Zwei Forschungsbücher, die in die Geschichte eingehen

Deren Autoren stellten diese in vier Städten einer äußerst interessierten Zuhörerschaft vor

Donnerstag, 17. März 2016

Die Vorstellung der Bücher nahmen Dr. Dr. Gerald Volkmer, Thomas Şindilariu und Bernhard Heigl (von rechts nach links) vor.

Die beiden Forschungsbände können in Bibliotheken und den beiden Archiven eingesehen werden.

Beide Forschungsbände wurden auch in der Kronstädter Direktion der Nationalarchive von den Autoren in Anwesenheit des Direktors dieser Institution, Bogdan Popovici (zweiter von rechts) vorgestellt.
Fotos: Dieter Drotleff

Nur selten  kann man sich eines solchen wissenschaftlichen Ereignisses erfreuen, bei dem die Autoren von  zwei inhaltsreichen Büchern ihre darin erzielten Forschungsergebnisse im Bereich der Geschichte vorstellen. Dr. Dr. Gerald Volkmer, Stellvertretender Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) an der Universität Oldenburg stellte seinen Band „Siebenbürgen zwischen Habsburgermonarchie und Osmanischem Reich“ im Rahmen der Deutschen Vortragsreihe des Kronstädter Ortsforums  am Dienstag, dem 7. März, vor einem zahlreich erschienenen und interessierten  Publikum vor. Bei gleichem Anlass wurde auch der „Archivführer zur Geschichte der Deutschen in Kronstadt und dem Burzenland“ von Bernhard Heigl, Petra Rezac und Thomas Şindilariu vorgestellt, der unter der Projektkoordination von Prof. Dr. Konrad Gündisch und Dr. Dr. Gerald Volkmer erschienen ist. Dieser Wegweiser durch die Bestände des Staatsarchivs Kronstadt und des Archivs der Honterusgemeinde unter besonderer Berücksichtigung der Handschriften wurde dem Kronstädter Archivar und Historiker Gernot Nussbächer zum seinem 75. Geburtstag, den er vor zwei Jahren begangen hat, gewidmet.

Mehrere Gemeinsamkeiten kennzeichnen diese besonderen Buchausgaben,die besonderes Interesse fanden bei den Vorstellungen in Hermannstadt, Klausenburg, Kronstadt und Bukarest, bei denen die Autoren auf die zahlreichen Fragen der Zuhörer aufschlussreiche Antworten gaben. Beide Arbeiten sind das Ergebnis jahrelanger Forschungstätigkeit, wurden in der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa als Band 56 bzw. 58 herausgebracht, beide sind sehr umfangreich und zählen  648 bzw. 714 Seiten, beide erschienen auch unter besten drucktechnischen Voraussetzungen  im Verlag De Gruyter Oldenbourg, München in den aufeinander folgenden Jahren 2015 bzw. 2016. Die Autoren Gerald Volkmer und Thomas Şindilariu stammen übrigens beide aus Kronstadt, und drückten zum Teil auch gemeinsam die Schulbank. Wie Thomas Şindilariu in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kronstädter Deutschen Ortsforums in seinem Grußwort zur Buchvorstellung betonte, dachten sie beide damals sicher nicht daran, eine solch enge Zusammenarbeit als Geschichtsforscher in Zukunft zu haben und gemeinsam eigene Buchvorstellungen bei gleichem Anlass vorzunehmen.

Dr. Dr. Gerald Volkmer hat nun praktisch seine 2012 in Frankfurt am Main verteidigte Dissertation „Die völkerrechtliche Stellung und Völkerrechtspraxis des Fürstentums Siebenbürgen 1541 - 1699“ unter dem etwas  verändertem Titel herausgebracht. Er analysiert dabei die Konfrontationen zwischen den europäischen Mächten und dem osmanischen Reich nach der Schlacht von Mohacs 1526. Wie der Autor betonte, geht das Thema noch auf seine Schuljahre zurück und hat dieses aus seiner „gedanklichen Schublade“ hervorgeholt, und dann 2011 abgeschlossen. Der im Vorjahr erschienene  Band ist in zehn Kapitel gegliedert , umfasst einen reichen Anhang von Karten, Regententafel, eine Auflistung der abgeschlossenen habsburgisch-osmanischen Friedensverträge und der Bestimmungen, die daraus sich auf Siebenbürgen bezogen,  Personen- und Ortsregister, ein Quellen und Literaturverzeichnis. „Die Schaukelpolitik der siebenbürgischen Fürsten zwischen den beiden  benachbarten Imperien endete mit dem Sieg des Kaisers im ‘Großen Türkenkrieg’ und der völkerrechtlichen Eingliederung Siebenbürgens in den habsburgischen Länderkomplex 1699“ unterstrich der Autor.     
  
An dem „Archivführer zur Geschichte der Deutschen in Kronstadt und dem Burzenland. Wegweiser durch die Bestände des Staatsarchivs Kronstadt und der Archivs der Honterusgemeinde unter besonderer Berücksichtigung der Handschriften“ wurde die Arbeit vor fünf Jahren begonnen. Die drei Autoren haben damit eine bleibende Übersicht der Bestände dieser Archive für die Forscher und Öffentlichkeit geschaffen. „Zum Erscheinen des Archivführers für Kronstadt und das Burzenland beglückwünsche ich die drei Bearbeiter herzlich und danke ihnen für ihre schöne Arbeit: Petra Rezac für den schweren Anfang, Bernhard Heigl  für die disziplinierte  und beharrliche Nacharbeit, und Thomas Şindilariu  für die Vision und die Koordination  ihrer Durchführung. Sie haben damit eine Pionierarbeit geleistet, die als Vorbild für weitere ähnliche Vorhaben dienen kann. Besonders danke ich auch dafür, dass die Bearbeiter diesen Band mir zu meinem 75. Geburtstag gewidmet haben, und dass ich auch die Buchvorstellung  miterleben durfte. Ich bedaure nur, dass ich nicht mehr zu diesem Vorhaben beitragen konnte. Der Archivführer ist mit ein Beitrag zur weiteren Bekanntmachung unseres wertvollen Archivgutes aus sieben Jahrhunderten in Europa“ betont der Historiker Gernot Nussbächer.  

 Die bisher erschienenen Archivführer in der Schriftenreihe des BKGE erfassen Quellen zur Geschichte der Deutschen in Schlesien, Westpreußen, Pommern, Ostbrandenburg und dem Memelgebiet, Ungarn. Der nun vorgestellte Band ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Kreisdirektion der Nationalarchive in Rumänien und dem Archiv der Honterusgemeinde. Daher fand die Vorstellungsreihe  auch  bei den Nationalarchiv in Bukarest und dem Kronstädter Direktion der Nationalarchive statt. Durch diesen Band  wird der außergewöhnlich reiche Bestand  an Archivalien  zur Politik-, Rechts-, Wirtschafts-, Sozial-, Kirchen- und Kulturgeschichte erschlossen und zugänglich gemacht. Der Band ist in vier Teile strukturiert. Nach dem  von Dr. Gerald Volkmer gezeichneten Vorwort folgt eine ausführliche Einleitung von Thomas [indilariu, in der er sich auf den Aufbau des Archivführers bezieht und Hinweise zu dessen Nutzung bietet.  Der erste Teil ist dem Staatsarchiv Kronstadt gewidmet und bezieht sich auf die Akten, Rechnungen, Steuern, Urkunden-, Foto-, Karten-, Plansammlungen u.a. Dann werden die Archivbestände  in den verschiedenen Bereichen   wie Sanitätswesen, Vereine, Organisationen, Institutionen, Schulen, Banken, aus den Burzenländer Ortschaften, Rechtswesen, aber auch die der Kommunistischen Partei und Massenorganisationen angeführt.

Der zweite Teil ist dem Standesamtsregister und kirchlichen Matrikeln gewidmet. Teil 3 bietet die Übersicht zum Archiv und Bibliothek der Honterusgemeinde in Kronstadt, auf die kirchlichen Verwaltungsbestände : Burzenländer Kapitel, Burzenländer Domestical-Consistorium (1766 – 1858), Kronstädter Bezirkskonsistorium (1855 – 1958), Archiv der Honterusgemeinde (ca.1680 – 1963), kirchennahe Vereine und Institutionen und die Burzenländer Kirchenarchive.  Der Teil 4 umfasst die Handschriftensammlungen der beiden Archive. Ergänzt wird der Band mit einem Personenregister, Ortsregister und Konkordanz, einem Sachindex zu kirchlichen Angelegenheiten, einem weiteren zu administrativen und politischen Angelegenheiten, einem zu ökonomischen Angelegenheiten, einem zu Stiftungen und Vereinen, und schließlich einem allgemeinen Sachindex. „In Kronstadt haben wir es auch mit einem ausgeprägten historischem Bewusstsein zu tun“ betonte Thomas Şindilariu, was diesen Archivführer noch nützlicher machen wird.  Er stellt ein ganz besonderes Hilfsmittel  zur Erforschung des politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens  der Deutschen in diesem Teil Siebenbürgens dar. 

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