Zwei Bücher im Rampenlicht

Die Siebenbürger-Sachsen, die geblieben sind und die Orte, die sie mitgestaltet haben

Dienstag, 08. August 2017

Die Autorin Ruxandra Hurezean (3.v.re.) und viele, die an den Büchern mitgearbeitet haben, bildeten das Panel der doppelten Buchvorstellung.
Foto: Vlad Popa

Hermannstadt – Unter den mehr als 60 Programmpunkten des Sachsentreffens am Wochenende boten die Organisatoren auch für die Großveranstaltung und die zahlreichen, aus dem In- und Ausland angereisten Gäste, relevante Buchvorstellungen. Unter diesen wurden gleich sechs Titel zur Reformation in Siebenbürgen im Teutschhaus in der Fleischergasse/Mitropoliei vorgestellt aber auch solche zu weltlicheren aber naheliegenden Themen. Eine solche Buchvorstellung fand am Freitagnachmittag im Innenhof des Brukenthalpalais am Großen Ring/Piaţa Mare statt. Gastgeber der Veranstaltung war die Michael-Schmidt-Stiftung, welche die Herausgabe gleich zweier Bücher der rumänischen Journalistin und Buchautorin Ruxandra Hurezean, „Zwischen zwei Welten, Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben erzählen“ und „Deutsch-Kreuz. Geschichte, Erzählungen und Leben eines siebenbürgisch-sächsischen Dorfes“, finanzierte.

Das Podium der von Benjamin Jozsa, Verlagsleiter des Honterus-Verlags, moderierten Veranstaltung bildeten die Autorin Ruxandra Hurezean, die Übersetzerinnen Catrinel Pleşu und Beatrice Ungar, der Unternehmer Michael Schmidt, Sofia Folberth aus Deutsch-Kreuz, Protagonistin der Deutsch-Kreuz-Monografie, der vormalige Kulturminister und Minister des Auswärtigen, Schriftsteller und Gründer des Magazins „Dilema Veche“, Andrei Pleşu, sowie der Museumsdirektor Dr. Sabin Luca. Etliche Buchliebhaber folgten der Einladung, darunter die Bürgermeisterin Astrid Fodor, der rumänische Botschafter in Berlin, Emil Hurezeanu, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Dr. Paul-Jürgen Porr, jener des Siebenbürgenforums (DFDS), Martin Bottesch, sowie der Vorsitzende des Vereins der Heimatortsgemeinschaften in Deutschland, Hans Gärtner.

„Die Welt, über die diese Bücher erzählen, ist eine kleine und einfache Welt, die für diejenigen, die sie miterlebt haben, alles ist oder war. Diese Bücher lassen dich nicht mehr los. Im ersten Buch werden die Schicksale von Menschen wie du und ich erzählt, die ausgewandert oder geblieben sind, die ihre Heimat gesucht oder ihre Träume verfolgt haben, aber immer einem treu geblieben sind: der siebenbürgisch-sächsischen beziehungsweise der banater-schwäbischen Welt in der sie gelebt haben. Wir stellen fest, dass Heimat nicht nur ein Wort ist sondern ein Ort, der immer in einem bleibt, selbst wenn man eine neue Heimat gefunden hat“, so Benjamin Jozsa. Im zweiten Buch geht es um das Dorf Deutsch-Kreuz, in dem Sofie Folberth (Fiechen-Tante) über Krieg, Deportation und das alltägliche Leben im Dorf mit seinen Gesetzen und Bräuchen erzählt.

Ruxandra Hurezean schilderte ihre Motivation diese Bücher zu schreiben, als die Suche nach den trotz der Auswanderungswelle in Siebenbürgen verbliebenen Sachsen, sowie ihre Neugier zu erfahren, was sie bewegte, zu bleiben. Ich habe Johann  Schaas gefunden, der in Reichesdorf weiterhin seine Kartoffeln und Äpfel erntete und eines Tages alleine im Dorf blieb. Er hatte die Kraft, sich mit denjenigen, die in die leeren Häuser einzogen, anzufreunden, ihnen beizubringen, das Land zu bebauen und ihre Tiere zu pflegen. Sein Tor war immer offen und er war respektiert“, so Ruxandra Hurezean. Sie sprach über ihre Begegnungen mit den Gebliebenen aber auch mit den Rückwanderern, mit Unternehmern wie Hans Prömm oder Michael Schmidt und die innere Kraft, die sie ausstrahlen. „Wir müssten die Siebenbürger Sachsen verstehen, um uns selber verstehen zu können und soweit wie möglich ihr Modell übernehmen. Ein bewegtes Leben macht einen stark und die Kraft der Sachsen ist für Siebenbürgen wichtig,“ so die Autorin.
Im Mittelpunkt der Deutsch-Kreuz-Monografie steht, Ruxandra Hurezean zufolge, die nun 95-jährige Sofia Folberth, die im Verlauf vieler Jahre Dokumente über die Geschichte ihres Dorfes gesammelt hat. „Was Frau Sofia über Deutsch-Kreuz erzählt, gilt für viele Dörfer und es basiert auf Dokumenten, die sie gefunden hat und ihrer Lebenserfahrung. Diese Geschichte ist ihre Geschichte, nichts ist ihr fremd und weil sie ohne es zu wollen, zur Stimme der Sachsen geworden ist, muss ihr gedankt werden“, so die Autorin.

Weiter erzählte Sofia Folberth über das erste Auto, das durch das Dorf gefahren ist, die erste Schulordnung, die weitläufig in Siebenbürgen übernommen wurde, die alten Häuser in Deutsch-Kreuz und vieles mehr.
Die Übersetzerinnen Catrinel Pleşu und Beatrice Ungar sprachen über die Arbeit an den beiden Büchern mit der Autorin. Andrei Pleşu sprach über die Menschen mit zwei Heimaten, jener ihrer Ethnie und jener ihres Geburtsortes aber auch über die Leute, die das aktuelle Rumänienbild im Laufe der Jahrhunderte mitgestaltet haben. Die Veranstaltung rundete der Cellist Makcim Fernandez-Samodaiev mit musikalischen Einlagen ab.

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