Ziel ist theologischer Austausch

Jürgen Henkel und Radu Preda starten internationale deutsch-rumänische Buchreihe

Freitag, 20. Juli 2012

Der frühere Leiter der Evangelischen Akademie Siebenbürgen, Pfarrer Dr. Jürgen Henkel (Selb/Bayern), und der orthodoxe Theologe Dr. Radu Preda aus Klausenburg/Cluj-Napoca bringen eine neue theologische Buchreihe im Hermannstädter Schiller-Verlag heraus. Die „Deutsch-Rumänische Theologische Bibliothek“/DRThB hat sich zum Ziel gesetzt, wichtige theologische Werke in die jeweils andere Sprache zu übersetzen, beziehungsweise auch mehrsprachige Bände zu theologischen Themen zu publizieren. „Der ökumenische Dialog zwischen der Orthodoxie und dem theologischen Westen aus Katholiken und Protestanten leidet oft darunter, dass wichtige Werke nicht in den jeweils anderen Sprachen vorliegen. Auch können nur wenige deutsche Theologen Sprachen orthodoxer Kirchen wie Russisch, Serbisch, Rumänisch oder Neugriechisch. Dem will diese Reihe zumindest im Blick auf den Dialog zwischen dem deutschsprachigen Raum und der rumänischsprachigen Theologie in erster Linie abhelfen“, sagt Gründungsherausgeber und Initiator Jürgen Henkel. „Auch unsere orthodoxe Theologie muss im internationalen Austausch stehen. Angesichts der globalen Herausforderungen für Kirche und Theologie ist das wichtiger denn je. Die neue Reihe bietet hier ein wichtiges Forum“, ergänzt Radu Preda. Im Hermannstädter Schiller-Verlag der beiden Verleger Jens Kielhorn und Anselm Roth haben beide mit ihrer Idee rasch einen aufgeschlossenen Verlag gefunden, der die Bücher nicht nur professionell produziert und druckt, sondern auch ansprechend gestaltet. „Wir wollen keine Ladenhüter produzieren, sondern Bücher mit wissenschaftlichem und akademischem Anspruch, gleichzeitig aber konkretem Nutzen“, sagt Henkel. Um diesem Anliegen zu entsprechen, ist auch ganz bewusst eine Abteilung für diakoniewissenschaftliche Veröffentlichungen eingeplant. Der jüngst erschienene erste Band der Gesamtreihe ist eine Übersetzung der „Pflegeethik“ des evangelischen Wiener Universitätsprofessors Ulrich H. J. Körtner ins Rumänische („Curs fundamental de etica ingrijirii“, Schiller-Verlag 2012). Ulrich H. J. Körtner ist einer der führenden evangelischen Theologen der Gegenwart, der hiermit erstmals auf Rumänisch erscheint. Der Autor richtet sich in diesem Band gezielt an Mitarbeitende in Alten-, Behinderten- und Krankenpflegeberufen und entwickelt für die Ausübung dieses Berufs ein „Berufsethos“. Der theologisch-ethischen Reflexion sind praktische Handlungsimpulse beigeordnet. Wer die Situation in den meisten rumänischen Pflegeeinrichtungen kennt, weiß um die Notwendigkeit eines solchen Berufsethos. Dieses Buch soll beispielsweise in der Ausbildung für Pflegeberufe eingesetzt werden.Die Finanzierung der Buchreihe basiert auf der Kooperation mit Partnerinstitutionen. Der Auftaktband beispielsweise wurde von der Diakonie Neuendettelsau mit einem Druckkostenzuschuss gefördert. Für jeden Band wird eine entsprechende Bezuschussung bei nach Themen unterschiedlichen Institutionen angestrebt. 

Die Reihe ist in fünf Unterabteilungen gegliedert: I/Documenta: Sammelbände, Dokumentationen und Lexika; II/Historica: Abhandlungen zur Kirchengeschichte, Patristik und wissenschaftliche Ausgaben historischer Werke und Quellen; III/Dogmatica: Dogmatik, Moraltheologie, Soziallehre und –theologie, Spiritualität und Ethik; IV/Diaconica: Diakoniewissenschaft und Sozialwirken der Kirche; V/Practica: Liturgik, Pastoraltheologie, Religionspädagogik und Kirchenrecht. Jürgen Henkel und Radu Preda konnten eine illustre Runde international renommierter Theologen als Mitherausgeberkreis finden. Diese stammen aus Deutschland, Rumänien, Italien, der Schweiz und Österreich. Dazu zählen der orthodoxe Metropolit Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa (Nürnberg), der katholische frühere Bischof von Regensburg und jetzige Präfekt der Römischen Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller (Rom), Bischofsvikar der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, Dr. Daniel Zikeli (Bukarest), Diakonie-Rektor Hermann Schoenauer (Neuendettelsau), Monsignore Albert Rauch vom Ostkirchlichen Institut des katholischen Bistums Regensburg, die orthodoxen Professoren Daniel Buda (Hermannstadt/Genf), Daniel Benga (Bukarest) und Nicolae Dura (Wien) sowie der katholische Professor Lucian Farcaş (Jassy). Aus Hermannstadt wirkt der evangelische Theologe Professor Hermann Pitters mit, der die wichtige dreibändige „Orthodoxe Dogmatik“ von Dumitru Stăniloae ins Deutsche übersetzt hat. Als Gründungsherausgeber und Schriftleiter fungieren Henkel und Preda. Sie koordinieren die gesamte Reihe. Vonseiten des Schiller-Verlags betreut Anselm Roth die ambitionierte neue Buchreihe. „Ich freue mich sehr über diese Zusammenarbeit. Diese internationale Buchreihe ist etwas Neues und Besonderes für unseren Verlag“, sagt Roth. „Die nächsten Pläne stehen bereits“, freut sich Jürgen Henkel. Zwei bis drei Bände sollen pro Jahr erscheinen. Die nächsten beiden Bücher sind indes schon druckreif und werden noch im Sommer erscheinen. So hat Jürgen Henkel das neue orthodoxe Kirchenstatut von 2008 mit sämtlichen Ergänzungen bis 2011 ins Deutsche übersetzt. Des Weiteren wird 2012 noch ein zweisprachiger Band erscheinen zum Thema „Der Heilige Geist – unsere Heiligung“, der die Beiträge einer theologischen Konsultation der Diakonie Neuendettelsau mit der Rumänischen Orthodoxen Metropolie von Siebenbürgen aus dem Jahr 2011 im Kloster Sâmbăta dokumentieren wird. Für die Gründungsherausgeber Henkel und Preda ist die Reihe auch deshalb von besonderer Bedeutung für den theologischen Austausch im deutschen und rumänischen Sprachraum, weil hier orthodoxe, katholische und evangelische Theologen gleichermaßen mitwirken. „Oft sind ökumenische Projekte nur bilateral. Hier sind alle drei großen Traditionen eingebunden“, unterstreicht Henkel. „Das entspricht besonders der Tradition hier in Siebenbürgen“, ergänzt Preda. (ADZ)

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