Zwei Wappentürme als Wahrzeichen

Vöcklabruck – attraktiv, gemütlich, einzigartig

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Der Untere Stadtturm

Auf einer kleinen Insel am Traunsee liegt Schloss Orth.

Siebenbürgisch-sächsische Volkstrachten können auch in Vöcklabruck bewundert werden.

Erwin Horst Schuller in der von ihm betreuten, den Siebenbürger Sachsen gewidmeten Museumsabteilung.
Fotos: der Verfasser

Eine Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückgeht, die Nähe zum Salzkammergut und zu einigen der schönsten Seen Österreichs, sowie Einwohner, die Kultur lieben und schätzen, verleihen Vöcklabruck Attraktivität und Gemütlichkeit und dem Stadtbesucher genügend Gründe, um in der 12.000 Einwohner zählenden Kleinstadt zu verweilen und auch Tagesausflüge in die malerische Umgebung zu unternehmen. Für Siebenbürger Sachsen kommt eine direkte Beziehung hinzu – ihre Ende des zweiten Weltkriegs dort angesiedelten, hauptsächlich aus dem Nösnerland stammenden Landsleute mit ihrem Kulturleben und einem kleinen, aber feinen Heimatmuseum.

Das „stadtliche“ Vergnügen

Das vom lokalen Tourismusverband stammende Wortspiel hat durchaus seine Berechtigung: Vöcklabruck bietet die Übersicht, die Gelassenheit und Ruhe einer Kleinstadt ohne die Hektik, den Lärm und den Menschenauflauf, die eine Großstadt unweigerlich mit sich bringt. Die Anreise per Pkw oder Zug ist einfach, denn von Linz oder Salzburg sind es nur etwa 60 Kilometer.

Der Obere und der Untere Stadtturm begrenzen das historische Stadtzentrum – den Stadtplatz mit seinen aus dem Spätmittelalter stammenden Häuserzeilen mit gut erhaltenen und entsprechend gepflegten barocken Fassaden. Zahlreiche Läden, Märkte und Lokale füllen die Stadt mit Leben. Die beiden Türme sind der Blickfang und entpuppen sich auch als wertvolle kunst- und kulturhistorische Denkmäler. Es sind nämlich die einzigen noch erhaltenen Wappentürme des Habsburger Kaisers Maximilian I. Der Untere Stadtturm weist einen schwarzen, zweiköpfigen Kaiseradler auf, sowie die Wappen österreichischer Erbländer und von Burgund und ein Bildnis des Kaisers. Am Oberen Stadtturm sieht man zwei in die Stadt reitende Ritter, ein von zwei Löwen gehaltenes, gekröntes Reichswappen sowie die Wappen der österreichischen Länder.

Sehenswert ist die auf einem Hügel gelegene katholische Kirche „Maria Schöndorf“ mit ihrer circa 1430 datierten „Schönen Madonna“ eines unbekannt gebliebenen Meisters oder die Stadtpfarrkirche zum Heiligen Ulrich mit barocken Altären und Kanzel aus rötlichem Marmor (18. Jahrhundert). Ursprünglich als Hospiz genutzt (das erste Spital Oberösterreichs und das drittälteste von einer Bruderschaft geführte Hospiz) wurde die Dörfl- oder Ägidiuskirche. Ein Rundweg durchs Stadtzentrum führt uns auf den Spuren von Anton Bruckner, der gerne und oft in Vöcklabruck verweilte.

Shopping, das lebhafte Treiben auf den Märkten und Gastronomie sind nur ein Teil des vielfältiges Freizeitangebotes. Wer es sportlicher liebt, findet in dieser Kleinstadt im Delta-Sportpark die größte Kletteranlage dieses österreichischen Bundeslandes oder viele andere Sport- und Entspannungsmöglichkeiten von Tennis bis Dampfbad.

Von Vöcklabruck ist es gar nicht weit  (17 km) bis zum Traunsee am Fuße des Traunsteins. Dort kann man das Schloss Orth besichtigen, entlang der Uferpromenade von Gmunden spazieren oder am Horizont Ausschau nach der „Schlafenden Griechin“ (Erlakogel, 1575 m) halten. Bei Gmunden kann man am Grünberg im Sommer gut wandern und im Winter Ski fahren. In Vöcklabrucks Nähe liegt auch der Attersee  – „der Badesee mit Trinkwasserqualität“, der leicht auch mit dem Fahrrad auf den gut ausgeschilderten Radwegen zu erreichen ist. Der See ist 21 Kilometer lang und drei Kilometer breit und gilt als einer der schönsten Österreichs. Das wusste bereits auch Gustav Klimt, der hier  mit Emilie Flöge schöne und inspirierende Aufenthalte verbrachte. Ein neues „Gustav Klimt“-Zentrum, Themenwege und Führungen geben dem Naturerlebnis einen künstlerischen Zusatz.

Museum der Heimatvertriebenen

Im Vöcklabrucker Huebmerhaus in der Salzburger Straße 8 befindet sich das Museum der Heimatvertriebenen. Es beherbergt Sammlungen über Geschichte und Volkskunst von vier deutschen Volksgruppen in ihrer alten Heimat, eine Heimat, aus der sie infolge der Kriegswirren vor nun bald siebzig Jahren flüchten mussten. Es handelt sich um die Sudetendeutschen, die Donauschwaben, die Siebenbürger Sachsen und die Beskidendeutschen. Seit Jahrzehnten sind sie gut eingegliedert in die österreichische Gesellschaft, ohne aber ihre Herkunft vergessen zu haben.

Rund 4000 Siebenbürger Sachsen leben heute im Bezirk Vöcklabruck. Einer von ihnen, Horst Erwin Schuller, betreut ehrenamtlich den siebenbürgisch-sächsischen Teil dieses Museums. Dort finden auch regelmäßig Veranstaltungen statt : Sonderausstellungen, Lesungen, Vorträge, musikalische Darbietungen. Siebenbürgisch-sächsiche Tradition wird in Oberösterreich bewahrt und fortgeführt, erfährt man aus den „Siebenbürgischen Museumsblättern“, ein Museumsbegleiter, der von Horst Schuller redigiert wird. So werden seit 1983 in Zell an der Pram im Landesbildungszentrum Kurse für siebenbürgische Keramikmalerei abgehalten. „Viele Siebenbürger Sachsen behüten heute noch altes Kulturgut in ihren Heimen in Österreich: Trachtenbekleidung, Leinenstickereien, Pelzmäntel und Keramikgegenstände. Frauen, die das Handwerk beherrschen, fertigen wertvolle Stickereien und Trachtenpuppen an. Ein Teil dieses Kulturgutes kam in die siebenbürgischen Räume des Museums in Vöcklabruck.

Hier wird es aufbewahrt, in Ausstellungen präsentiert und in Erinnerung gerufen“. Die zwei den Sachsen aus Siebenbürgen gewidmeten Räume vermitteln den Besuchern einen Einblick in die sächsische ländliche Wohnkultur: die „Gute Stube“ mit dem „Hohen Bett“ - das zu Repräsentationszwecken dienende Prunkstück des Raumes mit gestickter Decke und mehreren bestickten Pölstern vor der mit einer Leinenstickerei verzierten Wand. Der Besucher entdeckt auch den als „Luther-Ofen“ bekannten Kachelofen mit Dekorkeramik. Die Trachtenpuppen zeigen (mit einer Ausnahme – ein Junge in Tracht) Frauentrachten. An den Wänden sind vor allem die Intarsienarbeiten mit Siebenbürgen-Motiven des aus Wolkendorf stammenden, in Kronstadt ausgebildeten und dann in Vöcklabruck wirkenden Kunsttischlers Richard Gober zu bewundern.

Hinzu kommen Einrichtungsgegenstände, Arbeitsgeräte, Leinenstickerei, Pelzbekleidung sowie eine reiche Bibliothek mit Büchern über Volks- und Landeskunde, mit der Sigerus-Sammelmappe für Leinenstickereimotive sowie Romane siebenbürgischer Autoren. Das Museum ist von April bis Oktober mittwochs zwischen 9.30 und 11.30 Uhr geöffnet. Im Winter kann es einmal monatlich an einem Samstag zwischen 14 und 18 Uhr besichtigt werden. Bei Voranmeldungen sind Besuche und Führungen für Gruppen ab fünf Personen außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

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