Suche  
 
  Schreiben Sie unsWir über unsGästebuch  
Politik
Wirtschaft
Meinung
Lokales
Kultur
 

Freitag, 15. 09. 2006
 

Ein bedeutendes Instrument in beklagenswertem Zustand
Benefizkonzerte zugunsten der Prause-Orgel in Bistritz / Von Kurt Philippi

Die großen Instrumente der siebenbürgischen Orgellandschaft (Sauer-Orgel in Hermannstadt/Sibiu, Buchholz-Orgel in der Schwarzen Kirche Kronstadt/Brasov, Hahn-Orgel in Mediasch) sind innerhalb der letzten zehn Jahre restauriert oder vollständig überholt worden. Ein wichtiges Instrument wartet noch auf die Sanierung: Die Johannes-Prause-Orgel in der Bistritzer evangelischen Stadtpfarrkirche. 1795 erbaut, wurde sie bisher zweimal saniert und dabei mehrfach verändert. Heute ist die Orgel wieder in einem so schlechten Zustand, dass weitere Restaurierungsarbeiten dringend erforderlich sind.

Damit die Erneuerung beginnen kann, organisiert die evangelische Gemeinde aus Bistritz in diesem Herbst drei Benefizkonzerte in ihrer Stadtpfarrkirche:
Am Sonnabend, 23. September 2006, um 17 Uhr, wird der Bachchor der Schwarzen Kirche aus Kronstadt unter der Leitung von Steffen Schlandt die "Große Credo-Messe" in C-dur (K.V. 257) von Wolfgang Amadeus Mozart aufführen. Im gleichen Konzert singt der "Canzonetta"-Chor aus Kronstadt unter der Leitung von Ingeborg Acker Werke von Johann Pachelbel (1653-1706) und Mozart (1756-1791).

Danach wird der Jugendchor des Kronstädter Bachchores in Deutschland weitere Benefizkonzerte zugunsten der Bistritzer Orgel geben. Finanziert wird diese Reise vom Erlös der diesjährigen Konzertreihe "Diletto musicale" in der Tartlauer Kirchenburg. Der Jugendchor (BBC alias Baby Bach Choir) verkauft seine neue CD in Deutschland ebenfalls zugunsten der Bistritzer Prause-Orgel.
Eine Woche später (30. September 2006, ebenfalls 17 Uhr) findet in der Bistritzer Stadtpfarrkirche ein zweites Benefizkonzert statt. Das Kammerensemble "Consonanze stravaganti", bestehend aus Studenten der Klausenburger Musikakademie "Gh. Dima", spielt Werke von Händel, Buxtehude, Corelli und Schütz. Gesangssolistin ist die Bistritzer Musikstudentin Anita Hartig.

Das dritte Benefizkonzert findet am Samstag, 7. Oktober 2006, 17 Uhr, statt. Unter der Leitung von Kurt Philippi führt der Hermannstädter Bachchor zusammen mit der Hermannstädter Philharmonie die Trinitatis-Messe in C-Dur (K.V. 167) von Mozart auf. Im gleichen Konzert erklingen zwei weitere Werke von Mozart: Eine Kirchensonate für Orchester und Orgel (Solistin: Ursula Philippi) und die Motette "Exsultate, jubilate" für Sopran und Orchester (K.V. 165). Solistin ist die Hermannstädter Sopranistin Melinda Samson.

Für alle drei Konzerte stellt die Honigberger Orgelwerkstatt ihr Orgelpositiv kostenlos zur Verfügung. Die Reisekosten der beiden siebenbürgischen Bachchöre hat dankenswerterweise das Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart übernommen.

Die evangelische Kirchengemeinde Bistritz lädt zu allen drei Konzerten herzlich ein. Sie verbindet damit die Hoffnung, dass die Restaurierung ihrer großen Prause-Orgel einen guten Anfang nimmt. Das wünschen sich auch alle Beteiligten an diesem Projekt.



Fluidic - Alles nur ein Spiel
Ausstellungsreihe in Bukarest und Berlin / Von Christa Manta


Julien Collieux hat jedem der Sieben eine Plastikpfeife in die Hand gedrückt, klein und rot, wie wir sie aus dem Turnunterricht kennen. Unter den nackten Füßen ein mit Kreide aufgemalter Kreis, in Kästchen unterteilt und schraffiert. Die Sieben stampfen auf, bewegen sich im Kreis und der Reihe nach entlockt jeder seinem Instrument einen bestimmten Ton. Die Beine werden schneller, das Flöten auch und mit dem Rhythmus fügen sich die sieben Paar Beine und die sieben Töne zu einer Melodie. Wir hören die Internationale.

Die Performance von Julien Collieux findet in der UNAGaleria in Bukarest statt, im Rahmen von "Fluidic", einem Projekt, das die Werke von acht Berliner Künstlern in fünf Galerien der rumänischen Hauptstadt präsentiert. Im Gegenzug stellen acht Bukarester vom 25. September bis zum 4. Oktober ihre Arbeiten in Berlin aus. Julien Collieux ist Franzose. Ungewöhnlich für eine Ausstellungsreihe, die Künstler aus der deutschen und der rumänischen Hauptstadt verbindet? Wir fragen die Kuratorinnen Marta Jecu und Simona Soare. "Berlin ist voller Menschen aus aller Welt", erklärt Marta Jecu. Die Nationalität habe bei der Auswahl der Aussteller keine Rolle gespielt, vielmehr verbinde die Künstler ein gemeinsames Thema: Das Spiel mit der Wahrnehmung.

Mit der Wahrnehmung von Alltagsgegenständen und -motiven setzen sich Jasmina Llobet und Louis Fernandez Pons auseinander. Die beiden stammen aus Barcelona und sind seit fünf Jahren in Berlin zuhause. Für die Ausstellung in Bukarest haben sie gewöhnliche Müllbeutel mitgebracht. "Weil sie gut zu transportieren sind", verrät die Künstlerin lachend. Auf die Plastiksäcke hat das Künstlerpaar Fotos projiziert und anschließend mit Hilfe einer Klebepistole die Tüten perforiert, so dass sich die Bilder herausschälen. Von Weitem und von einem festen Standpunkt aus betrachtet, wirkt es, als hätten Llobet und Pons dunkle Stahlplatten hell belichtet. Eine feste kalte Oberfläche, klare Formen, ein eindeutiges Bild. Ein schlafender Mann. Oder ist der Mann tot? Ändert der Betrachter seine Position, tritt er näher, wird das Eindeutige vage. Die Installation wandelt sich, die Bilder werden rätselhaft, das Material wellt sich, wirkt weicher.

Mit der Wahrnehmung spielen auch die Videoinstallationen von Franz Höfner und Harry Sachs. Ein Auto, bis oben hin mit Wasser gefüllt, fährt durch die Straßen Hamburgs. Der Betrachter des Videos nimmt die Perspektive der beiden Insassen ein. Sie schaukeln durch das Fahrzeug, schwimmen, schwerelos. Fahrgeräusche sind nicht zu hören, lediglich das Radioprogramm und die Gespräche aus dem Inneren. "Wir haben die Fugen der Autos mit Silikon verdichtet, so dass kein Wasser ins Innere dringt. Und folglich auch keine Geräusche von außen", erklärt Harry Sachs. Eine verzerrte, surreale Welt. "Opel - Zuverlässig in die Zukunft" haben die Künstler sie getauft. Für den Betrachter des zweiten Videos steht die Welt auf dem Kopf. Höfner und Sachs haben ein Auto in die Kanäle Venedigs gehoben, mit dem Dach nach unten und den Rädern nach oben. Mit Hilfe eines Außenbordmotors gondelt das Fahrzeug durch die Stadt. Kein Wasser dringt nach innen, kein Geräusch nach außen. Venice bei car! Nicht: Venice by night. Spielerisch dekonstruieren die Künstler den Blick auf die Dinge, entzurren festgefahrene Ideen und Betrachtungsweisen. Ohne eine Erklärung lassen die Experimente Raum für unterschiedlichste Interpretationen.

Neben Collieux, Sachs und Höfner, Pons und Llobet waren zwischen dem 5. und dem 13. September in Bukarest weitere Performances und Installationen der Künstler Bankleer, Patrick Jambon und Johannes Deimling zu sehen. 26.000 Euro hätten die Kuratorinnen eigentlich gebraucht, um die Künstler anreisen zu lassen, um Gerätschaften zu mieten, Honorare auszuzahlen. 15.000 Euro hat das Sponsoring eingebracht. Kein Grund für die Künstler, bei Fluidic abzuspringen. Gleich in drei Bukarester Galerien eröffneten sie mit der Internationale. Die Ausstellungsreihe wird vom 25. September bis zum 4. Oktober in Berlin fortgesetzt. In vier Galerien der deutschen Hauptstadt werden Horváth Zoltán, Anca Benera, Daniel Gontz, Ciprian Muresan, Dan Ionut Popescu, Ioana Alexe-Ecker, Dorel Naste, Dumitru Gorzo und Raluca Spãtaru ihre Arbeiten präsentieren.