„Zurück zur Berufsausbildung“

Unternehmen drängen auf Verbesserung der Rahmenbedingungen

Sonntag, 17. Februar 2013

Bildungsminister Remus Pricopie gibt zu, dass das Bildungssystem schlecht auf den Arbeitsmarkt abgestimmt ist.
Foto: Johann Wolfschwenger

Bukarest - Nach dem großen Erfolg der Berufsschule in Kronstadt/Braşov (Şcoala Profesională Germană) und nachdem auch in Temeswar/Timişoara ein Pendantprojekt auf den Weg gebracht wurde, steht das Thema duale Berufsausbildung nach deutsch-österreichischem Vorbild nun auch in Bukarest wieder auf der Agenda. Treibende Kräfte sind das Österreichische AußenwirtschaftsCenter und natürlich die Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer (DRIHK). Sie haben vergangenen Mittwoch im Rahmen eines Workshops Politik und Unternehmen zum Meinungsaustausch geladen, denn der Druck der Wirtschaft und der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ist seit Jahren ungebrochen.

Großer Bedarf an Fachkräften

Besonders in den technischen Berufen lechzen die Unternehmen förmlich nach Fachkräften. Wenn sogar vielbeschäftigte CEOs wie Brigitte Eble, Geschäftsführerin der Robert Bosch SRL, persönlich bis zum Schluss der Veranstaltung bleiben, um sich mit großem Engagement in die Debatte einzubringen, zeigt das den Stellenwert für die Industrie. Flankiert wird Eble von anderen Vertretern der deutsch-rumänischen Wirtschaft, die nicht mit eindringlichen Appellen in Richtung des anwesenden Bildungsministers sparen. Die meisten von ihnen haben genug Erfahrung in Rumänien, um zu wissen, dass ein Versprechen eines Ministers noch nicht viel bedeutet. Sie haben erlebt, wie man in den letzten Jahren kaum vom Fleck gekommen ist und wie die Regierung ständig an den Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung herumpfuscht. Von anfangs staatlicher Kontrolle zu privater Verantwortung und seit 2011 doch wieder zum dualen System, bei dem die Auszubildenden die Praxis in den Unternehmen und die Theorie in den Berufsschulen lernen sollen.

Berufe und keine Diplome

Man müsse die  Überschätzung der höherwertigen Bildungsabschlüsse  abstellen, pocht der deutsche Botschafter Andreas von Mettenheim. In den Köpfen vieler Menschen hat eine Universitätsausbildung ein besseres Image als das Erlernen eines Berufes, auch wenn viele Absolventen trotz mehrerer Diplome keine Arbeit finden. Der Botschafter fordert einen Bewusstseinswandel und erhält Unterstützung von Maria Grapini, der delegierten Ministerin für KMU: „Viele Jugendliche hätten ein Diplom, aber nur wenige einen echten Beruf“, sagt sie. Was die Unternehmen brauchen, bringt Brigitte Eble auf den Punkt: Es mangle an Elektrikern, Mechatronikern, Schlossern, an Leuten die moderne Maschinen bedienen können und wissen, wie eine Fabrik funktioniert.

Der Regierung die Bedürfnisse der Industrie klar zu machen, damit die mit den richtigen Rahmenbedingungen reagieren kann, ist Zweck der Veranstaltung. Eine duale Ausbildung funktioniert nur, wenn die Unternehmen mit den Schulen und den zuständigen staatlichen Stellen zusammenarbeiten. Doch die angereisten Experten warnen vor regionalen Alleingängen. Die Vorreiter Kronstadt/Braşov und Temeswar/Timişoara seien der Beginn, doch müsse das System auf das ganze Land mit einheitlichen und anerkannten Abschlüssen ausgedehnt werden. Ein „Flickenteppich“ aus hier und da einer Berufsschule nach deutschem Vorbild und dazwischen das rumänische System mit wieder anderen Standards, bringe nichts, erklären die Experten.
Doch scheint sich was zu bewegen, denn der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wird nur von der Ungeduld der Unternehmen übertroffen. Und die sind bereit ihren Beitrag zu leisten. Beim anwesenden Bildungsminister Remus Pricopie und Ministerin Grapini, die selbst jahrelang ein Unternehmen leitete, stehen die Türen für Vorschläge offen, versprechen sie. Doch wenn sich der Minister am Anfang seines Vortrages rühmt, seit 20 Jahren im Bildungsministerium tätig zu sein und über die Probleme Bescheid zu wissen, nur um sich am Ende mit der Bitte zu verabschieden, ihm noch etwas Zeit zur Umsetzung der Rahmenbedingungen zu geben, kann man die Schwierigkeiten bei den bevorstehenden Verhandlungen erahnen.

Kommentare zu diesem Artikel

sraffa, 20.02 2013, 00:11
Es interessiert warum der Rumänische Staat nicht auf die Duale Ausbildung setzt und hier endlich mal umfangreich zusammen mit den Unternehmen investiert ? Welcher Art sind die Behinderungen ?
Norbert, 19.02 2013, 20:41
Das Angagement das hier in die Ausbildung gelegt wird,schätze ich mal so ein. Ein erster Schritt .Ob der nach vorne oder nach hinten geht das kann ich als Bundesdeutscher nicht beurteilen. Was ich beurteilen kann ist. Das ob mit oder ohne Schengenabkommen die Rumänen in Deutschland immer mehr werden. Ich selbst habe in Hermannstadt die letzen zwei Monate mit mehr als ein Dutzend jungen Leuten gesprochen die nach Deutschland mit oder ohne Schengenabkommen gehen.
Die Dunkelziffer ist dort riesig. Man schätzt das im Jahr 2012 ca 150 Tausend Menschen nach Deutschland gekommen sind. Die die Ich kenne diese mehr als 10 sind alle hochgebildet. Das Rad ist in den nächsten 10 Jahren nicht aufzuhalten. Ich schätze nur nach Deutschland in dieser Zeit mit weit über 1Million Menschen mit oder ohne Schengenabkommen.
Klaus, 18.02 2013, 17:56
Na endlich tut sich was.Oder? Tausende junger menschen sitzen zu hause weil sie das "abitur" nicht geschafft haben.Dabei ist das nichts als ein wertloses stück papier was nichts darstellt.Nur, die zu hause sitzen sind zumeist menschen die ihre fähigkeiten im handwerk haben.-hoffentlich braucht das ministerium nicht 20 jahre um etwas zu erstellen.-Die technik muß schnell erlernt werden damit Rumänien den rückstand wieder aufholen kann.--Nur dann haben bürger und staat eine reelle chance zum überleben der wirtschaft.

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