WORT ZUM SONNTAG: Zeit der geistigen Erneuerung

Sonntag, 21. Februar 2016

Überall in der Welt wird ständig von Reformen gesprochen: Reformen in der Politik, im Wirtschaftsleben, im Erziehungs- und Bildungswesen, im kulturellen und sportlichen Bereich. Wir brauchen nur die heutigen Verhältnisse mit denen von vor zwei Jahrhunderten vergleichen, so wird der gewaltige Fortschritt offenbar. Dementsprechend muss es in allen Lebensbereichen Veränderungen, also Reformen geben. Das gilt nicht nur für das sogenannte „profane Leben“, das gilt auch für die Kirchen. Darum gibt es in der Katholischen Kirche oft Bischofssynoden und manchmal sogar allgemeine Konzilien. Wahr ist das Wort: „Ecclesia semper reformanda – die Kirche muss ständig erneuert werden!“ Der Reformkurs hat sogar die streng konservativen orthodoxen Kirchen ergriffen. Nach 1200 Jahren soll heuer eine panorthodoxe Kirchensynode stattfinden, wo die notwendigen Reformen eingeleitet werden sollen. Das gilt auch für jeden Menschen: „Homo semper reformandus – der Mensch muss sich ständig erneuern“. Angeblich erneuern sich unsere leiblichen Zellen in einem „Siebenjahreszyklus“. Aber was am menschlichen Leib geschieht, das ist auch für den menschlichen Geist notwendig. Das stellt uns der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief vor Augen: „Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind. Seit ich jedoch ein Mann geworden bin, habe ich die kindliche Art abgelegt.“ So müssen wir unsere Ansichten öfter revidieren, das heißt „erneuern“. Denn so lehrt uns der Apostel Paulus: „Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser Prophezeien. Wenn aber das Vollendete kommt, dann wird das Stückwerk abgetan“.

Wie sagt das Sprichwort: „Straßen gibt es viele, doch nur eine führt zum Ziele!“ Diese Zielstraße müssen wir finden. Man braucht nicht stur denselben Standpunkt vertreten, denn niemand kann uns daran hindern klüger zu werden. – Als Konrad Adenauer deutscher Bundeskanzler war, warf ihm ein Abgeordneter der Opposition vor, er behaupte heute als wahr, was er vor einiger Zeit als falsch verurteilt habe. Seine Antwort: „Haben Sie etwas dagegen, dass ich klüger geworden bin?“ Es ist keine Schande, einen als irrig erkannten Standpunkt zu ändern. Haben wir einen Standpunkt als irrig erkannt, müssen wir ihn aufgeben. Hier ist der Ausspruch wahr: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu!“ Stellen wir uns auf den Standpunkt des Dichters Novalis (1772-1801): „Ich weiß, dass ich nichts weiß, wie alle anderen auch nichts wissen.“ Nur ein erneuerungswilliger Mensch ist auch änderungsfähig. Es ist nicht gesagt, dass etwas besser wird, wenn man es ändert, aber wenn etwas besser werden soll, muss man es ändern. Unser Leib erneuert sich selber, aber unseren Geist müssen wir erneuern. Das ist keine leichte Aufgabe, doch es lohnt sich. Leider gibt es viele Menschen, die ohne Standpunkt in den Tag hinein leben. Auf sie trifft der Ausspruch zu: „Manche Menschen, die eine Fliege verschlucken, haben mehr Gehirn im Magen als im Kopf“.

Wir sind in die Fastenzeit eingetreten. Es ist die Zeit der Besinnung. Ein weiser Mann sagte: „Würden die Menschen öfter in sich gehen, wären sie nicht so oft außer sich!“ Es ist die Zeit der geistigen Erneuerung. Wir haben diese Zeit sehr notwendig. Unser materieller Leib nützt sich ab. Das hat auch der Apostel Paulus am eigenen Leib erfahren. Deshalb schrieb er im Korintherbrief: „Wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so erneuert sich doch unser innerer Mensch von Tag zu Tag.“ Wann geschieht diese innere Erneuerung? Das sagt er uns im Epheserbrief: „Ablegen sollt ihr den alten Menschen, denn er richtet sich seiner trügerischen Lüste wegen zugrunde. Erneuert euch vielmehr durch den Geist eures Denkens und: zieht den „neuen Menschen“ an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!“ Wir gleichen den Lastautos: Laster sind schwer zu bremsen. Die wirksamste Bremse zeigt uns der Römerbrief: „Passt euch nicht dieser Welt an, gestaltet euch durch die Erneuerung eures Geistes!“


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