Zurück ins Land der Kindheit

Zu "Erinnerungen aus der Kindheit" von Walter Wilhelm

Mittwoch, 08. Juli 2015

Zum Anlass der 250-Jahrfeier der banatschwäbischen Gemeinde Sackelhausen präsentierte einer der seit Jahrzehnten Ausgewanderten und jetzt Heimgekehrten seinen Landsleuten und deren Nachkommen ein unscheinbar anmutendes und doch interessantes Büchlein. Ein Erinnerungsbuch von einem ehemaligen Sohn der Gemeinde, wie der Titel "Erinnerungen aus der Kindheit.177, Sackelhausen, Banat, Rumänien.24 Einzelgeschichten" hinweist. Das Büchlein (auf dem Umschlag der Grundplan der Gemeinde von 1793) hält genau das, was es verspricht. Der Autor Walter Wilhelm, 1954 in Sackelhausen geboren, wo er auch die deutsche Grundschule besuchte, hat praktisch Sackelhausen nur als Dorf der Kindheit erlebt. Schon früh, mit 18 ist er 1972 nach Metzingen, Deutschland, ausgewandert, wo er derzeit lebt und als Lehrer tätig ist. Zum Glück hat der Autor nicht den Versuch gemacht, "Die Glocken der Heimat" neuzuschreiben, einen epochalen Heimatroman über die untergegangene Welt der Banater Schwaben zu liefern. Er hat es auch nicht etlichen anderen nachgetan, in einem gewissen Alter dem Drang nachzugeben, seine Memoiren zu verfassen, restlos alles über seine Person und sein Lebenswerk aufzuschreiben. Der Verfasser- Dem Buch ist das Motto "Ich stamme aus der Kindheit, wie aus einem Land..." von Antoine de Saint-Exupery vorangestellt- weist in einem Vorwort darauf hin, dass ihn als Kind eben "Erinnerungen aus der Kindheit" von Ion Creangă, als sein erstes fremdsprachiges Buch, fasziniert hätte, dass Personen und Ereignisse in diesen Geschichten der Wirklichkeit entsprechen würden. Und so vermischen sich in diesen 25 Einzelgeschichten ("Nur Geschichten, die mich betreffen") Erinnerung und Erzählung, seine subjektive und die  kollektive Erinnerung der banatschwäbischen Gemeinschaft.

Der Gewinn dieses Büchleins im Gegensatz zu vielen anderen derartigen in letzter Zeit erschienenen Einnerungsbüchern über das dörfliche Banat, könnte man behaupten, ist der gewagte Versuch des Autors, zwei Erinnerungsebenen in einen Erzählstrang einzuflechten: Erstens sind es die Erinnerungen an das Sackelhausen der 60ger und 70ger Jahre, die sich so zu einem interessaanten Zeitzeugnis über diese schwäbische Heimatgemeinde in der schwierigen Zeit des Kommunismus gestalten. Zweitens widergibt der Erzähler in einer schlichten Sprache, aus der Perspektive des Kindes, die wunderbare Welt der Kindheit. Und damit hat der Leser auch das Ansprechende in diesem Buch entdeckt: die subjektive Sageweise und den Humor. So in der Geschichte "Hochzeit": "Ich war davon überzeugt, dass alle Leute aus Darowa freundlich waren.Ich war ein paar mal dort. Es war immer sehr lustig. Das Elternhaus meiner Oma stand am Dorfrand. Auch unser Haus in Sacklas stand am Dorfrand.. Damals glaubte ich, alle Häuser würden am Dorfrand stehen..." Interessant aber auch als eine wahre Fundgrube des volkstümlichen Humors erscheinen dem Nichteingeweihten und nicht nur die Erklärungen der schwäbischen Ausdrücke. Hier eine Kostprobe: Schlee-Schläge, Exekuter-Steuereintreiber, Gannauser-Gänserich, Russenloch-Badestelle, Hinkelsimpfer-Veterinär, Knapper-Geldbeutel usw.

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