Zum ersten Mal in Temeswar

Die Kulturtage Österreichs waren besonders gut besucht

Mittwoch, 23. November 2016

Botschafter Gerhard Reiweger vor dem Publikum im Barocksaal des Kunstmuseums. Rechts im Bild: der Temeswarer Bürgermeister Nicolae Robu.

Die Ausstellung wurde im Kunstmuseum Temeswar eröffnet.
Fotos: Zoltán Pázmány

In einem glücklichen Moment wurden die Kulturtage Österreichs zum ersten Mal in Temeswar veranstaltet: In diesem Jahr feiert die Stadt 300 Jahre seit dem Einzug des Prinzen Eugen von Savoyen an der Spitze des habsburgischen Heeres und damit das Beenden der osmanischen Herrschaft.

Die Temeswarer feiern heuer „ihren“ Eugen von Savoyen und die Europäisierung der Stadt nach der Befreiung unter dem Motto „300 Jahre Licht“. „Im Rahmen der Österreichischen Kulturtage stellen die europäische Perspektive und das Bewusstsein der Europäischen Union als Friedensprojekt bei den Feierlichkeiten zu den 300 Jahren Licht ein zentrales Element dar“, betonte Gerhard Reiweger, der Botschafter der Republik Österreich in Rumänien.

Der Blick ist auf die Zukunft gerichtet: „Österreich nimmt die Gelegenheit des Jubiläumsjahres wahr, um die kulturellen Beziehungen zur Region Banat und deren Hauptstadt zu intensivieren. Die Konsolidierung unserer regionalen Zusammenarbeit kann auch eine Grundlage für größere Projekte im Rahmen des Programms ´Kulturhauptstadt Europas 2021´ darstellen. In diesem Sinne plant das Cluster EUNIC Rumänien (Anm.d.Red.: das Kürzel steht für den Zusammenschluss Europäischer Kulturinstitute), dessen Vorsitz zurzeit das Österreichische Kulturforum Bukarest hat, eine Zusammenarbeit mit Temeswar im Hinblick auf das Jahr 2021“, erklärte Botschafter Gerhard Reiweger.

Ein reichhaltiges Programm wurde innerhalb der drei Tage angeboten. Zu Beginn gab es zwei Vorträge: Zum Thema „Eugen von Savoyen und Temeswar“ referierte der Historiker und Universitätsprofessor Victor Neumann. Ein anderes Schwerpunktthema schnitt Elisabeth Marinkovic, die Leiterin des Österreichischen Kulturforums Bukarest, an, die über „Markante Frauen in der österreichischen Geschichte der vergangenen zwei Jahrhunderte“ gesprochen hat.

Im Anschluss daran fand die Vernissage der Ausstellung „Heimat großer Töchter“ statt, die bereits bei den Österreichischen Kulturtagen in Arad gezeigt wurde. In Temeswar kann die Ausstellung bis einschließlich heute besichtigt werden. Die Vorstellung des Buches „Prinz Eugen. Heros und Neurose“ von Konrad Kramar und Georg Mayrhofer (in rumänischer Fassung von Alina Mazilu), das Konzert der Band „jazz4-tett“, zu der Nicolas Simion, Sabri Tulug Tirpan, Wolfram Derschmidt und Ioan Minda gehören, sowie die Theateraufführung „Curie_Meitner_Lamarr“ von Anita Zieher in der Regie von Sandra Schüddekopf bereicherten das Programm.

Bei den Kulturtagen Österreichs war aber vor allem eine Persönlichkeit präsent: Prinz Eugen von Savoyen ließ über die drei Jahrhunderte grüßen. So in dem Vortrag von Victor Neumann, der auf die Persönlichkeit des Feldherrn und auf die Modernisierung der Stadt im 18. Jahrhundert hingewiesen hat: „Im Vergleich zu anderen Städten ist das Urbanisierungsprojekt Temeswars, das von Wien und von den Gouverneuren vorgeschlagen wurde, die hier vom Hause Habsburg zwischen 1719 und 1779 ernannt wurden, nicht auf die Opposition der Bürger gestoßen. Im Gegenteil, es wurde als eine Chance erfasst, die Dinge zu ändern, als einen Impuls, die Gegend zu modernisieren. Man orientierte sich an Wien und Prag im 18. Jahrhundert im Imperium, Wien wurde das Modell vor allem dort, wo ein Neuaufbau möglich war. Das ist es auch im Falle Temeswars gewesen“.

Auch bei der Buchvorstellung, die von dem Schriftsteller Robert [erban moderiert wurde, erinnerte man sich, in einem lockeren Rahmen, wieder an die Figur des Feldherrn, wobei sowohl äußerliche Aspekte wie die untersetzte Gestalt wie auch die Persönlichkeit hervorgehoben wurden: Vor allem die Loyalität zeichnete ihn aus, aber auch seine Durchsetzungskraft. Eugen von Savoyen bleibt aber auch als Kulturmensch in Erinnerung: Die Literaturwissenschaftlerin Adriana Babe]i erinnerte zum Beispiel daran, dass im Zelt Eugen von Savoyens bei der Belagerung Temeswars aus Leibnizʼ „Monadologie“ gelesen wurde.

Für die Veranstaltung haben folgende Institutionen mitgewirkt: die Österreichische Botschaft, das Österreichische Kulturforum, der Österreichische Austauschdienst, das Österreichische Honorarkonsulat in Temeswar, die Stadtverwaltung Temeswar, das Kulturhaus der Stadt, das Musikforum Europa, das Kunstmuseum Temeswar, der Verein „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“, der Verein „Temeswar – 300 Jahre Licht“, das Deutsche Staatstheater Temeswar, das Österreichische Lektorat und die Musik- und Theaterfakultät an der West-Universität Temeswar.

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