Zum Thema Restaurierung der Stadtpfarrkirche Hermannstadt

Offener Brief an den Stadtpfarrer von Hermannstadt, Kilian Dörr

Mittwoch, 11. Juni 2014

Sehr geehrter Herr Stadtpfarrer,

Die Berichte von Herrn Dr. Architekt Fabini über die geplanten Arbeiten an der Stadtpfarrkirche (zuletzt „Zwei grundverschiedene Konzepte. Zweite Bauphase für Restaurierung der evangelischen Stadtpfarrkirche Hermannstadt“) sind mehr als besorgniserregend. Auch aus Deutschland kam dazu ein alarmierender Anruf. Dieses bestimmt mich, dazu Stellung zu nehmen.

Es ist verwunderlich, dass Doktor Fabini, der sicher das weitaus kompetenteste Mitglied der Gemeindevertretung in Sachen Denkmalpflege ist, sich genötigt sieht, mit den Problemen zu Fragen der Restaurierung unserer Stadtpfarrkirche an die Öffentlichkeit zu gehen, wo es doch selbstverständlich wäre, dass sich die Gemeindevertretung nach der kompetenten Meinung ihres Fachmanns richtet.
Sicher sind Projektanten aus verschiedenen Gründen daran interessiert, möglichst umfassende Entwürfe zu machen. Aber sind alle Arbeiten nötig und zum Vorteil der Kirche?

Unsere Stadtpfarrkirche war vor sieben Jahren (!) bei dem Beginn der Arbeiten in einem guten Zustand: Nötig war eine frische Eindeckung und die Fixierung der Gewölberippen über der Empore des südlichen Seitenschiffes. Bei den bisher am Dach durchgeführten Arbeiten wurde weit über das Ziel hinausgeschossen. Ob wohl darum etliche Male der Projektant gewechselt wurde?

Nach einer genauen Besichtigung des Baues, getraue ich mich zu sagen, dass an dessen Struktur keinerlei Eingriffe nötig sind; vor sieben Jahren konnte ich keinen einzigen besorgniserregenden Sprung finden. Trotzdem sind, nach Fabini, in dem neuen Projekt umfassende Baumaßnahmen vorgesehen: Untermauerungen, Vertikalarmierungen der Mauern und anderes.

Abgesehen davon, dass diese unnötig sind, lassen sie das elementarste Gesetz moderner Denkmalpflege völlig außer Acht: die Umkehrbarkeit ausgeführter Arbeiten. Die unnötigen unterirdischen Verstärkungen der Außenmauern sind nicht mehr zu beseitigen; die Vertikalarmierung, deren Aktionsweise nicht der ursprünglichen Konzeption des Baues entspricht, ist nicht mehr zu beseitigen; einmal eingefügter Beton ist kaum noch zu beseitigen; moderne Baumaterialien haben eine begrenzte Lebensdauer und sind kaum mehr zu beseitigen. Alles dieses ist total kontraproduktiv.

Es wird nicht nur Geld vergeudet und die Kirche für viele weitere Jahre geschlossen, sondern die vorgesehenen Arbeiten sind mehr als besorgniserregend. Da die Maßnahmen den alten Bau schädigen, ist zu befürchten, dass folgende Generationen einmal nur noch vor einem riesigen Schutthaufen stehen werden.

Ich würde Sie bitten dieses zur Kenntnis zu nehmen.


Prof. Dr. Architekt Paul Niedermaier
Expert für Fragen der Denkmalpflege des Kulturministeriums

Kommentare zu diesem Artikel

Georg, 20.06 2014, 19:17
Prof. Niedermaier hat vollig recht. Und die Erdbebenbestimmungen gelten für moderne Neubauten, sie sollten nicht bei historischen Baudenkmäler Anwendung finden. Ansonsten müssten auch alte orthodoxe Kirchen mit Stahlbeton verunstaltet werden.
Tourist, 17.06 2014, 18:24
Bei der derzeitigen Restaurierung müssen die rumänischen Gesetze eingehalten werden und die schreiben neben der denkmalpflegerischen Restaurierung auch eine grundsätzliche Erdbebensicherung vor. Deshalb die Armierungen und Betonverstärkungen. Natürlich ist das nicht ganz schön. Wenn die Kirche die Restaurierung aus eigenen Mitteln finanziert hätte, hätte man das vielleicht vermeiden können. Aber bei diesem Projekt, wie die EU den Hauptteil zahlt, die rumänische Regierung den zweiten Teil und die evangelische Kirche den dritten, ist man eben eingeschränkt.

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