Zeitgenössische Kultur für ehemalige Perle Europas

Projekt „Kulturbäder Herkulesbad“ erfolgreich abgeschlossen

Montag, 15. Oktober 2018

Ein besseres Ambiente für die Filmvorführung als das Cerna-Tal hätte es kaum geben können: Das Cinemobil führte „România neîmblânzită“ (deutsch: Das ungezähmte Rumänien) in Herkulesbad vor.

Mehrere Künstler färbten die ansonsten recht graue Ortschaft. „Die Kaiserin Sissi in Herkulesbad“ betitelte sich das Streetart-Werk von Ion Barbu.
Fotos: Andreea Săsăran

Kunst und Kultur an unkonventionellen Orten entfalten, dabei die lokale Gemeinschaft einbinden und gleichzeitig die Öffentlichkeit auf die Bedeutung des Ortes aufmerksam machen: Dies nahm sich das Projekt „Băile Culturale Herculane“, zu Deutsch: „Die Kulturbäder Herkulesbad“, Ende des Sommers vor. Binnen einer Woche waren in Herkulesbad/Băile Herculane Künstler aus dem Banat und Siebenbürgen zu Gast, es gab Straßenkunst, Konzerte, Filmvorführungen und touristische Führungen für all die, die daran interessiert waren, mitzumachen.

Veranstaltet wurde das Projekt vom Verein ACIA (Asociația Culturală pentru Intervenție Artistică) mit Unterstützung der Projektpartner Locus, Launloc aus Klausenburg/Cluj-Napoca, dem Cinemobil und dem Bürgermeisteramt Herkulesbad. Die Finanzierung kam von der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds AFCN.

Auf die Idee, ein solches Kulturprojekt in Herkulesbad, Kreis Karasch-Severin, umzusetzen, kam die Nikolaus-Lenau-Absolventin Andreea Săsăran vom ACIA-Verein im vergangenen Herbst, als sie mit dem Streetart-Künstler Irlo der ehemaligen Perle Europas einen Besuch abstattete. Die Temeswarerin selbst war in ihrer Kindheit öfters in Herkulesbad und seit nahezu 15 Jahren nicht mehr dort gewesen, für Irlo war es das erste Mal, dass er dorthin fuhr. „Seit mehr als 20 Jahren steht Herkulesbad komplett im Schatten und es ist Schade, dass das so ist. Unser Anliegen war, die zeitgenössische Kultur und Kunst nach Herkulesbad zu bringen“, sagt Projektmanagerin und Kuratorin Andreea Săsăran.

Eine Woche lang fanden in Herkulesbad verschiedene Kulturereignisse statt. (Straßen)künstler wie Irlo, Obie Platon, Kero&Ocu und Ion Barbu hinterließen ihre Spuren in der Form von Murals in Herkulesbad. Der Pavillon, den die Architekten vom „Herculane Project“ entwickelten, kann weiterhin von der Gemeinschaft genutzt werden. Das Cinemobil organisierte Filmvorführungen unter freiem Himmel, es gab Jam-Sessions mit Ana-Cristina Leonte, Albert Tajti, Dan Mitrofan und Tavi Scurtu, eine Konferenz mit dem Künstler und „22“-Redakteur Dan Perjovschi, mit der ehemaligen Kulturministerin der Technokraten-Regierung Corina Șuteu, einen Workshop mit dem Grafikdesigner Ovidiu Hrin sowie touristische Führungen durch die Gegend.

„Wir haben sofort gespürt, dass die lokale Gemeinschaft diesen Schatten, in dem Herkulesbad verharrt, einfach satt hat. Die Medien kommen, berichten, wie schlecht es dort ist, aber keiner tut etwas Konkretes, um zu helfen, um etwas zu ändern. Das Feedback seitens der Gemeinschaft war ein sehr positives – die Leute haben sich regelrecht gefreut, dass wir gekommen sind und etwas bewegt haben“, sagt Andreea Săsăran. Dutzende von Einheimischen haben sich freiwillig eingesetzt, um zu helfen, berichtet sie, aber auch Touristen haben den Veranstaltungen im Rahmen des Projekts mit Vorliebe beigewohnt.

„Die natürlichen Ressourcen, die man in Herkulesbad vorfindet, sind unglaublich wertvoll, doch kein Entscheidungsträger scheint sich dessen bewusst zu sein. Herkulesbad könnte das wahrscheinlich wertvollste Kurbad Rumäniens sein“, fügt die Projektkoordinatorin hinzu. „Hätte sich dieses Kurbad in Österreich befunden, hätte es wunderbar ausgeschaut“, sagt die Absolventin der Temeswarer Kunstfakultät, die einen Masterstudiengang in „Zeitbasierten Medien“ an der Kunstuniversität Linz abgeschlossen hat.

Die Organisatoren blicken auf ein erfolgreiches Projekt zurück. Andreea Săsăran vom ACIA-Verein wünscht sich, dass das Projekt im kommenden Jahr weitergeführt wird. Veranstaltungen wie „Die Kulturbäder Herkulesbad“ sind definitiv wichtig, damit das wahre Potenzial des Kurbads in den Fokus rückt und Herkulesbad auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wird.

 

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