Zwischen Unabhängigkeit und Wechselbeziehung

Konzert der österreichischen Indie-Band „Clara Luzia“ in Bukarest

Montag, 05. November 2012

Das Konzert der Indie-Band Clara Luzia zog ein großes Publikum in „The Ark“ an Foto: Aida Ivan

Clara Luzia, eine markante Figur aus der österreichischen Indie-Szene, ist Mitte Oktober im Rahmen des Projektes „Plug to nature“ im Bukarester Club „The Ark“ aufgetreten. Leaderin, Komponistin und Sängerin Clara Luzia (Gitarre) brachte Band-Mitglieder Ines Perschy (Schlagzeug) und PauT (Bass-Gitarre, Klarinette) für ihr erstes Konzert in Rumänien mit. Das Konzert, das vom Österreichischen Kulturforum unterstützt wurde, fand in der Uranus-Straße 150 statt.

In der Musik-Branche hat Clara Luzia Maria Humpel ungefähr 15 Jahre Erfahrung: 2005 hat sie ihre erste Band, Alalie Lilt, verlassen, damit sie solo arbeitet und unabhängig wird. Für eines ihrer Alben, „The long memory“ (2007), wurde ihrer Band bei den Amadeus Austrian Music Awards der Amadeus-Preis verliehen.

Ihre Band betrachtet sie als eine gut funktionierende Familie, die Gruppensitzungen gelten als Familienarbeit, erklärt Clara Luzia. „Sie ist unsere Mami“, ergänzt Ines. „Die Musik schreibt aber die Mama in weniger funktionierenden Situationen“, erwidert Clara. Sie behauptet, sie habe eine sehr direkte Art, Lieder zu schreiben. PauT macht einen Vergleich mit dem Teig einer Pizza: Clara Luzia bringt den Teig und die Mitglieder fügen die anderen Zutaten bei.

„Tatsache ist, alles kommt ganz natürlich“, unterstreicht die Bandleiterin. Zu den Leuten, mit denen sie spielt, sei sie durch die  Leidenschaft zur Musik und zueinander verbunden. Die Band erklärt, wie die Musik entsteht: Clara Luzia gibt die Richtung im Proberaum und dann arbeiten sie daran zusammen, bis sie auf einen gemeinsamen Nenner kommen – manchmal dauert es wochenlang.

Vernünftig Musik machen

In sechs Jahren hat die Band vier Alben herausgegeben. Jedes Jahr wurden zwischen 25 und 50 Konzerte gegeben. Musik ist ihre Hauptbeschäftigung, aber eine Nebenbeschäftigung muss es trotzdem geben – beispielsweise eine Tätigkeit, durch die sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Nur Musik möchten sie nicht machen – es sei nicht mehr reizvoll, wenn man Musik macht, weil man Geld braucht. Liegt es wohl an der Angst vor Qualitätsverlust? Alle drei haben eine feste Arbeitsstelle: Clara Luzia arbeitet drei Tage pro Woche und PauT unterrichtet an einer Musikschule. Ines erzählt amüsiert, dass sie in zwölf Stunden ihre Arbeit im Büro beginnt. Weit entfernt von launischen Star-Ansprüchen gesteht die Schlagzeugerin, dass sie sich tatsächlich auf ihren Job freut, sie hat ein kontrastvolles Leben, das sie genießt. Es passe zu ihr, dass sie einen festen Tagesablauf hat: von 8 bis 3 oder 4 Uhr nachmittags arbeitet sie und danach musiziert sie. Übrigens macht es sie glücklich, diese zwei verschiedenartigen Tätigkeiten zu verbinden.

Widersprüchlichkeit und Leidenschaft

Der Liedtext ist poetisch und sensibel und die Verse erscheinen in knapper Form. Mehr Worte braucht Clara Luzia nicht, meistens lässt sie die Instrumente viel deutlicher das ausdrücken, was durch Sprache sowieso nicht vermittelt werden kann. Die Frage, welche ihre Inspirationsquellen sind, beantwortet die Songwriterin wieder knapp: „Das Leben an sich, der Mensch“.

Für sie repräsentiert das Bestreben des Menschen, autonom zu sein, und die Wechselbeziehung zwischen dieser gewünschten Unabhängigkeit und der notwendigen Interdependenz der Grund vieler Probleme. Ihre Musik widerspiegelt diese ständige Qual: mal energisch, heiter, galoppierend und lebhaft, mal langsam, launisch und tief melancholisch. Aber einheitlich ist sie immer. Daran könnte auch das Unwiderstehliche liegen: Das hektische instrumentale Zusammenspiel hat hingegen eine beruhigende Wirkung. Es ist fast eine organische Verflechtung der Stimme mit den Instrumenten: Sie stehen im vollen, absichtlich nicht perfekten Einklang, bald rhythmisch, kräftig, melodisch, bald traumähnlich und sogar seltsam.

Die Widersprüchlichkeit und Leidenschaft kombiniert mit schwachen Momenten stellen eine wohltuende abwechslungsreiche melodische Linie sicher. Das Unbewusste wird irgendwie berührt: Plötzlich wird man nüchtern, die Musik weckt zum Leben auf. Die breite Vielfalt von Instrumenten und die Mischung von Genres zeigen, dass Clara Luzia sich weit über Indie hinaus ausdehnt. Nennen wir sie die Zauberin der österreichischen zeitgenössischen Indie-Musik.

Hier eine empfehlenswerte Auswahl von Clara Luzias Liedern. Zum Auskosten von neuen Tönen und Nuancen soll man sich ein Lied aus jedem Album anhören, zum Beispiel „Heartattack“ („Railroad tracks“, 2006), „Narrow Margin“ („The long memory“, 2007), „Queen of wolves“ („The Ground below“, 2009), „How the mighty fall“ („Falling into place“, 2011).

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