Ziegel, Tonvasen und Dachreiter

Ausstellung im Emil-Sigerus-Museum rückt historische südsiebenbürgische Dachdeckung in den Fokus

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Eugen Vaida, Valeriu Olaru und Călin Trufaşiu (v.l.) sprachen bei der Eröffnung der Ausstellung. Foto: Andrey Kolobov

Hermannstadt - Das historische Erscheinungsbild der siebenbürgisch-sächsischen Dörfer ist vielerorts akut durch Abrisse und nicht denkmalgerechte Modernisierungen gefährdet. Diese Entwicklung ruft immer neue Initiativen hervor, die die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren möchten. Das jüngste Beispiel ist die Ausstellung „Historische Dachdeckung & das Restaurierungsparadigma“, ein Gemeinschaftsprojekt des Astra-Museums, des Vereins „Monumentum“ sowie der Hermannstädter Kreisdirektion für Kultur und Kulturerbe. Im Keller des Völkerkundemuseums am Kleinen Ring/Piaţa Mică wird eine Auswahl historischer Dachziegel aus dem Harbachtal/Valea Hârtibaciului gezeigt sowie Anleitungen zur Dachreparatur nach Denkmalschutzkriterien präsentiert.

Dem ungeübten Betrachter fällt sie normalerweise kaum auf, die Formenvielfalt der historischen Dachziegeln, die auf den Haus- und Scheunendächern der südsiebenbürgischen Dörfer liegen. Einen kleinen Ausschnitt können interessierte Besucher bis zum 12. November in der Ausstellung des „Emil Sigerus“-Museums sehen. Die Exponate stammen zu einem Großteil aus der Privatsammlung von Eugen und Ştefan Vaida aus Alzen/Alţâna, die die Ziegel in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Dörfern des Harbachtals fanden und sicherten. Daneben beteiligten sich das „Sigerus“-Museum, das Harbachtalmuseum in Agnetheln/Agnita und Privatpersonen mit Exponaten.

Bei den ausgestellten Ziegeln handelt es sich um Exemplare mit historischem Wert, erklärte Călin Trufaşiu von der Kreisdirektion für Kulturerbe bei der Ausstellungseröffnung am vergangenen Freitag. Ausgewählt wurden nur mit Sternen, Sonnenmustern, Lebensbaummotiven oder Inschriften verzierte Ziegeln, von denen sich in der Regel jeweils nur ein Exemplar pro Dach befand. Ergänzt werden diese durch Tonvasen und Dachreiter, die sich als Figurenschmuck auf Dächern finden. Die ältesten Exponate datieren laut den Ausstellungsmachern bis in das 18. Jahrhundert. Die älteste Ziegelinschrift stammt aus dem Jahr 1828.

Abgerundet wird die Ausstellung mit Schautafeln über die Geschichte des Zieglerhandwerks, Arten der in Siebenbürgen verwendeten Dacheindeckungen sowie die Unterschiede zwischen historischen und industriell gefertigten Dachziegeln. Deren zunehmende Verbreitung kritisierte Eugen Vaida, Vorsitzender des Vereins „Monumentum“. Um Bauherren Alternativen anzubieten, wolle man in naher Zukunft im Harbachtal sowie in den Kreisen Mieresch/Mureş und Kronstadt/Braşov drei bis vier Ziegeleien nach historischem Vorbild einrichten.

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