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Ein
bedeutendes Instrument in beklagenswertem Zustand
Benefizkonzerte zugunsten der Prause-Orgel in Bistritz / Von
Kurt Philippi
Die großen Instrumente der siebenbürgischen Orgellandschaft
(Sauer-Orgel in Hermannstadt/Sibiu, Buchholz-Orgel in der
Schwarzen Kirche Kronstadt/Brasov, Hahn-Orgel in Mediasch)
sind innerhalb der letzten zehn Jahre restauriert oder vollständig
überholt worden. Ein wichtiges Instrument wartet noch
auf die Sanierung: Die Johannes-Prause-Orgel in der Bistritzer
evangelischen Stadtpfarrkirche. 1795 erbaut, wurde sie bisher
zweimal saniert und dabei mehrfach verändert. Heute ist
die Orgel wieder in einem so schlechten Zustand, dass weitere
Restaurierungsarbeiten dringend erforderlich sind.
Damit die Erneuerung beginnen kann, organisiert die evangelische
Gemeinde aus Bistritz in diesem Herbst drei Benefizkonzerte
in ihrer Stadtpfarrkirche:
Am Sonnabend, 23. September 2006, um 17 Uhr, wird der Bachchor
der Schwarzen Kirche aus Kronstadt unter der Leitung von Steffen
Schlandt die "Große Credo-Messe" in C-dur
(K.V. 257) von Wolfgang Amadeus Mozart aufführen. Im
gleichen Konzert singt der "Canzonetta"-Chor aus
Kronstadt unter der Leitung von Ingeborg Acker Werke von Johann
Pachelbel (1653-1706) und Mozart (1756-1791).
Danach wird der Jugendchor des Kronstädter Bachchores
in Deutschland weitere Benefizkonzerte zugunsten der Bistritzer
Orgel geben. Finanziert wird diese Reise vom Erlös der
diesjährigen Konzertreihe "Diletto musicale"
in der Tartlauer Kirchenburg. Der Jugendchor (BBC alias Baby
Bach Choir) verkauft seine neue CD in Deutschland ebenfalls
zugunsten der Bistritzer Prause-Orgel.
Eine Woche später (30. September 2006, ebenfalls 17 Uhr)
findet in der Bistritzer Stadtpfarrkirche ein zweites Benefizkonzert
statt. Das Kammerensemble "Consonanze stravaganti",
bestehend aus Studenten der Klausenburger Musikakademie "Gh.
Dima", spielt Werke von Händel, Buxtehude, Corelli
und Schütz. Gesangssolistin ist die Bistritzer Musikstudentin
Anita Hartig.
Das dritte Benefizkonzert findet am Samstag, 7. Oktober 2006,
17 Uhr, statt. Unter der Leitung von Kurt Philippi führt
der Hermannstädter Bachchor zusammen mit der Hermannstädter
Philharmonie die Trinitatis-Messe in C-Dur (K.V. 167) von
Mozart auf. Im gleichen Konzert erklingen zwei weitere Werke
von Mozart: Eine Kirchensonate für Orchester und Orgel
(Solistin: Ursula Philippi) und die Motette "Exsultate,
jubilate" für Sopran und Orchester (K.V. 165). Solistin
ist die Hermannstädter Sopranistin Melinda Samson.
Für alle drei Konzerte stellt die Honigberger Orgelwerkstatt
ihr Orgelpositiv kostenlos zur Verfügung. Die Reisekosten
der beiden siebenbürgischen Bachchöre hat dankenswerterweise
das Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart übernommen.
Die evangelische Kirchengemeinde Bistritz lädt zu allen
drei Konzerten herzlich ein. Sie verbindet damit die Hoffnung,
dass die Restaurierung ihrer großen Prause-Orgel einen
guten Anfang nimmt. Das wünschen sich auch alle Beteiligten
an diesem Projekt.

Fluidic - Alles nur ein Spiel
Ausstellungsreihe in Bukarest und Berlin / Von Christa
Manta
Julien Collieux hat jedem der Sieben eine Plastikpfeife in
die Hand gedrückt, klein und rot, wie wir sie aus dem
Turnunterricht kennen. Unter den nackten Füßen
ein mit Kreide aufgemalter Kreis, in Kästchen unterteilt
und schraffiert. Die Sieben stampfen auf, bewegen sich im
Kreis und der Reihe nach entlockt jeder seinem Instrument
einen bestimmten Ton. Die Beine werden schneller, das Flöten
auch und mit dem Rhythmus fügen sich die sieben Paar
Beine und die sieben Töne zu einer Melodie. Wir hören
die Internationale.
Die Performance von Julien Collieux findet in der UNAGaleria
in Bukarest statt, im Rahmen von "Fluidic", einem
Projekt, das die Werke von acht Berliner Künstlern in
fünf Galerien der rumänischen Hauptstadt präsentiert.
Im Gegenzug stellen acht Bukarester vom 25. September bis
zum 4. Oktober ihre Arbeiten in Berlin aus. Julien Collieux
ist Franzose. Ungewöhnlich für eine Ausstellungsreihe,
die Künstler aus der deutschen und der rumänischen
Hauptstadt verbindet? Wir fragen die Kuratorinnen Marta Jecu
und Simona Soare. "Berlin ist voller Menschen aus aller
Welt", erklärt Marta Jecu. Die Nationalität
habe bei der Auswahl der Aussteller keine Rolle gespielt,
vielmehr verbinde die Künstler ein gemeinsames Thema:
Das Spiel mit der Wahrnehmung.
Mit der Wahrnehmung von Alltagsgegenständen und -motiven
setzen sich Jasmina Llobet und Louis Fernandez Pons auseinander.
Die beiden stammen aus Barcelona und sind seit fünf Jahren
in Berlin zuhause. Für die Ausstellung in Bukarest haben
sie gewöhnliche Müllbeutel mitgebracht. "Weil
sie gut zu transportieren sind", verrät die Künstlerin
lachend. Auf die Plastiksäcke hat das Künstlerpaar
Fotos projiziert und anschließend mit Hilfe einer Klebepistole
die Tüten perforiert, so dass sich die Bilder herausschälen.
Von Weitem und von einem festen Standpunkt aus betrachtet,
wirkt es, als hätten Llobet und Pons dunkle Stahlplatten
hell belichtet. Eine feste kalte Oberfläche, klare Formen,
ein eindeutiges Bild. Ein schlafender Mann. Oder ist der Mann
tot? Ändert der Betrachter seine Position, tritt er näher,
wird das Eindeutige vage. Die Installation wandelt sich, die
Bilder werden rätselhaft, das Material wellt sich, wirkt
weicher.
Mit der Wahrnehmung spielen auch die Videoinstallationen von
Franz Höfner und Harry Sachs. Ein Auto, bis oben hin
mit Wasser gefüllt, fährt durch die Straßen
Hamburgs. Der Betrachter des Videos nimmt die Perspektive
der beiden Insassen ein. Sie schaukeln durch das Fahrzeug,
schwimmen, schwerelos. Fahrgeräusche sind nicht zu hören,
lediglich das Radioprogramm und die Gespräche aus dem
Inneren. "Wir haben die Fugen der Autos mit Silikon verdichtet,
so dass kein Wasser ins Innere dringt. Und folglich auch keine
Geräusche von außen", erklärt Harry Sachs.
Eine verzerrte, surreale Welt. "Opel - Zuverlässig
in die Zukunft" haben die Künstler sie getauft.
Für den Betrachter des zweiten Videos steht die Welt
auf dem Kopf. Höfner und Sachs haben ein Auto in die
Kanäle Venedigs gehoben, mit dem Dach nach unten und
den Rädern nach oben. Mit Hilfe eines Außenbordmotors
gondelt das Fahrzeug durch die Stadt. Kein Wasser dringt nach
innen, kein Geräusch nach außen. Venice bei car!
Nicht: Venice by night. Spielerisch dekonstruieren die Künstler
den Blick auf die Dinge, entzurren festgefahrene Ideen und
Betrachtungsweisen. Ohne eine Erklärung lassen die Experimente
Raum für unterschiedlichste Interpretationen.
Neben Collieux, Sachs und Höfner, Pons und Llobet waren
zwischen dem 5. und dem 13. September in Bukarest weitere
Performances und Installationen der Künstler Bankleer,
Patrick Jambon und Johannes Deimling zu sehen. 26.000 Euro
hätten die Kuratorinnen eigentlich gebraucht, um die
Künstler anreisen zu lassen, um Gerätschaften zu
mieten, Honorare auszuzahlen. 15.000 Euro hat das Sponsoring
eingebracht. Kein Grund für die Künstler, bei Fluidic
abzuspringen. Gleich in drei Bukarester Galerien eröffneten
sie mit der Internationale. Die Ausstellungsreihe wird vom
25. September bis zum 4. Oktober in Berlin fortgesetzt. In
vier Galerien der deutschen Hauptstadt werden Horváth
Zoltán, Anca Benera, Daniel Gontz, Ciprian Muresan,
Dan Ionut Popescu, Ioana Alexe-Ecker, Dorel Naste, Dumitru
Gorzo und Raluca Spãtaru ihre Arbeiten präsentieren.
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