WORT ZUM SONNTAG: Zum Ursprung und Charakter der Heiligen Schrift

Sonntag, 26. Februar 2012

Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien hat 2012 als Jahr der Bibel ausgerufen. Im Hinblick auf das 500-jährige Jubiläum der Reformation 2017 wird jedes Jahr bis dahin einem anderen Thema zugeordnet. 2013 werden Luther und Johannes Honterus im Mittelpunkt stehen, 2014 ist das Jahr der Diakonie usw. und schließlich wird 2017 das Jahr der Reformation gefeiert. Dem Jahr der Bibel widmen wir eine dreiteilige Folge.

Unter den vielen Weisen, auf die Gott sich den Menschen offenbart – Erscheinungen, Führungen, Visionen, Wunder –, gebührt den heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes eine hervorragende Stellung: Gott hat darin sein Wort, das im Anfang bei ihm war und das im Anfang er war, durch Menschenmund und Menschenschrift unseren menschlichen Worten ähnlich gemacht. Ohne eine Gleichwertigkeit zwischen der Inspiration der Schrift und der Fleischwerdung Gottes zu sehen oder herstellen zu wollen, kann man doch auf viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Vorgängen hinweisen: 

Wie sich in Jesus die göttliche und die menschliche Natur in einer Person untrennbar vereint haben, so sind auch in den Schriften der Bibel Gotteswort und Menschenwort zu einer untrennbaren Einheit verschmolzen, sodass man bei der Schrift ebenso wenig wie bei Jesus von Menschlichem reden kann, ohne das Göttliche einzubeziehen, oder von Göttlichem, ohne das Menschliche mitzumeinen. Daran können wir Gottes unendliche Liebe zu uns Menschen erkennen, dass er sich uns verständlich mitteilt, und unsere Gottebenbildlichkeit daran, dass wir fähig sind, Gott zu verstehen.

So wie bei der Fleischwerdung Gott den menschlichen Weg über die Jungfrau Maria wählte, so hat er auch bei der verbalen Offenbarung geeignete Männer durch Eingebung des Heiligen Geistes seine Worte aufzeichnen lassen. So wie die heilige Jungfrau in Wahrheit die Mutter des Gottessohnes ist, dieser aber wahrer Gott bleibt, so sind auch die heiligen Propheten, Evangelisten und Apostel in Wahrheit die Verfasser der heiligen Schriften, diese aber bleiben Gottes wahres Wort, denn der Urheber ist Gott.

Das Gotteswort, indem es sich mit Menschenworten verband, hat sich seiner göttlichen Gewalt und Majestät entäußert und sich der menschlichen Gewalt und Willkür ausgeliefert. So wie die Menschen von Jesus entweder: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Matth. 16,16) sagen konnten, oder: „Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? ... Woher kommt ihm denn das alles?“ (Matth. 13,55f), so können sie auch betreffend die heiligen Schriften entweder: „Hört Gottes Wort!“ sagen, oder: „Das ist der Bericht des Arztes Lukas“, jeder nach seinem Glauben.
Im 1. Petrusbrief 1,25 heißt es: „des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.“ Und damit kein Missverständnis aufkommt, fügt der Apostel des Herrn noch hinzu: „Das ist aber das Wort, das unter euch verkündigt ist.“ Es ist also jenes Wort, das wir in Form der kanonischen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes vorliegen haben, das uns verkündigt wurde und das wir zu verkündigen berufen sind. Dieses Wort hat ewige Gültigkeit, weil es die ewige Wahrheit Gottes ist, für Menschen verständlich ausgedrückt. Weil es mit zeitbedingten kulturellen und künstlerischen Eigenarten behaftet ist, sollten wir es nicht als unmodern oder unpassend abtun, sondern vielmehr die Kultur und die Künste unserer Zeit daran messen.

Mit der ewigen Gültigkeit des Wortes Gottes hat nicht erst die Moderne ihre Probleme; bezeichnend dafür ist das Gespräch Jesu mit den Juden in Joh. 8,56ff: „Abraham, euer Vater, wurde froh, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.“ Wenn man bedenkt, dass Abraham, grob gerechnet, im selben zeitlichen Abstand vor Christus gelebt hat, wie wir nach Christus leben, so muss man den heutigen Einwand, die zweitausendjährige biblische Botschaft könne unserer Zeit nicht gerecht werden, schon nach den Regeln der Symmetrie auch als von Jesus entkräftet ansehen: Der Abraham gesehen hat, der sieht auch uns. Der der Anfang und das Ende ist, des Vaters ewiges Wort, der Logos, der bei uns sein will alle Tage, ihm begegnen wir in den Worten der Heiligen Schrift.

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