Zwischen Gier und mangelnder diplomatischer Dankbarkeit

Karansebescher Diözese stellt Stadtrat Ultimatum in einer Kauffrage

Donnerstag, 06. Februar 2014

Obwohl sie mehrere Verhandlungsrunden bezüglich des Kaufs der Immobilie des städtischen Kulturhauses „Mihail Halici“ absolviert haben, sind die Vertreter der Karansebescher rumänisch-orthodoxen Diözese (als Verkäufer) und jene der Stadt (als am Kauf Interessierte) sich einander kaum nähergekommen. Das Feilschen zwischen den von der Diözese geforderten 101.250 Euro und dem städtischen Kaufangebot über 75.000 Euro geht weiter.
Auf der jüngsten Stadtratssitzung hat der Bericht über den Stand der Verhandlungen – die städtischerseits vom Vizebürgermeister und Extrembergsteiger Cornel Galescu geführt werden – neuerlich zu hohen Wellen der Aufregung und Redekunst geführt.

Zu klein für das Bistum

In ihren Tagungsmappen hatten die Stadträte die Beschlussvorlage, aber auch den Bericht des verhandlungsführenden Vizebürgermeisters, in dem es u. a. heißt: „Wir haben versucht, einen Mittelweg zu finden zwischen der Summe, welche die Diözese fordert (101.250 Euro), und dem von Experten, deren Expertise wir bezahlt haben, erstellten Schätzwert (75.000 Euro). Aber die Vertreter des Bistums waren nicht einverstanden. Sie haben uns gesagt, dass es ihr Unglück sei, dass das Bistum von Karansebesch seinen Sitz in einer so kleinen Stadt hat, wo die Immobilienpreise so niedrig sind. Gegen Ende der letzten Verhandlungsrunde hat uns Eparchievikar Constantin Timiş ultimativ aufgefordert, bis zur Tagung des Diözesanrats vom 8. Februar die Höchstsumme mitzuteilen, welche die Stadt anzubieten bereit ist, hat aber auch gesagt, dass die Eparchie nichts unter 90.000 Euro akzeptieren wird. Ein paar Stunden später ist Vizebürgermeister Cornel Galescu vom Eparchiesekretär Casian Ruşeţ angerufen worden“, heißt es weiter im Bericht, „der mitteilte, dass das Bistum bereit sei, die Immobilie für das arithmetische Mittel zwischen den zwei Schätzwerten – der Kirchenleitung und der Stadt – abzutreten.“ Das wären 88.125 Euro. Dieser Bericht wird von Galescu, dem Direktor des städtischen Kulturhauses und dem Leiter der Rechtsabteilung des Rathauses Karansebesch gezeichnet.

Stadt erwägt Alternativlösungen

Aus der Diskussion des Verhandlungsberichts ging schnell hervor, dass die Mehrheit der Stadträte sehr aufgebracht ist über die einmal mehr als „unverschämt“ eingestuften Preisvorstellungen der Vertreter der Diözese: „Man höre und staune: Die Stadt ist zu klein für die ehrbaren Kirchenhäupter“, sagte der Leiter der Gegnermehrheit, PSD-Stadtrat Valentin Dascălu, ein Agraringenieur. „Warum ziehen sie dann nicht in eine andere Stadt um, wenn für sie ihr Domizil in Karansebesch eine Chancenlosigkeit ist? Ich wäre dafür, auf das Gebäude zu verzichten, denn wir verfügen über Alternativlösungen, die uns kein zusätzliches Kaufgeld kosten, etwa die Räumlichkeiten der Gesundheitsbehörde Sanepid. Nachdem wir den Kirchenleuten so viele Begünstigungen aus den Mitteln des Rathauses haben zukommen lassen, nachdem wir so oft für sie eingesprungen sind, weil sie immer wieder in einem finanziellen Engpass stecken, sind es wieder mal die Kirchenleute, die voller Ansprüche stecken!“
Zu den Alternativen, die ins Gespräch gebracht wurden, gehört auch die Fortsetzung des Mietvertrags für das Gebäude, der in diesem Jahr abläuft. Die starke PSD-Fraktion, die jetzt mit der PNL-Fraktion von Bürgermeister Ion Marcel Vela im Stadtrat kooperiert, kam sogar mit der Idee des Neubaus eines Kulturhauses der Stadt. Im Lauf der Debatten wurde auch wiederholt darauf hingewiesen, dass der Stadtrat dieser für die Kirchenmänner zu kleinen Stadt bis zur Stunde dem Bistum Karansebesch schon über 2,6 Millionen Lei „einfach geschenkt“ hat, ebenso wie viele stadteigene Grundstücke, die der Kirche in diversen Formen überlassen wurden.

Stadt bleibt beim ursprünglichen Beschluss

Zuletzt schritt man zur geheimen Abstimmung über die letzte Preisforderung der Diözese. Die einfache Mehrheit von 50 Prozent plus eine Stimme, die zur Bewilligung des Kaufs nötig gewesen wäre, kam nicht zustande. Damit blieb das Angebot der Stadt vom vergangenen Herbst aufrecht: Sie bietet 75.000 Euro für das städtische Kulturhaus. Auf der Februartagung des Stadtrats Karansebesch soll das Thema noch einmal auf die Tagesordnung kommen.
An dieser Stelle sei daran erinnert, dass das rumänisch-orthodoxe Bistum Karansebesch die Immobilie wegen der notwendigen Tilgung diverser Schulden verkaufen will, die die Eparchie im Laufe der Jahre sowohl bei der nicht durchgeführten Abgabe der Lohnsteuer der Priester, als auch verschiedener anderer Abzüge aus dem Lohnfonds, doch auch für Bauarbeiten angehäuft hat, die die realen finanziellen Möglichkeiten des Diözese überschreiten.

Man war sich, ohne die Stadt über die Verkaufsabsicht zu informieren (die Stadt als Mieter der Immobilie überwies regelmäßig die Miete und hat auch laufend fällige Renovierungs- und Instandhaltungsarbeiten auf ihre Kosten durchgeführt), mit einer stadtbekannten Immobilienlöwin und Unternehmerin bereits verkaufseinig geworden, als die Stadt davon Wind bekam und Bürgermeister Ion Marcel Vela persönlich Bischof Lucian Mic auf das Erstkaufrecht der Stadt aufmerksam machen musste, das vom Bistum einfach ignoriert wurde. Diese Fakten hat das Bistum in einem ziemlich läppischen Kommuniqué nachträglich zu verneinen versucht, konnte damit aber niemand überzeugen, weil die Tatsachen eine ganz andere Sprache sprachen.

Von da an sind die Spannungen zwischen der Stadt und der Diözese eskaliert und die Fronten scheinen sich weiterhin zu verhärten, statt dass man sich auf dem Verhandlungsweg entgegenkommt. Bürgermeister Ion Marcel Vela, der über Jahre eine sehr enge Beziehung mit den Bischöfen von Karansebesch gepflegt hat und auch sonst sich in der Öffentlichkeit als sehr gläubig gibt, hält sich aus den kontroversen Diskussionen sichtlich heraus und überlässt dem PSD-Mann Valentin Dasc²lu die Wortführung – wahrscheinlich wohl wissend, dass mit offener Kirchengegnerschaft im ländlich geprägten Karansebesch wenig Wählerstimmen zu gewinnen sind.
Dass in diesem von der Öffentlichkeit ziemlich aufmerksam verfolgten Tauziehen zwischen Stadt und Kirche das Bistum über seine Vertreter nicht die glorreichste Rolle spielt, das ist seinen Vertretern zu verdanken, die viel Gier und wenig Diplomatie, geschweige denn Dankbarkeit gegenüber einer ihnen bisher sehr spendenfreudig entgegenkommenden Stadt zeigen. Das könnte – unabhängig wie die Kraftprobe ausgeht – später schmerzliche finanzielle Folgen für die Diözese haben.

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