Zur Rettung des Naturerbes im Banat

Neues Infozentrum in Hatzfeld soll Beziehung zwischen Rumänien und Ungarn stärken

Donnerstag, 11. Juli 2013

Bei dem feierlichen Abschluss des EU-Projektes „Zurück zur Natur“ beteiligten sich (v.l.n.r.): der Projektleiter Dr. Andrei M-Kiss , der Kreisratsvorsitzende Titu Bojin sowie der Leiter des Banater Museums, Dan Leopold Ciobotaru.
Foto: Zoltán Pázmány

Das Banater Museum feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum: Seit hundert Jahren besteht seine Naturkundeabteilung. Für Andrei M-Kiss wäre es an der Zeit, dass die Abteilung eigenständig wird, ein eigenes Gebäude erhält und zum Museum erhoben wird. Das jüngst abgeschlossene Projekt „Zurück zur Natur“ könnte einen wichtigen Schritt in diese Richtung bedeuten. Denn seit Anfang Juli besitzt die Naturkundeabteilung in Hatzfeld/Jimbolia ein Infozentrum, das über das Naturerbe des Banats informiert. Die Verwaltung der Kleinstadt hatte dem Banater Museum dafür ein altes Schwabenhaus zur Verfügung gestellt. Vor einem Jahr war es zur Hälfte ungenutzt, ehe ein Projektteam unter der Leitung von Andrei M-Kiss das alte Haus renoviert hat. Rund 360.000 Euro haben die Arbeiten gekostet. Die Gelder wurden aus dem EU-Kooperationsprogramm HURO 0802/109_AF bezogen. Dieses strebt seit 2007 danach, die Zusammenarbeit zwischen Rumänien und Ungarn entlang der gemeinsamen Grenze zu festigen. In diesem Jahr findet der Abschluss des sechsjährigen Projektes statt.

Allein wirtschaftlich und kulturell kann die Region nicht gedeihen, finden die Beteiligten an dem Projekt „Zurück zur Natur“. Auch der Tourismus muss gefördert werden und dafür muss in erster Linie in die Umwelt investiert werden. Wie in so vielen Branchen wird auch hier auf Bildung und Aufklärung gepocht. Der rumänische Durchschnittsbürger muss zuerst erzogen werden. Er muss lernen, weshalb Naturschutz wichtig ist und was er persönlich dafür leisten kann.

Das ist der Grund, weshalb M-Kiss und seine Kollegen ihre Hoffnungen in die Tätigkeit des neuen Infozentrums legen. In Hatzfeld, einer 10.000-Einwohner-Stadt am Treffpunkt dreier Länder, soll in den nächsten Jahren die Umwelt gerettet werden, und zwar durch Aufklärung. Dafür wurden von den EU-Geldern auch Broschüren und Informationsblätter gedruckt. Darauf stehen gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die für das Banat typisch sind. Besonders erschreckend ist die Anzahl der gefährdeten Spezies und wie – für unsere Begriffe noch – gewöhnlich diese Arten sind: Sowohl das Eichhörnchen als auch der Feldhamster gehören zu den bedrohten Tieren. Laut dem Amt für Umweltschutz Temesch stehen inzwischen europaweit zahlreiche Biotope kurz vor der völligen Zerstörung. Auch immer mehr Tiere würden bald aussterben. Grund für diese Entwicklung sei das rasante Städtewachstum.

Aber die EU hätte inzwischen die Bremse gezogen und würde durch Fördermittel versuchen, den fortgeschrittenen Schaden zu beheben. Allein nach Rumänien fließen laut dem Kreisratsvorsitzenden Titu Bojin eine Milliarde Euro von der Europäischen Union, um Projekte zu fördern, wodurch einzigartige Gebiete, wie etwa das Donaudelta, gerettet werden sollen.
Doch die Expansion der Städte ist nur ein Teil des Problems. Besonders wenn man aufs Land fährt oder in die Banater Weiden und Wälder stößt man auf Müll unter jedem Strauch und unter jedem Baum. Es gibt ganz viele Bewohner in diesem Land, die, wo sie auch hinkommen, Schmutz hinterlassen. Dies sei eine Folge mangelnder Bildung. Und unter Bildungsmangel würden besonders Menschen, die sozial benachteiligt sind, leiden. Darum sind sie neben Kindern und Jugendlichen die Hauptzielgruppe des neuen Infozentrums.

Anders schaut es auf der anderen Seite der Grenze aus, bei den Partnern aus Ungarn. Umweltschutz ist dort nicht im gleichen Maße ein Problem wie im rumänischen Banat. Hauptpartner des Banater Museums in dem abgeschlossenen Projekt „Zurück zur Natur“ war die ungarische Stadt Csongrád aus dem gleichnamigen Komitat. Hatzfeld wurde als Standort für das neue Zentrum deswegen gewählt, weil es in der Mitte zwischen den Partnerstädten und in gleicher Entfernung zu den Hauptstädten der beiden Länder stünde. Eine symbolische Geste, um eben auf die Bereitschaft Ungarns und Rumäniens hinzudeuten, gemeinsam die Region zu stärken und sich durch Projekte wie „Zurück zur Natur“ eine Zukunft aufzubauen, wo Wörter wie „Grenze“ und „grenzüberschreitend“ keine Rollen mehr spielen.

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