Wucherer vor DNA-Staatsanwaltschaft

Kreis der Mittäter bei der Zerstörung von Herkulesbad wird erweitert

Freitag, 25. November 2016

Nahezu die gesamte Häuserzeile (hier gesehen von der Treppe der römisch-katholischen Kirche) bis zur Cerna-Brücke, ausgenommen zwei Immobilien auf der rechten Straßenseite, hat Iancu Hrelescu durch zu Wucherzinsen ausgeliehenes Geld an sich gerissen und anschließend um ein Vielfaches des Ausgeliehenen verkauft. Links im Vordergrund das Apollo-Bad, anschließend Ex-Offiziersspital, Pavillon Nr. 3 usw.
Foto: der Verfasser

Nach einigen Monaten Informationsstille rund um die Untersuchungen der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft DNA zum Fall der Entwertung und Verschleuderung des Immobilienbestands und der sonstigen Liegenschaften des Kurorts Herkulesbad/Băile Herculane, gab es kürzlich wieder Bewegung in diesem Fall: Mehrere Personen aus dem Banater Bergland, die bekannt sind als zum Kreis der Wucherer gehörend, bei denen sich der zwielichtige Iosif Armaş mit hochverzinstem Geld versorgte und dafür Immobilien des Kurorts verpfändete, die er dann verlor, weil er kein geliehenes Geld zurückzahlte, wurden von der Staatsanwaltschaft vorgeladen bzw. von der Polizei zur DNA-Staatsanwaltschaft geführt.

Wucherer nutzt Gesetzesweg

Unter ihnen an erster Stelle Iancu Hrelescu aus Karansebesch, einer der Vertrauensleute des in einen umfangreichen Unterschlagungs- und Steuerhinterziehungsprozess (die „Kreiselaffäre“) verwickelten Axente Obrejan, genannt „Arabela“. Hrelescu hat sich mit „Arabela“ (unter nicht vollauf geklärter Mithilfe des inzwischen für mehr als sechs Jahre im Gefängnis sitzenden Ex-Kreisratspräsidenten Ionesie Ghiorghioni) den Flughafen Karansebesch (immerhin gute 170 Hektar ebenes Gelände, plus Zweckbauten) unter den Nagel gerissen, während er über seine Frau Wuchergeschäfte mit Armaş und dessen Vertrauensmann, dem Ex-Kreisratsvize Ilie Iova (ein Cousin von Armaş) tätigte, aufgrund derer die Familie Hrelescu in den Besitz mehrerer wertvoller historischer Immobilien in Herkulesbad gelangte.
Das Prozedere war denkbar einfach und effizient: Sooft die SC Hercules SA in Geldnot war (und das war sie immer öfter, weil ab 2005 Iosif Armaş sich jede Nacht die Tageseinnahmen seiner Hotels und Restaurants aus Herkulesbad per Kurier nach Bukarest bringen ließ und seiner Gesellschaft Hercules SA überhaupt kein Versorgungs- und Umlaufkapital beließ), wendete sich Iova als Generaldirektor der Hercules SA und Inhaber der Generalvollmachten von Armaş, des Mehrheitseigners der Hercules SA, an die Familie Hrelescu, seine Karansebescher Landsleute, belegte Immobilien aus dem Besitz der Hercules SA mit Hypotheken, worauf diese, früher oder später, den Hrelescus höchstoffiziell und legal übereignet wurden.

Immobilienraub durch Wucher

Jeweils sofort nach Erreichung des Rückerstattungstermins der geliehenen Gelder – und deren Nichterstattung – setzte Hrelescu den Mechanismus der Vollstreckung der Hypothek in Gang und übernahm so das Apollo-Bad, das Hebe-Thermalbad, das ehemalige Militärspital für Offiziere und höhere Chargen des Grenzregiments, den Sanitätspavillon und das Badesanatorium (Pavillon Nr. 3), allesamt historische Gebäude im ältesten Teil des Badekurorts, im Bereich zwischen der gemauerten Cerna-Brücke und der römisch-katholischen Kirche. Hrelescu verlor nicht viel Zeit mit den historischen Bauten und verkaufte sie bei erstbester Gelegenheit an Privatpersonen, die meist die ehrliche Absicht hatten, sie zu renovieren und einem touristischen Kreislauf zuzuführen – was aber in den wenigsten Fällen glücklich zu Ende geführt wurde. Hrelescus Einnahmen aus den Verkäufen waren, allein nach den notariell beurkundeten Verkaufspreisen zu urteilen, um ein Vielfaches höher als die zu Wucherpreisen ausgeliehenen Summen, die Arma{ und Iova bei ihm aufgenommen hatten.

Unschuldig rein, schuldig raus

Als Iancu Hrelescu zur Polizeidienstelle zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens DIICOT gebracht wurde, erklärte er vor Betreten des Gebäudes des Kreisinspektorats Karasch-Severin der Polizei noch erhobenen Hauptes, er sei unschuldig. Nach drei Stunden DIICOT-Ermittlungen wurde er in Handschellen von der Generaldirektion Antikorruption des Obersten Gerichts- und Kassationshofs abgeführt und in den Arrest des Polizeiinspektorats Karasch-Severin gebracht, weil der Richter für Rechte und Freiheiten dem Ansuchen der Staatsanwaltschaft stattgegeben hatte, ihn in Untersuchungshaft zu nehmen.
Die DNA-Staatsanwaltschaft und die Generaldirektion Antikorruption des Obersten Gerichts werfen Armaş, Iova und einer weiteren sechs- bis neunköpfigen Gruppe rund um die Gesellschaft Hercules SA, die Herkulesbad in einem Jahrzehnt abgewirtschaftet und sich dabei persönlich bereichert hat, vor, dass sie eine Verbrechergruppe gebildet haben, die durch Amtsmissbrauch, Unterschlagung, Geldwäsche und Komplizenschaft bei der Geldwäsche Gesetzesübertretungen am laufenden Band beging, mit dem Resultat, dass vom historischen Teil des Kurorts Herkulesbad bloß noch eine Ruine übrigblieb.

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