Zank um einen Fischteich bei Karansebesch

Dreierdisput um den „Avicola”-Fischteich

Freitag, 24. April 2015

Păltiniş/Karansebesch – Zwischen der Gemeinde Păltiniş (früher: Valea Boului) und Karansebesch gibt es seit Jahrzehnten, direkt an der Nationalstraße Reschitza-Karansebesch, einen von Anglern gern besuchten Fischteich, ob des in kommunistischer Zeit in der Nähe funktionierenden Hühnerzuchtkomplexes „Avicola”-Teich genannt, „Balta Avicola”.

Hier befand sich der Exerzierplatz des Karansebescher motorisierten Infanterieregiments, so dass das Gelände nicht jedem jederzeit zugänglich war und, Anglerlatein oder nicht, man erzählte sich bis 1989 immer wieder von kapitalen Karpfen, die hier an die Angel gingen. Auf alten Katasterkarten erscheint der Teich als zur Gemeinde Valea Boului gehörig, in kommunistischer Zeit wurde er administrativ als zu Karansebesch gehörig betrachtet, seit der Wende streiten Karansebesch und Păltiniş um den Teich.
Gerichtlich. Seit vier Jahren ist ein dritter Möchtegern-Nutzer aufgetaucht, der Kreisverband der Jäger und Sportangler AJVPS. Der hat den Teich und ein östlich davon gelegenes Jagdgebiet 2012 für fünf Jahre von der Nationalen Agentur für Fischerei und Aquakultur gepachtet.

Der Pachtvertrag läuft also im kommenden Jahr, mit dem Jahresende 2016, aus. Das Befremdliche ist, dass an diesem Teich, trotz augenblicklich geltender Schonzeit (weil Laichzeit ist), gegenwärtig das Teichufer voller Angler ist, die niemand behelligt, ja mehr noch, dass AJVPS seine Mitglieder ausdrücklich ermutigt, auch zur Stunde, in der Schonzeit, dort zu angeln, wenn sie es schon mal nicht lassen können. Der Grund liegt im Streit, den Karansebesch und Păltiniş rund um den Besitz des Fischteichs austragen und daran, dass beide Seiten erklärt haben, an den Fischen im Teich überhaupt nicht interessiert zu sein – nämlich dann, wie AJVPS durch seinen Direktor Mircea Ciobanu verkündete, dass der Verband nach dem Urteilsspruch dem danach feststehenden Besitzer die Besatzkosten des Teichs mit Karpfen und Karauschen in Rechnung stellen werde. Und bezahlen will natürlich keine der Seiten etwas, möchte gern aber den Teich voller Fische sein eigen nennen. Dazu AJVPS-Direktor Mircea Ciobanu: „Momentan verwalten wir, AJVPS, den Fischteich. Aufgrund des Pachtvertrags, den wir mit der Nationalen Agentur für Fischerei und Aquakultur abgeschlossen haben. Dieser Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Bis dann dürfte auch der gerichtlich ausgetragene Streit zwischen Karansebesch und P²ltini{ entschieden sein. Da wir aber in den vergangenen vier Jahren regelmäßig Besatzmaßnahmen durchführten, die ihr Geld gekostet haben, und da uns beide Seiten zu verstehen gegeben haben, dass sie nicht bereit sind, uns diese Kosten zu erstatten, haben wir beschlossen, den Teich zu „opfern”, das heißt ganzjährig abfischen zu lassen. Wenn keiner die Besatzkosten bezahlen möchte, können wir, vor Ablauf der Pacht, auch den Teich mittels Netzen leerfischen lassen und die Fische verkaufen bzw. verarbeiten, damit wir etwas von den Besatzkosten decken. Wir holen uns auch noch den letzten Fisch raus und überlassen denen dann den leeren Teich.”

Diese Aussage ist dem Bürgermeister von Păltiniş, Ion Popovici, zu Ohren gekommen: „Der soll sich doch alle Fische aus dem Teich holen, sie in Reih und Glied stellen und nach Reschitza im Stechschritt marschieren lassen, wo AJVPS seinen Sitz hat! Außerdem: von dem vom AJVPS-Direktor Gesagten ist nichts wahr.  In jüngster Zeit hat er durch allerhand Methoden versucht, mich zu überzeugen, mit ihnen ein Verwaltungsprotokoll für den Fischteich abzuschließen. Ich habe ihn jedesmal abblitzen lassen, weil wir ja unseren Streit mit dem Rathaus Karansebesch noch nicht für uns entschieden haben. Und selbst wenn das Gerichtsurteil zu unseren Gunsten ausfällt – was ich natürlich aufgrund der Beweislage erhoffe – dann würde ich ihm erst recht nicht den Teich überlassen, denn seit vier Jahren hat unsere Gemeinde keinen Leu von AJVPS zur Pacht gesehen, weder für das Jagdrecht, noch für die Nutzung des umstrittenen Teichs. Bevor der Verband der Jäger und Sportangler den Teich übernommen hat, kassierten wir jährlich immerhin mehrere tausend Lei Pacht allein für die Nutzung des Fischteichs. Seit AJVPS da ist, nichts mehr!”

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