Zurück ins Mittelalter

Rupit und Besalú in Girona

Sonntag, 12. Juni 2016

Die Brücke über den Fluss Fluvia führt ins Dorf Besalú.

Vom einstigen Benediktinerkloster in Besalú, dessen Bau im 10. Jahrhundert begann, ist nur noch die Kirche erhalten.

Die Spuren der Vulkanausbrüche vor 11.000 Jahren in Rupit – Vulkansteinwege sind an vielen Orten im Dorf noch erhalten.

Felsendorf Rupit - malerische Gassen, sehenswerte Häuser. Die Flagge der Autonomen Region Katalonien an den Fenstern darf hier nicht fehlen.
Fotos: die Verfasserin

Wer in der Autonomen Region Katalonien in Spanien unterwegs ist, der sollte die typischen Reiseziele wie Barcelona und die Costa Brava getrost mal vergessen. In der Provinz Girona gibt es eine Mischung von touristischen Attraktionen, denn nicht nur die bemerkenswerte Architektur Barcelonas lädt zu einer atemberaubenden Zeitreise ein - sondern auch die gut erhaltenen mittelalterlichen Dörfer Kataloniens. Zwei davon sind Rupit und Besalú. Allein 98 Kilometer von Barcelona entfernt lebt das 14. Jahrhundert weiter. Osona ist eine der schönsten Gegenden von Katalonien. Sie wird durch Pruit und Rupit gebildet - zwei mittelalterliche Ortskerne, die um eine Kirche und ein Schloss herum entstanden sind. Sie gehören zu den am besten erhaltenen Standorten im mittelalterlichen Stil im ganzen Land.

Rupit ist ein Ort in den spanischen Pyrenäen, in dem laut offizieller Zählung gerade mal etwas mehr als 330 Einwohner leben. Das mittelalterlich erhaltene Bergdorf ist deswegen beschaulich, doch lockt es immer mehr Touristen an, da diese Gegend die größte Vulkanlandschaft der Iberischen Halbinsel darstellt. Im etwa 120 Quadratkilometer großen Naturpark liegen zwischen Olot und Santa Pau mehr als 40 Vulkane. Die Vulkane gelten heute als inaktiv, aber nicht erloschen, der letzte Ausbruch liegt über 11.000 Jahre zurück. Spuren von Vulkanausbrüchen kann man auch im Felsendorf Rupit entdecken.
Rupit und Pruit sind ideal auch für einen Tagesausflug bei einem Urlaub an der Costa Brava. Durch ein Felsendorf zu schlendern ist nicht nur eine Zeitreise, sondern auch ein großes Vergnügen für die Augen: viel Blumenschmuck an den Fenstern, an jeder Ecke ein Laternchen an den Häusersimsen befestigt – ein blickfangender Kontrast zwischen den Steinmauern der Häuser und den steingepflasterten Straßen. Restaurants, Souvenir-Shops, Banken, Bäckereien sind in den alten Gassen in noch älteren Steinhäusern angesiedelt. Sehenswert ist Rupit allerdings auch wegen seiner Kirche Sant Joan de Fabregues, deren erste Erwähnung aus dem Jahr 968 datiert. Sie liegt zirka drei Kilometer von der Burg Rupit entfernt, welche ein weiteres Highlight dieses kleinen Ortes darstellt.

Auf beinahe 900 Metern Höhe gelegen, fließt der namensgebende Fluss Rupit direkt neben dem Ort. Typisch für das mediterrane Bergklima gibt es hier sehr heiße Sommer und kalte Winter, viel kälter als an der einige Dutzend Kilometer entfernten Küste. Somit empfiehlt sich ein Besuch im malerischen Bergdorf Rupit eher in den Sommermonaten, wenn auch viele weitere Besucher das Dorf beleben und man trotzdem das Gefühl hat, hier eine ganz besondere Verbindung zu vergangenen Zeiten zu erleben.
Am besten erkundet man das Dorf zu Fuß. Für Busse und Autos steht am Ortseingang ein sehr großer Parkplatz zur Verfügung. Für einen Euro darf man hier den ganzen Tag parken. Im Dorf kann man auch über eine schmale Brücke schlendern – diese wurde vor wenigen Jahren als Touristenattraktion gebaut.

Besalú - mittelalterliche Burg am Fluvia

Am Rande des vulkanischen Naturschutzgebietes La Garrotxa gelegen, ist Besalú zweifellos ein Muss für Liebhaber gut erhaltener, mittelalterlicher Städte. Besalú liegt auf halbem Wege zwischen der Küste und den Pyrenäen in der Nähe des Naturparks Garrotxa. Besalú ist zirka 50 Kilometer von der Küste, 45 Kilometer vom Flughafen Girona, 45 Kilometer von der französischen Grenze (La Jonquera) und 130 Kilometer von Barcelona entfernt. Aufgrund der relativen Nähe zur Küste zieht es viele Tagesausflügler hierher. Wie aus einem Film geschnitten ist Besalú ein weiteres atemberaubendes mittelalterliches Dorf in Spanien.

Ins Dorf hinein gelangt man über Brücken. Der Ort ist seit 1966 als Kulturdenkmal (Bien de Interés Cultural) in der Kategorie Conjunto histórico-artístico anerkannt. Erste schriftliche Erwähnungen stammen aus dem 11. Jahrhundert. Die 105 Meter lange Brücke über den Fluss Fluvia mit ihrem charakterischen Turm wird von sieben beeindruckenden Rundbögen getragen. Im spanischen Bürgerkrieg wurde die Brücke von Besalú gesprengt, aber anschließend wieder aufgebaut.
Vom einstigen Benediktinerkloster in Besalú, dessen Bau im 10. Jahrhundert begann, ist nur noch die Kirche erhalten. Besonders sehenswert ist der Kreuzgang, ein ausschliesslich Pilgern vorbehaltener Wandelgang, in dem einst die Reliquien von San Primo und San Feliciano aufbewahrt wurden. Im Mittelalter war dies ein wichtiger Wallfahrtsort für Pilger, was auch am Pilgerhospital erkennbar ist, das unweit des Klosters liegt und im 12. Jahrhundert eigens zur Versorgung der Pilger errichtet wurde. Am selben Platz steht auch das Gebäude Casa Cornella aus dem späten 12. Jahrhundert, das als eines der besterhaltenen Beispiele ziviler Romanik in Katalonien gilt.

Bis zum Zeitpunkt ihrer Vertreibung im Jahre 1492 lag der jüdische Bevölkerungsanteil in Besalú bei zirka 20 Prozent. Die jüdischen Bäder Miqwe und die Überreste der Synagoge zeugen noch aus dieser Zeit. Die Miqwe Besalu ist eins von nur zehn noch erhaltenen jüdischen Bädern Europas und das einzige Spaniens. Aufgrund ihres guten Zustands belegt die Miqwe aus Besalú europaweit den dritten Platz. Die Bäder liegen unterirdisch, weshalb sie nach offiziellen Angaben erst im Jahre 1964 zufällig wiederentdeckt wurden. Sie können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden - Anmeldung erfolgt bei der Touristeninformation an der Plaça Llibertat. Oberhalb des Eingangs zu den Bädern ist eine kleine Esplanade, auf der einst die Synagoge stand, von der jedoch nur noch ein paar Grundmauern zu sehen sind.

In Besalú kann man auch auf eine kulinarische Reise gehen. Das Museu de L’Embotit (Wurstmuseum), Plaça de la Llibertat, ist ein kleines (kostenloses) Museum, das an einen Delikatessenladen angegliedert ist. Das Museum ist zwar winzig, bietet jedoch einen guten Einblick in die traditionelle Herstellung von Wurstwaren. Im angeschlossenen Laden können ein paar Spezialitäten probiert und gekauft werden. Es gibt ein reichhaltiges Angebot an Fleisch- und Wurstspezialitäten aus Besalú und der Region. Schräg gegenüber liegt das Pendant für Kräuterschnäpse (ohne Museum). Hier kann man den für Besalú und die Region typischen Ratafia probieren und direkt vom Erzeuger kaufen. Der Ratafia besteht aus Anisschnaps, aromatischen Kräutern und unreifen Walnüssen. Wer mehr als nur einen Tagesausflug unternehmen will, kann in Besalú übernachten. Innerhalb der Burg gibt es verschiedene kleine Hotels und Pensionen. Außerhalb des historischen Ortskerns befindet sich auch ein Campingplatz.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 14.06 2016, 01:31
wer in Katalonien ist, sollte die Katalanen einmal fragen, was sie vom Spanischen Erbfolgekrieg halten, der zeitgleich mit dem letzten österreichischen Türkenkrieg mit dem Prinz Eugen von Savoyen und der letzten Kuruzen-Rebellion von Ferenc Raközi stattgefunden hat. Da erhält man interessante Antworten und dann schließt sich auch der Kreis zu Siebenbürgen wieder.

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