Zweiter Dorfschreiber in Katzendorf

Berliner Autor Jürgen Israel sammelt ein Jahr lang Eindrücke in und von Siebenbürgen

Mittwoch, 22. Mai 2013

Jürgen Israel (mit Katze) will „wohlwollend die Menschen um mich herum betrachten“. Foto: Holger Wermke

Katzendorf - Der bundesdeutsche Autor Jürgen Israel ist zweiter Dorfschreiber von Katzendorf/Caţa. Die Verleihung der „Katze mit Feder“ fand am Sonntag im Garten des Katzendorfer Pfarrhauses statt. Rund um die Verleihung gab es bis Dienstag Musik, Theater und Lesungen.

Der bei Berlin lebende Israel ist Nachfolger des Leipziger Autors Elmar Schenkel, der im Oktober 2011 als erster Dorfschreiber das Recht und die Pflicht erhielt, ein Jahr lang in Siebenbürgen zu wohnen, sich umzusehen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und letztlich etwas über Siebenbürgen bzw. Rumänien zu schreiben.

Der diesjährige Preisträger ist Autor, Herausgeber und Journalist. Er veröffentlichte in der Vergangenheit rund 20 Bücher, darunter eigene Lyrikbände. Israel plant einen längeren Aufenthalt. „Ich möchte den ganzen Jahreszeitenrhythmus erleben.“ Der 69-Jährige sieht sich in einem Alter und in einer Lebensphase, „wo ich wohlwollend die Menschen um mich herum betrachten kann“. Er wolle achtungsvoll und behutsam mit den Menschen umgehen. Er ist bei seinem Aufenthalt übrigens nicht an Katzendorf gebunden. Ihm steht es frei, auch in den ehemaligen evangelischen Pfarrhäusern in Hetzeldorf/Aţel und Magarei/Pelişor zu wohnen.

Die rund 80 Gäste der dreitägigen Verleihungsfeier reisten laut Frieder Schuller, dem Initiator der Veranstaltung, aus London, Paris, Berlin oder Bukarest an. Unter ihnen befanden sich der Klausenburger Dichter Ion Mureşan, die Schauspielerin Ioana Crăciunescu, Büchnerpreisträger Arnold Stadler oder die Vizepräsidentin des Exil-P.E.N.-Zentrums für Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Exil deutschsprachiger Länder, Ilse Hehn.

Nach der Preisübergabe konnten sich die Gäste bei einem abwechslungsreichen Kulturprogramm unterhalten. Im Pfarrgarten gab es Dichterlesungen mit dem Dorfschreiber, Crăciunescu und anderen Autoren. Literaturwissenschaftlerin Michaela Nowotnick führte den Dorfschreiber in die literarische Welt Siebenbürgens ein. Am Sonntagabend spielten Schauspieler der deutschen Abteilung des Hermannstädter Radu-Stanca-Theaters Schullers Stück „Ossis Stein oder Der werfe das erste Buch“.

Verliehen wird der Katzendorfer Dorfschreiberpreis vom deutsch-rumänischen Verein „Felicia“ aus Katzendorf, der Kronstädter Filiale des Rumänischen Schriftstellerverbandes, dem Internationalen Exil-PEN-Club, vom Deutschen Forum Kronstadt/Braşov und der Kronstädter Zeitschrift „Satul“. Gefördert wurde die Veranstaltung von der Deutschen Botschaft in Bukarest. 

Kommentare zu diesem Artikel

Paul, 29.05 2013, 23:01
Literatur und Dichter in Siebenbürgen - ich war in den vergangenen Tagen bei zwei Veranstaltungen in diesem Zeichen: Im Dorf Katzendorf wurde der zweite Dorfschreiberpreis verliehen, ein Fest der Künste, Gedichte und Freundschaft. Danach in Hermannstadt am Germanistikkatheder eine Pest der Wüste, Gerichte und Feindschaft. Die verkrachten Professoren diskutierten Securitateakten, hätten sie doch lieber in der Katzendörfer Scheune Frieder Schullers Theaterstück "OssisStein" gesehen. Was soll´s...

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