Zwei Jahre Schweizer Duschkabinen aus Temeswar

Marktstrategie: Über Rumänien in weitere Balkanländer

Mittwoch, 13. Februar 2013

Mit einem breiten Angebot an Modellen und Sondermaßen und keinen „überteuerten Preisen“ hofft Angelica Krachler in den kommenden Jahren auf höhere Marktanteile. Foto: Zoltán Pázmány

30.000 Duschkabinen hat das Schweizer Unternehmen SanSwiss im vergangenen Jahr in seiner Niederlassung im westrumänischen Temeswar zusammengebaut und an die Kundschaft geliefert. Produkte, hinter denen nicht nur Wissen, Design und Montage sondern auch eine soziale Komponente steht: Die Holzpaletten zum Transport kommen nämlich von der Caritas Temeswar. Damit setzt das Geschäftsführende Aufsichtsratsmitglied Peter Bayard nicht nur seine wirtschaftlichen Unterfangen in Rumänien fort, sondern hält auch an seiner sozialen Einstellung fest. Jugendliche in sozialen Notlagen, die vom Caritas-Verein betreut werden, verrichten eine sinnvolle und auch gewinnbringende Arbeit. Im Betrieb am Standrand von Temeswar werden Duschkabinen meist für das gehobene Segment zusammengebaut. Seit drei Jahren ist SanSwiss auf dem rumänischen Markt, seit etwas mehr als zwei Jahren läuft die Produktionsstätte und innerhalb des letzten Jahres hat sich die Zahl der Mitarbeiter in der Montagehalle verdoppelt – die Produktion ebenfalls.

Hotelbranche ist Hauptkunde

Der Mitarbeiter eines Hotels kommt gerade die neuen Duschkabinen abholen. Er bestätigt damit eigentlich, was die Betriebsleiterin Angelica Krachler nur wenige Minuten zuvor gesagt hatte: „Unsere Großkunden kommen meist aus dem Hotelwesen“. Noch geht die SanSwiss-Produktion aus Temeswar zu etwa 90 Prozent nach Westeuropa, doch das soll sich mit der Verkaufsstrategie von Angelica Krachler bald ändern. 35 Vertriebspartner hat SanSwiss mittlerweile über gesamt Rumänien verteilt. Das Preis-Leistungsverhältnis sieht die Betriebschefin als schlagendes Argument für immer mehr Absatzplus auf dem Binnenmarkt.

Vor drei Jahren kam SanSwiss mit ihrer Vertriebssparte auf den rumänischen Markt, ein Jahr später begann auch die Montage der einzelnen Teile der Duschkabinen. Mittlerweile denkt man in der Produktionsabteilung an Expansion. Dazu hat das Unternehmen bereits ein Grundstück bei Kowatschi/Covaci, etwa zehn Kilometer von Temeswar entfernt, gekauft. Die Lage in der Nähe der Autobahn gehört mit zur Logistik-Strategie des Unternehmens, denn Just-in-Time-Lieferung heißt auch Verkehrsanbindung an die Produktion. „Wir sind hier, um mittel-, und sogar langfristig zu bleiben“, sagt Peter Bayard. Strategisch wurde Rumänien und nicht zuletzt Temeswar als Standort gewählt, denn in Temeswar montierte Duschkabinen sollen nicht nur den rumänischen Markt beliefern, sondern auch die Expansion in andere Balkanländer sichern. Über Show-Rooms werden Schulungen und Präsentationen vorgenommen und Bestellungen aufgenommen. Der beste interne Markt ist Bukarest – die Millionenstadt bietet reichlich Potenzial.

Betriebsfeier mit Lagebesprechung

Drei Jahre nach dem Einstieg in den rumänischen Markt feierte die Rumänienniederlassung im siebenbürgischen Mediasch/Mediaş ihr Jubiläum. „Wir wollen zusammen mit Euch die Produkte promovieren“, sagte die Betriebsleiterin Angelica Krachler. „Ich sehe Euch nicht nur als Verkäufer, sondern als Multiplikatoren“, setzte sie fort. Ihre Vertriebspartner können, müssen aber nicht aus der Branche kommen. Eine der Partnerinnen aus Bukarest vertreibt seit Jahren sanitäre Anlagen und Produkte in Richtung Luxussegment. „Deshalb passen die Duschkabinen von SanSwiss auch zu meiner Zielgruppe“, sagt sie. Eugen Trifa hingegen beschäftigt sich seit Jahren mit der industriellen Verzierung und mit dem Vertrieb von Türen aus Holz – die Fertigungsabteilung liegt in Remetea Mare, nur wenige Kilometer von Temeswar entfernt. Duschkabinen gehören zwar nicht in sein bisheriges Ressort, doch die Nachfrage war schon immer da und „die Produkte von SanSwiss passen eben zu dem gehobenem Segment unserer Türen“, begründet er.

Die SanSwiss AG ist ein Tochterunternehmen der Ronal Holding AG mit Sitz im schweizerischen Härkingen. Seit mehr als vier Jahrzehnten stellt das Unternehmen Felgen für die Automobilindustrie her, und ist seit mehr als drei Jahrzehnten auf dem europäischen Markt auch mit Sanitäranlagen präsent: Unter der Bezeichnung Ronal. Im Jahr 2009 beschloss der Mutterkonzern alle Sanitär-Bereiche unter dem Namen SanSwiss zu vereinen. Neu im Angebot sind bei SanSwiss die sogenannten Sondermaße. Bestellungen dafür kommen ebenfalls von Hotelketten, wobei auch jede Duschkabine andere Ausmaße haben kann. 13 Serien zu 200 Modellen – daraus besteht das Angebot von SanSwiss Romania.

Marktlücke Südosteuropa

Die Arbeit sei mittlerweile komplexer geworden und Ingenieure sowie Mitarbeiter mit technischem Verständnis, die technische Zeichnungen lesen können, haben durchaus ihren Vorteil bei der Einstellung, sagt der deutsche Produktionsleiter bei SanSwiss, Jan Narjes, auch wenn an vielen Stellen im Betrieb „Fleiß, Lernbereitschaft, und Integrationsvermögen“ (Bayard) wichtig sind. Bestimmt war die Investition in eine Produktionseinrichtung in Rumänien auch mit dem Kostenfaktor billiger Arbeitskräfte verbunden. „Unsere Produktivität ist jedoch vergleichsweise gehoben“, sieht Angelica Krachler nicht nur den Standortfaktor „Billiglohnland“. Gedacht haben die Schweizer Investoren wohl dabei vor allem an den großen südosteuropäischen Markt, der aus dem westrumänischen Temeswar beliefert werden kann. Auch wenn dies heute noch nicht der Fall ist, „wir denken langfristig“, sagt Krachler, die den Betrieb leitet, in dem im November 2010 die ersten Duschkabinen zusammengebaut wurden. Über den derzeitigen Standort sagt Geschäftsführer Bayard: „Rumänien hat im Moment optimale Rahmenbedingungen für solche Investitionen: Ausbildung des Personals, die Sprachbegabung der Mitarbeiter und ein breites Angebot an Zulieferern vom rumänischen Markt“, so der Schweizer, der seit nahezu zwei Jahrzehnten in Rumänien wirtschaftlich tätig ist. Durch die Zulieferer und das Logistikkonzept vor Ort werden in Rumänien und besonders im Raum Temeswar neue Arbeitsplätze und Mehrwert geschaffen. „Wir glauben an diesen Standort“, sagt Bayard und erklärt so, warum die Entscheidung des Konzerns auf Rumänien und auf den Raum Temeswar gefallen ist.

Marktstrategien spricht Angelica Krachler vor ihren Partnern im Vertriebsgeschäft an. Wahrscheinlich wollte sie beim Treffen in Mediasch – genauso wie der Geschäftsführer Peter Bayard – ihre Partner aus dem gesamten Land näher kennen lernen, als sie die Drei-Jahres-Betriebsfeier zusammen mit den Leitern ihrer Verkaufsstellen abhielt. „Betriebsfeier“ hieß unter diesen Umständen Ist- und Soll-Zustand auf dem Markt zu präsentieren und zu besprechen. Einen Markennamen will SanSwiss Romania werden. Dabei war, zumindest auf den ersten Blick, nicht zu erkennen, dass die Firmenchefin etwa mit den bisherigen Leistungen in Produktion und Vertrieb unzufrieden sei. Und trotzdem: „Innovation, promptes Liefern und Seriosität sollen für 2013/2014 verbessert werden“, hebt sie Standard und Erwartungen an. Und damit die Süd-Ost-Europa-Expansion letztendlich auch klappt, ist bereits in Temeswar eine serbisch sprechende Mitarbeiterin in einem Büro ganz nahe am Direktorenzimmer untergebracht.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*