WORT ZUM SONNTAG: „Wir ruhen all in Gottes Hand, lebt wohl, auf Wiedersehn“

Sonntag, 07. Mai 2017

Jubilate, freut euch, jubelt, heißt der kommende Sonntag. Ich hoffe, dass die Osterfreude an diesem Sonntag noch etwas nachklingt. Wo gibt es Grund, sich zu freuen oder gar einen freudigen Jubelschrei auszustoßen? Ist die Stimmung bei uns nicht viel verhaltener? Der Bibeltext für den Sonntag beschreibt es so, als ob wir Ostern noch vor uns hätten. Jesus will sich von seinen Jüngern verabschieden (Joh 16, 16): „Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen.“ (17) Da sprachen einige seiner Jünger untereinander: „Was bedeutet das, was er zu uns sagt: Wir wissen nicht, was er redet.“
Erst im Rückblick haben es die Jünger verstanden und sein Reden und Handeln für uns gedeutet. Wir kennen den Verlauf der weiteren Geschichte: Jesus zieht nach Jerusalem. Er wird gefangen genommen und ermordet. Die Jünger werden weinen und klagen – und die Welt wird sich an ihrem Schmerz freuen. Ihr Schmerz aber wird nur eine kleine Weile dauern. Drei Tage. Dann wird Jesus auferstehen und seine Jünger wiedersehen. Er wird ihre Trauer in Freude verwandeln. Wir sitzen wie vor dem Fernseher und blicken auf diesen Jesusfilm, bei dem wir das Ende schon kennen. Wir könnten den Jüngern zurufen: „Dumme Jünger! Denkt an Ostern! Freut euch! Es kommt alles viel besser, als ihr jetzt sehen könnt!“

Wir leben wie die Jünger im Grunde noch vor Ostern und nicht danach, wenn wir fragen: Wie kann das sein? Diese kleine Weile dauert nun schon zweitausend Jahre. Hier in Rumänien denken einige: Wäre ich doch auch in den Westen gegangen, dann hätte ich eher Grund zu jubeln. Zählt denn Reichtum und Geld so viel in dieser Welt? Wo sind die Menschen, die vor sich hin pfeifen, einfach weil sie fröhlich sind, oder die anderen, die alleine oder auch mit anderen Frühlingslieder singen? Gerade in dieser Osterzeit merke ich, welch einen Unterschied es macht, ob ich nur von und über Ostern etwas höre oder ob ich in einen Gottesdienst gehe und dort in der Gemeinde die alten Osterchoräle mitsinge. Vielleicht zunächst nur zögernd, dann aber immer mehr aus vollem Herzen. Gott will uns doch ein neues Herz und einen neuen Geist schenken! Er sendet uns den Tröster, den heiligen Geist. Die Frage bleibt: Wie sieht es denn mit mir aus? Kann ich dem Namen dieses Sonntags entsprechen und die Lieder für diesen Sonntag jubilierend mitsingen? „Jauchzt alle Lande Gott zu Ehren“(200) oder 207: „Nun jauchzt dem Herren alle Welt, kommt her zu seinem Dienst euch stellt.“ In manchen Gemeinden, wie zum Beispiel in Bukarest, wird nach Ostern, zu Pfingsten, Konfirmation gefeiert. Junge Menschen wollen sich zur Gemeinde halten und aus diesem Glauben ihr Leben gestalten.

Wir wollen ihnen die Freude der Auferstehung überzeugend vorleben und sie mitnehmen und hineinlocken in dieses Ostergeheimnis.Darin liegt noch ein anderer Trost, wenn Jesus sagt: „Ich will euch wiedersehen.“ Eine Frau sagt: Auf dem Grabstein steht: „Hier ruht in Gott mein lang ersehntes Kind, das schon heimging, bevor es ankam.“ „Hier ruht in Gott, mein Sohn, der vor mir starb.“ „Hier ruht in Gott meine geliebte Frau, die durch ihre Krankheit langsam meinen Händen entglitt.“ „Hier ruht in Gott mein geliebter Mann, mit dem ich fast mein ganzes Leben verbracht habe. Er ist heimgegangen zum Vater.“ Werden wir unsere Lieben wiedersehen?
Die Härte des Abschieds von unseren Lieben wird nicht weggeredet. Mit beinahe erschreckender Klarheit wird dies ausgesprochen. „Ihr werdet weinen“. Aber eure Trauer wird in Freude verwandelt, es ist ein Abschied auf Zeit. Die Freude, von der er spricht, ist nicht auf uns, sondern auf IHN bezogen. Und die Freude besteht darin, dass wir uns gerade nicht selbst freuen müssen? Der Name dieses Sonntags ist keine Aufforderung: Jubelt doch! Nein, er ist ein Versprechen: Ihr werdet jubeln. Ich sorge dafür.  „Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr, die Zukunft liegt in Finsternis und macht das Herz uns schwer. Der Himmel wölbt sich übers Land, ade, auf Wiedersehn!  Wir ruhen all in Gottes Hand, lebt wohl, auf Wiedersehn.“

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