Eine Banater Schwäbin auf Weltreise

Hallstatt – fast wie Franzdorf/Văliug, nur viel, viel schöner

Mittwoch, 05. September 2018

Hallstatt. Foto: die Verfasserin

Hallstatt ist ein wirklich kleiner, verträumter Ort am Fuße des Dachsteins, im Salzkammergut. Bis zum Ende des vorletzten Jahrhunderts war das Dorf nur über den Hallstätter See oder über schmale Saumpfade erreichbar. Heute gelangen Touristen durch sehr lange Tunnels im Berg zu den beiden mit Ampeln versehenen Parkplätzen. Wenn die Ampel auf rot steht, ist die Einfahrt in die Stadt gar nicht möglich, bis ein Auto rausfährt und ein Platz frei wird. Es lohnt sich aber allemal entweder früh hinzufahren oder ca. 7 Minuten pro Auto zu warten, bis ein Platz frei wird und die Einfahrt möglich wird.

Berühmt ist Hallstatt nicht nur für die absolut idyllische Gegend, sondern auch für den angeblich ältesten, noch immer aktiven Salzbergbau der Welt. Seit über 7.000 Jahren wird im Herzen des Dachsteins ununterbrochen Bergsalz gefördert, erst im Tagebau und später dann in über 30 km langen Stollen. Das besondere an den „Salz Welten von Hallstatt“: es ist nicht nur ein aktives Salzbergwerk, sondern auch ein Besuchersalzbau, der Touristen in allen Altersklassen und mit den meisten Beweglichkeitsgraden zur Verfügung steht. Der Besucherstollen liegt hoch oben, fast am Gipfel des Dachsteins. Es gibt eine Bergbahn, die alle 30min hochfährt. Aber das ist die faule Variante. Die sportliche Alternative ist ein Schmalsteig, teilweise mit Treppen. Die abenteuerlichste Art, auf den Dachstein zu gelangen, ist allerdings die Kletterwand, die zwar auch für Anfänger geeignet ist, aber sehr viel körperliche Fitness erfordert. Mit ihren 750 Höhenmetern und ca. fünf Stunden Kletterzeit ist sie aber nicht für den allerersten Kletterversuch zu empfehlen. Oben auf dem Dachstein gibt es eine kostenlos zugängliche Aussichtsplattform, die freischwebend aus dem Berg hervorsticht und einen atemberaubenden, wenn auch windigen Blick über den Hallstätter See bietet. Leider haben die meisten Touristen kein Auge für das Alpenpanorama. Stattdessen wird lautstark geschimpft, geschubst und mit spitzen Ellbogen ein Platz für das perfekte Selfie erkämpft.

Oberhalb der Aussichtsplattform befindet sich der Eingang zu den Hallstätter Salzwelten. Ausgerüstet mit Ganzkörperschutzkleidung geht es, in Gänsereihe, zwischen den Gleisen der alten Bergbahn tief in den stillgelegten Stollen. Flauschige Salzkristalle glitzern an den Wänden. Sie fühlen sich an wie kristallisierter Schimmel und schmecken wie ein altes Weinfass, welches zum Einlegen von Sauerkraut wiederverwendet wurde. Die Führung dauert gute drei Stunden und führt durch die Entstehungsgeschichte der Salzvorräte und des Salzbergbaus. Das Highlight sind die hölzernen Bergmanns-Rutschen, darunter die mit 64 Metern längste unterirdische Rutsche Europas. Mit über 30 km/h können Besucher herunterrutschen und die Erinnerungsfotos sind dementsprechend super witzig. Der Weg aus der Salzmine heraus führt über eine kleine, offene Eisenbahn, auf der die Touristen hintereinander auf einer langen Bierbank sitzen und aus dem Salzstollen mit Hochgeschwindigkeit der Sonne und Wärme entgegen eilen. Im Shop am Ausgang wird un-jodiertes Bergsalz zum Probieren und natürlich auch zum Kaufen angeboten. Das grobe und das mit Buchenholz geräucherte, vom Eisenerz rötlich gefärbte Bergsalz ist das allerbeste, also unbedingt ein Päckchen davon mitnehmen.

Hallstatt ist aber viel zu schön, um die ganze Zeit unter Tage, im Berg zu verbringen. Das kleine Dorf am Seeufer hat Bootshäuschen anstelle von Garagen und ist komplett verkehrsberuhigt. Fast jedes Haus lebt vom Tourismus. Egal ob Restaurant, Café, Unterkunft oder Souvenirladen, an jeder Tür und an jedem Fenster wird etwas feilgeboten.

Die Kirche markiert den Hauptplatz, das Herz des Dorfes. An der Nordseite der Kirche steht der „Karner“, ein Ossarium aus dem 16. Jahrhundert. Es entstand aus Platzmangel, denn jeder Quadratmeter war zum Wohnen notwendig und daher musste die Zeit auf dem Friedhof pro Person auf maximal 30 Jahre begrenzt werden. Danach werden die Gebeine exhumiert, gebleicht, beschriftet und gestapelt. Ganze Generationen versammeln sich so als bemalte Totenschädel im Hallstätter Karner. Im Museum, gleich neben der Kirche, sind die zahlreichen Funde aus dem hallstattzeitlichen Gräberfeld ausgestellt, welche bis ins vierte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurückdatieren.

Obwohl Gräber und Knochen interessant sind, sind sie eben nicht jedermanns Sache. Damit das Unesco-Kulturerbe durch das Ossarium und den dunklen Salzstollen keinen düsteren Eindruck hinterlässt, empfiehlt es sich, den Sonnenuntergang auf einer Bootsfahrt über den Hallstätter See zu genießen und den Abend bei einer kräftigen oberösterreichisch-salzburgischen Brotzeit auf einer der vielen Uferterrassen ausklingen zu lassen.

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