 03. März 2013

Die moderne Industrie ist ohne Mess- und Kontrollgeräte undenkbar. Stellen wir uns ein Elektrizitätswerk vor: Da gibt es riesige Kessel, die Dampf erzeugen. Die Dampfkraft betreibt Generatoren, die den nötigen Strom erzeugen. Wären die Dampfkessel nicht mit Druckmessern ausgerüstet, käme es der Reihe nach zu Explosionen. Wären die Generatoren nicht mit Stromstärkemessern versehen, käme es zu Kurzschlüssen und zu Feuerbränden, durch welche die ganzen Anlagen zerstört würden. Jedes Flugzeug ist mit einer Menge von Messapparaten ausgerüstet, mit Treibstoffanzeiger, Druck- und Höhenmesser und noch anderen Kontrollgeräten versehen. Wir würden uns nicht einmal in ein Auto setzen, in das keine Kontrollgeräte eingebaut sind. Die Messapparate überwachen Maschinen, Produktionsprozesse und zeigen Gefahren an. Sie sind notwendig für den Produktionsprozess und für die Sicherheit. Ohne Kontrollapparate gäbe es Katastrophen am laufenden Band.

Eine Frage: Haben wir Überwachungsgeräte nur für die industrielle Produktion und für den reibungslosen Verkehr in der Luft, auf dem Meer und auf dem Land nötig? Sollen Kontrollgeräte nur unserer physischen Sicherheit dienen? Muss es nicht auch ein Kontrollgerät für unsere geistige Sicherheit geben? Ein Überwachungsgerät für unser geistiges Ich ist noch notwendiger als die Messgeräte der Industrie. Denn vom Funktionieren eines geistigen Kontrollapparates hängt nicht nur unsere körperlich-zeitliche, sondern vor allem unsere geistig-ewige Sicherheit ab. Gibt es ein solches geistiges Kontrollgerät? Ja, das gibt es. Wie sieht es aus? Einer der Erzengel heißt Michael. Der Name bedeutet: „Wer ist wie Gott!“

Das ist unser geistiger Kontrollapparat. Alle Dinge des Lebens sollen wir an diesem Apparat messen: Wer ist wie Gott? Legen wir dieses Messgerät an alle Dinge auf Erden, zeigt es uns überzeugend an: Kein Ding, kein Mensch ist wie Gott. Die Schlussfolgerung daraus ist einleuchtend: Gott ist der höchste, der absolute Wert! Auf diesen ewigen Wert hin sollen wir unser Leben ausrichten. Dann entgehen wir den geistigen Katastrophen der Sünde. Wir bleiben heil und wohlgeborgen in seiner fürsorglichen Liebe. Wenn wir aber diesen Wertmesser nicht in unser Leben einbauen, was dann? In der Bibel heißt es: „Gott hat uns nach seinem Bild geschaffen!“ Montieren wir den Wertmesser „Wer ist wie Gott“ ab, dann schaffen wir uns Götter nach unserem Bild. Statt dass wir uns sittlich „vergöttlichen“, machen wir es umgekehrt, wir „vermenschlichen“ Gott. Das zeigen uns die Göttergeschichten der alten Griechen. Alle menschlichen Laster werden ihnen angedichtet: Feindschaft, Ränkespiele, Hass, Sinnlichkeit, Ehebruch. Es gibt kein menschliches Laster, das nicht auch auf die Götter übertragen wurde. Das war nicht nur bei den Griechen so, sondern auch bei anderen heidnischen Völkern.

Es wurden sogar Wettbewerbe veranstaltet, um zu erfahren, welcher Gott der Stärkste sei. Das soll bei den Chaldäern geschehen sein. Die Völkerschaften brachten ihre Götzenbilder aus Holz, Silber, Gold und ähnlichen Stoffen herbei. Die Chaldäer aber verehrten den Feuergott. Nun wurden die einzelnen Götter ins Feuer gestellt. Natürlich verzehrte der Feuergott die anderen Götterbilder und erwies sich als der stärkste Gott. Das hörte ein heidnischer Priester in Ägypten. Er nahm ein mächtig großes Tongefäß mit kleinen Öffnungen, wie man sie gebrauchte, um schlammiges Wasser zu reinigen. Die Öffnungen verstopfte er mit Wachs und füllte das Gefäß mit Wasser. Obenauf setzte er das abgeschlagene Haupt einer Statue und bemalte das Ganze mit bunten Farben. Er gab das Götterungetüm für den ägyptischen Gott Canopus aus. Beim Wettbewerb setzte er nun seinen Canopus ins Feuer des Chaldäergottes. Da zerschmolz das Wachs, das Wasser lief durch die Öffnungen und erstickte das Feuer unter Dampf und Zischen. Da riefen die Leute: „Heil dem Gott Canopus! Er ist stärker als der Feuergott der Chaldäer!“ Und sie beteten den Krug als stärksten Gott an.

Wie ist es bei uns im 21. Jahrhundert? Der „Spiegel“ vom 22.12.2012 enthält einen groß aufgemachten Artikel: „Warum glaubt der Mensch?“ Seine Verfasser suchen zu beweisen, dass der Mensch Gott erschaffen habe. Wie wollen sie uns das plausibel machen? Sie sagen: Als die Menschen begannen, in größeren Gruppen zusammenzuleben, benötigten sie ein Überwachungsorgan, das überall und zur gleichen Zeit zugegen ist, um asoziale Elemente, die der Gemeinschaft Schaden zufügen konnten, im Zaume zu halten. Wenn der Mensch sich überwacht weiß, dann hält er die Gemeinschaftsregeln ein. Vor allem die Kaufleute, die ihre Waren in ferne Länder schickten, hatten ein solches überirdisches Kontrollorgan nötig. Deshalb wurde der Gottesglaube den Menschen eingebläut. Und das habe gut funktioniert. Also erschuf der Mensch Gott. Die Bibel lehrt das Gegenteil: Gott hat den Menschen erschaffen, der Mensch aber wollte sich seiner Kontrolle entziehen.

Das tun auch heute noch alle Atheisten. Sie wollen ohne Überwachungsorgan leben. Nein, nicht wir Menschen haben Gott erschaffen, Gott hat uns erschaffen. So primitiv sind wir nicht, dass wir uns selbst ein imaginäres Überwachungsorgan schaffen. Alle Dinge der Welt sagen durch ihr bloßes Dasein, was der hl. Augustinus so formuliert hat: „Ipse fecit nos! Er hat uns geschaffen!“ Alle materiellen Dinge sind den Naturgesetzen bedingungslos unterworfen. Nur der Mensch kann sich gegen seine sittliche Ordnung stellen. Da hilft uns der Glaube an Gott, gegen diese Ordnung nicht zu verstoßen. Für den sündigen Menschen ist es heilsam, an Gott als den Rächer des Bösen, für den guten Menschen, an Gott, den Belohner des Guten zu glauben. Um gottgefällig zu leben, legen wir doch an alles den Wertmesser: „Wer ist wie Gott?!“

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