Zehn Jahre „Kinder Soforthilfe Rumänien“

Haus der Freundschaft in Lippa feierte Geburtstag

Mittwoch, 05. Juni 2013

Susanne Kastner (Mitte) pflegt seit Jahren die deutsch-rumänische Freundschaft, auch als Vorsitzende der deutschen Parlamentariergruppe.

Die Kinder selbst, aber auch die Gäste der Feier verzeichneten auf einem Plakat ihre Wünsche für die Zukunft des „Hauses des Freundschaft“. Fotos: Zoltán Pázmány

„Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“ – nach diesem Motto richtete sich auch die Stiftung „Kinder Soforthilfe“ in Rumänien. Nun sind es zehn Jahre her, seitdem die Stiftung ein Kinderheim in Lippa/Lipova errichtet hat und seitdem bedürftige Kinder ein Zuhause bekommen haben. Die Stiftung und das Kinderheim „Casa Prietenia – Haus der Freundschaft“ feierten vor Kurzem Geburtstag.

Das alte Kinderheim in Lippa musste geschlossen werden. Elternlose Kinder oder Kinder aus Familien mit diversen Problemen mussten auf die Straße. Da kam die Hilfe von der deutschen Politikerin Susanne Kastner, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags und Vorsitzende des Vereins „Rumänien-Soforthilfe“ e.V.  entgegen.

 

Alle Waisenkinder sollen nun in Familienhäusern untergebracht werden. So wurde 2003 ein Haus in Lippa gekauft und schon begannen die Arbeiten am künftigen „Haus der Freundschaft“. Der Name basiert auch auf einer wahren Freundschaft, denn die deutsch-rumänische Beziehung trug dazu bei, dass heutzutage elf Kinder ein Zuhause haben. Eigentlich leben im „Haus der Freundschaft“ insgesamt zwölf Kinder, zusammen mit ihren Sozialeltern – Corina (Dana) und Nicolae Ciobanu, deren eigene zwölfjährige Tochter zusammen mit den Waisenkindern aufwächst. Auch andere Organisationen aus Deutschland gründeten in Lippa ähnliche Einrichtungen.

Vorbereitung aufs Erwachsensein

Im Laufe der zehn Jahre durfte Familie Ciobanu ihre „Kinder“ aufwachsen sehen. Einige von ihnen wurden in ihren Familien reintegriert, zwei andere bereiten sich darauf vor, im kommenden Jahr das Haus zu verlassen. Daniel ist 18 und lebt schon seit 2003 im Haus der Freundschaft. Im kommenden Jahr, wenn er die Schule absolviert, wird er das Haus verlassen. Wünschenswert wäre, mal nach Deutschland zu gelangen – meint er. Denn er hat im Laufe der Jahre auch die deutsche Sprache erlernt. „Wir waren öfters zu Besuch in Deutschland, bei Frau Kastner und ihrer Familie. Ich wollte Deutsch lernen, damit ich mich mit ihnen unterhalten kann“, erzählt Daniel. Das Leben im dieser Einrichtung hat ihn gelehrt, im Leben ohne die Hilfe der Eltern zurecht zu kommen, so dass ihm das Verlassen des Hauses gar keine Angst macht.

Die Stiftung kümmert sich aber auch um die Zukunft der bereits Erwachsenen, denn besonderes Augenmerk legt die Stiftung auf die Bildung der Jugendlichen. Da die meisten jungen Erwachsenen nach dem Verlassen der Kinderhäuser nur schwer eine eigene Existenz aufbauen können, hat die Stiftung zusammen mit dem Verein „Rumänien Soforthilfe“ eine Wohngemeinschaft in der Stadt Arad errichtet. Bis zu vier Jugendliche können dort übergangsweise wohnen.

Bogdan ist 13. Er kann sich noch nicht entscheiden, ob er Fußballer oder Anwalt, oder doch Musiker werden will. Eines weiß der Junge jedoch, dass er alles werden kann, was er sich vorstellt. Er hat vor nichts Angst im Leben. Seine natürliche Familie in Arad besucht er immer in den Ferien und hält die Beziehung zu seiner Mutter aufrecht.

Ziel der Stiftung in Rumänien

Die Stiftung „Kinder-Soforthilfe“ Rumänien wurde 2003 gegründet. Ihr Hauptziel ist die wohltätige Arbeit für bedürftige Kinder und Jugendliche, sie kümmert sich aber auch um die Förderung kultureller Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien. Die deutsche Wohltätigkeitsorganisation „Rumänien Soforthilfe“ e.V. wurde im Jahr 1992 ins Leben gerufen, um vor allem Kindern, Familien und Senioren zu helfen. 2003 erwarb die Organisation ein eigenes Haus in Lippa und gründete in enger Zusammenarbeit mit der rumänischen Partnerorganisation „Kinder-Soforthilfe“ das Kinderheim „Casa Prietenia“. Seitdem arbeiten die beiden Stiftungen bei Projekten und Initiativen eng zusammen, um Kinder und Jugendliche in Not zu unterstützen. Ob sie es von Neuem machen würde? Darüber dachte die deutsche Politikerin und Initiatorin der Stiftung, Susanne Kastner, nicht einen einzigen Augenblick nach. „Natürlich würde ich das von NeueM machen, von null anfangen. Das ganze war wie ein Schneeballsystem – von einem Schneeball wurde letztendlich ein großer Schneemann“, sagt Susanne Kastner.

Die Stiftung „Kinder Soforthilfe“ ist somit seit zehn Jahren in Lippa tätig. Mit viel Eigeninitiative und Engagement wurde 2003 ein Kinderhaus in Lippa eröffnet. „Casa Prietenia – Haus der Freundschaft“ bietet seit dem mehr als zehn Kindern und Jugendlichen ein liebevolles Zuhause. Hier dürfen sie behütet aufwachsen, bis sie ihre Schulausbildung beendet haben. „Kinder Soforthilfe“ unterstützt auch weiterhin gemeinnützige Projekte. 2012 hat die Stiftung ein Behindertenheim eingerichtet, einen Kinderspielplatz gebaut und eine Jugendbegegnung zwischen deutschen und rumänischen Jugendlichen durchgeführt. „Der Abbau von Vorurteilen durch das Errichten eines Spielplatzes für bedürftige Kinder“, hieß damals das Europaprojekt im Dorf Milova der Gemeinde Conop aus dem Verwaltungskreis Arad. Auch damals kam die Initiative für das Europaprojekt von Susanne Kastner. Die kontinuierliche Arbeit für Kinder und Jugendliche wird über Spenden finanziert.

Erkundungsreise durchs Banat

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Susanne Kastner war vergangene Woche mit einer Gruppe aus Deutschland durch das Banater Bergland und an die Donau auf einer Erkundungsreise unterwegs. Die Reise startete in Lippa und führte nach Reschitza ins Banater Bergland. Herkulesbad, das Eiserne Tor, Orschowa, Orawitza und Steierdorf/Anina, Busiasch und Arad waren ebenfalls Besuchsziele der Gruppe. Dabei stand auch eine Kreuzfahrt mit dem Schiff auf der Donau durch die Donauklamm und eine Reise mit der „Banater Semmeringbahn“ zwischen Orawitza und Steierdorf auf dem Programm. Die deutsche Gruppe traf auf der Reise auch Vertreter der jeweiligen Kommunalverwaltungen und der Deutschen Foren vor Ort. Die Reise endete am vergangenen Samstag in Arad. 

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