Zum fünften Todestag Ioona Rauschans

Privater Kulturverein gedenkt und erinnert an vergessene Persönlichkeit

Mittwoch, 11. Februar 2015

Sie war Regisseurin, Drehbuchschreiberin, Autorin, Malerin und Grafikerin: Die Temeswarerin Ioona Rauschan war eine vielseitig begabte Künstlerin. 1988 wanderte sie nach Deutschland aus. In Rumänien war Rauschan als Literaturkritikerin und Theaterregisseurin bekannt. Foto: privat

Am 7. Februar vor fünf Jahren starb die Regisseurin und Schriftstellerin Ioona Rauschan in einem Krankenhaus in Düsseldorf. Die seit Ende der 1980er Jahren ausgewanderte Künstlerin hatte sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. In Rumänien arbeitete sie am Kindertheater „Merlin“ und für die Literaturzeitschrift „Orizont“. Sie rezensierte unter anderem das erste Buch des ehemaligen Intendanten von TVR Timisoara, Lucian Ionica. Als Regisseurin inszenierte sie am Kindertheater das Puppenspiel „Mowgli- Das Dschungelkind“ und startete so die Karriere der Ex-Intendantin von „Merlin“, Eva Labadi-Megyes.

Ioona Rauschan selbst träumte stets von einer Karriere als bildende Künstlerin. Zeit ihres Lebens malte sie und nutzte diese Leidenschaft später in Deutschland, um an der Freien Kunstakademie Essen Drehbuchschreiben und Storyboard zu unterrichten.

Zwischen 1994 und bis zu ihrem tragischen Ableben produzierte sie über 20 Dokumentarfilme.

In ihren Filmen geht es meistens um Künstler und Schriftsteller. Ihr erfolgreichster Dokumentarfilm „Auf der Schwelle“ stellt das Leben und Schaffen Heinrich Heines vor. Der Film lief auch mehrmals auf dem Kultursender Arte.

Ihre Leidenschaft fürs Malen teilte sie mit ihrer Leidenschaft fürs Schreiben. 2009 veröffentlichte Ioona Rauschan ihren ersten Roman „Abhauen“. Das Buch handelt von von sechs Menschen, die sich an einem Sonntag in Februar im Jahr 2000 mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Auch Rauschan starb an einem Sonntag im Februar genau ein Jahr nachdem ihr Roman erschien. „Das Buch zeigt nicht, wie schwer es ist zu sterben. Es zeigt, wie schwer es ist zu leben, sobald man verstanden hat, was es bedeutet zu sterben“,  meint die Übersetzerin des Buches, Raluca Ciortan.

 

 

Eine Stunde für Ioona

In den letzten fünf Jahren hat der Kulturverein „IOONA“, der in ihrem Gedenken gegründet wurde, kulturelle Veranstaltungen in Temeswar/Timisoara veranstaltet, um ihre Werke auch in ihrer alten Heimatstadt bekannt zu machen. Zum Todestag Ioona Rauschans am 7. Februar veranstaltete der Verein eine Gedenkstunde im Haus der Künste. Die bekannte Journalistin Brându{a Armanca, eine enge Freundin Rauschans, las aus der rumänischen Fassung der Erzählung „Die schöne Strickerin“. Dieses erschien 1995 in Deutschland und wurde später von Henrike Bradiceanu-Persem auf Rumänisch übersetzt. Sie las ebenfalls einen kurzen Ausschnitt auf Deutsch vor.

Die bekannte Sängerin Marion Kräutner begleitete die Lesung musikalisch. Sie spielte vier ihrer Lieder von dem Debütalbum „Murmur“.

Im Anschluss wurde der Film „Für Ioona und Puiu“ gezeigt. Die Mutter Ioona Rauschans erzählt darin von ihrer Tochter und ihrem Ehemann.

Der Kulturverein wurde auf Initiative von Radu Dimeca, dem Bruder Ioona Rauschans, in 2010 gegründet. Über die Jahre hat er mehrmals durch Veranstaltungen versucht, die Erinnerung an seine Schwester zu bewahren. Ioona leistete überall einen Beitrag. Egal wo sie war, sie machte immer auf sich aufmerksam“, so Radu Dimeca. In diesem Jahr wäre Ioona Rauschan 60 geworden.

Darum möchte der Verein anlässlich ihres Geburtstags im November ein neues Buch mit unveröffentlichten Texten Rauschans herausgeben.

Im Frühjahr wird auch in Zusammenarbeit mit dem deutschsprachigen Literaturkreis Stafette der Literaturförderpreis „Ioona“ vergeben. Ebenfalls am Samstag wurde der Literaturwettbewerb angekündigt. Er richtet sich an Schüler und Studenten von den deutschsprachigen Bildungseinrichtungen aus Temeswar. Da Thema des Wettbewerbs ist „Horizont(e)“.  

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