Zipser vermitteln Traditionen und Lebensfreude

Droben im Wassertal: Heimattreffen in der Zipserrei in Oberwischau

Freitag, 24. August 2018

Trachtenumzug bei Sonnenschein.

Leopold Langtaler blickt optimistisch in die Zukunft.

Die Tanzgruppe "Edelweiß" aus Oberwischau.
Fotos: László Ilyés

Viel Lebensfreude und eine angenehme familiäre Atmosphäre vermittelte das diesjährige Zipsertreffen „Droben im Wassertal“ für alle, die vergangenes Wochenende dem wichtigsten Ereignis der deutschen Minderheit in Oberwischau/Vișeu de Sus in der Zipserrei beigewohnt hatten. Die zweitägige Veranstaltungsreihe umfasste ein Festprogramm und eine Abendunterhaltung in der Zipserrei sowie Trachtenumzüge, einen Gottesdienst in deutscher Sprache und ein gemütliches Beisammensein der Teilnehmer im Festzelt in der Zipserrei.

Angenehme deutsche Musik ertönt aus den Verstärkern unter den in der Zipserrei auf der Straße aufgestellten Zelten. Das Grillfeuer brennt und von einem kleinen Holzhäuschen verbreitet sich Kuchenduft über die Straße. „Bereits zwei Tage vor dem Fest beginnen wir mit den Vorbereitungen. Wir machen das seit fünf Jahren mit viel Einsatz von Leuten. Rund zwanzig, dreißig oder sogar fünfzig Freiwillige helfen mit. Einige sind geübt im Zelte aufbauen, andere sind gute Köche. Das eigentliche Fest dauert nur ein paar Stunden, aber es lohnt sich der große Aufwand, denn die Organisation des Treffens bringt die Zipser mehr zusammen“, sagt lächelnd Leopold Langtaler, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Oberwischau, oder Leo, wie ihn alle in der Zipserrei nennen. Die Blaskapelle beginnt zu spielen und langsam kommen die Gäste an. Überall hört man die Besucher deutsch oder sogar zipserisch reden. „Schau Oma, wie groß die Trompete ist!“, ruft begeistert ein kleiner Junge. Bald füllen sich die Zelte mit fröhlichen Menschen. Die meisten tragen Tracht.

Alfred Fellner, Vizevorsitzender des DFD Oberwischau, begrüßt die Gäste. „Ursprünglich stammt das heutige Fest, das Zipsertreff, vom Wassertal ab. Schon unsere Vorfahren feierten periodisch ein Fest der Zusammenkunft aller deutschstämmigen Bewohner dieser Gegend. Um dem harten Alltag der Waldarbeiter zu entkommen, organisierten sie diese Feste, die sogar vertraglich bestimmt wurden und der Erhaltung der Werte, der Sprache und der Kultur dienten“, erklärt Alfred Fellner den Anwesenden den Ursprung des Zipsertreffs. „Wir machen heute im Grunde damit weiter, denn wir stützen uns auf die Traditionen von damals und kommen in dieser Form zusammen, um unserer Existenz als Minderheit ein Gesicht zu verleihen. Durch diese Zusammenkunft, durch die Unterhaltungen, durch die Tänze, den Gesang, das traditionelle Kuchenbacken festigen wir uns als Minderheit“, formuliert der stellvertretende Vorsitzende des Zipserforums die Ziele des Festes. Alfred Fellner bedankt sich anschließend bei allen, die bei der Organisation des Festes mitgemacht haben, und übergibt das Wort an die zwei jungen Moderatoren des Festes, Maria Demeter und Călin Hartzos.

„Droben im Wassertal heißt das Motto unserer Veranstaltung, denn die Wurzeln sind die Quelle unseres Lebens“, erklären die beiden Schüler in zwei Sprachen, Deutsch und Rumänisch, die Bedeutung des Leitworts des Zipsertreffs. Die Hymne der Zipser ertönt bei der Eröffnung des Festprogramms in Darbietung des DFD-Chors der Stadt. Eduard Langtaler und Daniel Bora tragen Gedichte vor. Letzterer rezitiert ein Gedicht in Zipserdialekt, das den Zuhörern die Geschichte der Zipser in Reimen erzählt. Die Grundschüler des Technologischen Lyzeums in Oberwischau zeigen gekonnt drei Volkstänze. Gäste des Zipsertreffens sind jedes Jahr die Mitglieder der „Gute Laune“-Tanzgruppe aus Sathmar, die den Anwesenden schwäbische Volkstänze präsentieren. Unter der Leitung des Tanzlehrers Horst Zavacki zeigen die Tanzgruppen „Edelweiß“ und „Edelweiß-Senior“ nacheinander aber danach auch zusammen Zipsertänze. Das Festprogramm endet mit der Musik der Blaskapelle „Rodna“ unter der Leitung des Dirigenten Lehel Szabó.

Anschließend an die Vorstellung beginnt das gemütliche Beisammensein in den Zelten. Zu den Gästen der Veranstaltung zählen auch Walter Übelhart, der Vorsitzende des DFD Maramuresch mit seiner Ehefrau sowie viele Zipser, die inzwischen im Ausland leben. „Wir wollten heuer das Zipsertreff im August veranstalten, damit auch unsere Landsleute, die inzwischen in Deutschland oder in Österreich leben, mitmachen können“, erzählt Leopold Langtaler. Bis in die Nacht hinein unterhalten sich die Zipser mit ihren Freunden und vor der Bühne wird sogar getanzt.

Am zweiten Tag der Veranstaltung treffen sich bereits in den frühen Morgenstunden die Trachtenträger vor dem Gebäude des Demokratischen Forums der Deutschen in der Zipserrei. Vorne wird die Zipserfahne getragen und auf die Musik der Blaskapelle geht es im Zug bis zur Heiligen-Anna-Kirche. Der Gottesdienst wird in deutscher Sprache von Zsolt Oláh, Pfarrer der Gemeinde, zelebriert. Der Pfarrer empfiehlt den Gläubigen, in die Fußstapfen von Jesus zu treten und seinem guten Beispiel zu folgen. „Unser Leben sei ein Fest, Jesu Hand auf unserem Leben“, singt der Chor und mit ihm auch die anderen Gläubigen.

An dem Trachtenumzug von der Kirche bis zum Festzelt in die Zipserrei beteiligen sich neben den Trachtenträgern auch andere Zipser, Gäste und Sympathisanten des Deutschen Forums in Oberwischau. „Seit 22 Jahren veranstalten wir das Zipsertreffen“, sagt Leopold Langtaler. Der Vorsitzende des Zipserforums lebt seit zwei Jahren in Hermannstadt. „Man muss nicht alles aufgeben, wenn man an einen anderen Ort zieht. Man ist sogar mit mehr Tatkraft und Enthusiasmus dabei, wenn man nach zwei Wochen wiederkommt“, meint Langtaler. Genauso optimistisch äußert sich der Vorsitzende über die Zukunft der Zipser in Oberwischau: „ Zurzeit leben hier rund 300 Zipser. Auch wenn mit der Zeit viele nach Deutschland oder nach Österreich ausgewandert sind, wird es in der Zipserrei lange ein Zipsertreff geben, das wir mit unseren Landsleuten und Sympathisanten, die gerne mitfeiern, veranstalten werden“.

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