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		<title>adz.ro: Nachrichten</title>
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		<lastBuildDate>Thu, 23 Feb 2012 05:03:00 +0400</lastBuildDate>
		
		
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			<title>„Ich hoffe, noch lange...“</title>
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			<description>Unter dem Titel „Wir setzen das Gespräch fort...“ erschien vor Kurzem im Berliner Frank&amp;Timme...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Unter dem Titel „Wir setzen das Gespräch fort...“ erschien vor Kurzem im Berliner Frank&Timme Verlag der „Briefwechsel eines Juden aus der Bukowina mit einem Deutschen aus Siebenbürgen“. Die Autoren sind der deutsch-hebräische Lyriker Manfred Winkler (geb. 1922 in Putilla) und der Erzähler und Essayist Hans Bergel (geb. 1925 in Rosenau). In den ersten zwei Briefen des Bandes (1994) fassen sie die fast vier Jahrzehnte zusammen, die seit ihrer ersten Begegnung bis zur Wiederaufnahme der Korrespondenz verlaufen waren. Im Brief 124 (2010), der das Buch abschließt, fragt Manfred Winkler: „Sind wir nicht ein gutes, ein bemerkenswertes Duo?“ Über den umfangreichen Schriftwechsel und die beständige Freundschaft sprach KR-Redakteurin <em>Christine Chiriac</em> mit Dr. h. c. Hans Bergel.</strong><br /><br /><br /><strong>Sie lernten Manfred Winkler 1956 in Bukarest kennen. Er emigrierte 1958 aus Rumänien nach Israel, Sie 1968 nach Deutschland. Wie war es, als Sie sich 1994 „wiederentdeckten“?</strong><br /><br />Es war, als wären nicht achtunddreißig Jahre, sondern drei Tage vergangen.<br /><br /><strong>Wie erklären Sie das?</strong><br /><br />Mit dem altmodischen Wort „Seelenverwandtschaft“. Lässig ausgedrückt: „Die Chemie stimmt“ zwischen uns.<br /><br /><strong>Haben Sie vergleichbare politische und literarische Erfahrungen und Ansichten?</strong><br /><br />Politisch begegneten wir beide den zwei bestimmenden Terrorsystemen des 20. Jahrhunderts – dem Kommunismus und dem Nationalsozialismus –, jeder von uns mit der gleichen Konklusion: Opposition in beiden Richtungen. Hinsichtlich der Literatur: Winklers Lyrik in deutscher Sprache – ich kann nicht Iwrith – tat es mir sofort an, als ich erste Gedichte las. Umgekehrt scheint es ihm mit meiner Prosa ebenso ergangen zu sein. Darüber kann in unseren Briefen nachgelesen werden.<br /><br /><strong>Wie kam es zur Veröffentlichung der Korrespondenz?</strong><br /><br />Manfred Winkler wurde dazu angeregt. Er rief mich an und fragte: „Was hältst du davon?“ Der Frank& Timme Verlag sagte nach der Probelektüre einiger Briefe sofort zu. Die Auswahl trafen wir beide in „Telefonkonferenzen“.<br /><br /><strong>Welches sind die bevorzugten Themen der Briefe?</strong><br /><br />Alles, was zwei lebenserfahrene und selbstständig denkende Männer beschäftigt. Politik, Literatur, dazu Religion, Philosophie, Krieg und Frieden, Gegenwart und Zukunft unserer Länder, der Mensch, die gesellschaftlichen Veränderungen, der Zustand der Kirche, die Natur und anderes.<br /><br /><strong>Gibt es etwas, was Sie sich scheuen, Ihrem Freund gegenüber auszusprechen? Oder umgekehrt?</strong><br /><br />Nein. Er teilte mir seine Ansichten z. B. über mich, über Deutschland mit, ich ihm meine über den – unlösbaren – israelisch-arabischen Konflikt, diese offene Wunde.<br /><br /><strong>Ihr Freund schreibt: „Ein Brief von Dir ist immer wieder –  wie – ein Echo meiner selbst.” Gibt es trotzdem auch Bereiche, in denen Ihre Meinungen auseinandergehen?</strong> <br /><br />Selbstverständlich gibt es sie, wennschon sich der Jude und der Christ beispielsweise in der Frage „Gott“ einig sind. Unser gegenseitiges Verständnis beruht im Grunde auf unserer gegenseitigen Ergänzung. <br /><br />Wo Winkler eine andere Sicht der Dinge hat als ich, widerspreche ich nicht, ich ergänze. Umgekehrt gilt das Gleiche. Verstünde sich jeder Dialog auf diese kultivierte Weise, gäbe es in der Welt weder Streit noch Krieg, weder Fanatismus noch Hass.<br /><br /><strong>Der Verlag nennt das Buch „eine einzigartige Dokumentation“. Was ist damit konkret gemeint?</strong><br /><br />Zunächst, so vermute ich, ist eine jüdisch-deutsche Korrespondenz von dieser Intensität, Offenheit und Unverkrampftheit seit 1945 nicht eben die Regel. Zudem gibt es im Bereich südosteuropäischer Literaturen keinen vergleichbaren Briefwechsel. Schließlich auch keinen, der so viele an den Südosten und zugleich an ganz Europa gebundene Fragen anspricht und dabei Blickwinkel aufzeigt, die nicht zur Norm gehören – die ganz und gar außerhalb der erbärmlichen „political correctness“ liegen.<br /><br /><strong>Ihr Freund bezeichnet Sie in einem Brief als einen Deutschen, der in Deutschland keine Heimat gefunden habe. Wie stehen Sie dazu?</strong><br /><br />Wir aus den so genannten „Rändern“ Europas sehen eine Reihe substantieller Fragen anders als Europas „Mitte“. Da ich meine, dass unsere Sicht die realistischere ist, bin ich nicht bereit, sie preiszugeben. <br /><br />Die großen Fehler des vergangenen Jahrhunderts wurden nicht an der Peripherie, sondern im Zentrum des Kontinents gemacht – die Peripherien wurden dann hinein gerissen und mit den Folgen allein gelassen. Ich sehe keinen Grund, mich wider besseres Wissen und Gewissen anzupassen. Das wurde mir in Deutschland zur „Heimatlosigkeit“. Im Übrigen bin ich der Meinung des kürzlich verstorbenen Wiener Kabarettisten Georg Kreisler: „Die Kunst ist mir Heimat genug.“<br /><br /><strong>Wieso kann der mitteleuropäische Leser Ihrer Meinung nach das „dramatische Vielvölkergewusel einer südosteuropäischen Landschaft“ (Brief 10) nur teilweise verstehen?</strong><br /><br />Das hat zunächst historische Gründe. Mittel- und Westeuropa haben den Südosten während der Jahrhunderte islamischer Bedrohung – durch die Türken – im Stich gelassen. Die lange Fremdherrschaft erzeugte bei den südosteuropäischen Völkern Denkweisen und Daseinshaltungen, die dem Mittel- und Westeuropäer fremd blieben, da er nie in vergleichbarer Lage lebte. Heute gibt es zudem eine gewisse Herablassung des Mittel- und Westeuropäers, den „Balkan“ zur Kenntnis zu nehmen.<br /><br /> Das versperrt ihm erst recht den Weg zum Verstehen. Hinzu kommt schließlich die ihm ebenso ungewohnte Vielvölkergesellschaft in den Ländern des Südostens, die ihm fast unheimlich ist. Er versucht, das Ungewohnte mit Hilfe ideologischer Konstrukte zu begreifen – die der Südosteuropäer nur belächeln kann. Und nicht zu vergessen die transatlantische Orientierung – der Amerikanismus besonders des Mitteleuropäers: Der Südosten interessiert ihn nicht. Mehr dazu hier nicht. Es ist ein zu weites Feld.<br /><br /><strong>Manfred Winkler ist der Meinung, „irgendwie sind wir alle karpatensüchtig“. Sind Sie es? Ist in diesem Sinne Siebenbürgen „Ihre Heimat“ geblieben, wenn Deutschland es nicht geworden ist?</strong><br /><br />Ich mache mir nichts vor: Es fällt mir weder ein, meine Wurzeln zu verleugnen, noch die Augen davor zu verschließen, dass die Emigration 1968 nach Deutschland meine letzte Rettung vor dem kommunistischen Zugriff war. Ich ging nicht freiwillig aus diesem Land fort. Ich wurde durch Verfolgung und mehrfaches Einkerkern hinaus gepresst. Mir blieb kein anderer Weg, sofern ich überleben wollte – und das wollte ich. Die Freiheit steht als Lebenswert über der Heimat; ich verlor Siebenbürgen als Heimat, ohne eine „neue“ Heimat gesucht zu haben. „Karpatensüchtig“ bin ich – genau so wie Winkler – insofern, als mir die Prägungen bewusst sind, die ich dort erhielt.<br /><br /><strong>„Ich hege mehr denn je Zweifel an den Menschheitsidealen“, schreibt Manfred Winkler. „Und dennoch werden wir nach wie vor für das Gute und Schöne, das Wahre und Rechte auf die Barrikaden gehen müssen, da ansonsten die Welt den Raubtieren unter uns ausgeliefert ist“  (Brief 3). Sie ergänzen einige Jahre später: „Auch der globale Schock der roten und braunen Bestialitäten bewirkte nichts. Ich weigere mich, daran zu glauben, dass der Mensch aus der Geschichte lernt.“ Eine Frage aus Sicht der Jugend: Kann die Welt vor den Raubtieren gerettet werden?  </strong> <br /><br />Nein. Im Roman „Die Wiederkehr der Wölfe“ spreche ich genau davon. Ich halte es für einen fatalen Fehler, jungen Menschen mögliche Paradiese auf Erden vorzugaukeln. Es gibt nicht nur den Tag, es gibt auch die Nacht; nicht nur das Licht, auch den Schatten. Es gibt Gut und Böse – das ist die Kontrapunktik des Lebens, auch in uns selbst.<br /><br /> Die biblische Paradiesharmonie ist nicht mehr als ein Wunschtraum. Streit- und Schlaglüsterne, verräterische, doppelgesichtige Naturen, Wüstlinge und Fanatiker: „Raubtiere“ wird es immer unter uns geben. Dies zu erkennen und sich gegen sie zu stellen, ist moralischer Lebenssinn und praktischer Lebensinhalt. Dass jeder von uns die Seite wählen kann, auf der er steht, ist die großartige Freiheit, die wir dabei unter allen Bedingungen haben. Ist das nicht Verheißung genug für junge Menschen?<br /><br /><strong>Kann man bei Manfred Winkler und Ihnen von einer fruchtbaren „deutsch-jüdischen“ oder „jüdisch-deutschen“ Zusammenarbeit sprechen?</strong><br /><br />Klingt das nicht zu plakativ? Nein, es ist eher ein bukowinisch-siebenbürgisches Duett, das sich zwanglos ergab. Wir haben den gleichen Herkunftsraum – den Südosten – und müssen uns einander nicht langatmig erklären: Der Jude und der Deutsche aus dieser Geografie haben vieles gemeinsam. Mit Winkler verbindet mich mehr als mit vielen Deutschen. Vice versa gilt das ebenso.<br /><br /><strong>Besuchten Sie sich gegenseitig?</strong><br /><br />Das Ehepaar Winkler war seit 1994 zweimal bei Verwandten in Deutschland und jedesmal auch bei uns zu Gast. Meine Frau und ich reisten fünf- oder sechsmal kreuz und quer von Nord nach Süd und umgekehrt durch Israel, letztes Mal im Herbst 2011. Ich kenne das aufregende Land, seine Geschichte, seine enormen Probleme.<br /><br /><strong>Im Briefwechsel erfährt der Leser Dinge, die er anderswo nicht zu lesen bekommt – was Sie z. B. über die Securitate-Aktenforschung schreiben, was Winkler etwa über Paul Celan äußert. Dachten die Autoren schon bei der Niederschrift der Briefe an deren Veröffentlichung?</strong><br /><br />Nicht im Traum. Das machte die Auswahl schwer: Viele Briefe wurden in spontaner Mitteilungseile verfasst, sie hätten um der allgemeinen Verständlichkeit willen stilistisch überarbeitet werden müssen. Andere wiederum sind so geschrieben, dass ihre Veröffentlichung ad hoc vertretbar erschien. Diese übernahmen wir in den Band.<br /><br /><strong>Besteht Ihre Korrespondenz mit Winkler nach wie vor?</strong><br /><br />Ja, und ich hoffe, noch lange!]]></content:encoded>
			<category>Karpatenrundschau</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 05:03:00 +0400</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>SPORTECHO: Erster Grand-Slam-Titel für Horia Tecău</title>
			<link>http://www.adz.ro/karpatenrundschau/artikel-karpatenrundschau/artikel/sportecho-erster-grand-slam-titel-fuer-horia-tecau/</link>
			<description>Nach Jahrzehnten kann der rumänische Tennissport wieder einen großen Erfolg melden: einen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Nach Jahrzehnten kann der rumänische Tennissport wieder einen großen Erfolg melden: einen Grand-Slam-Titel. Er kam irgendwie überraschend, weil Horia Tecău beim Australian Open in Melbourne, zusammen mit seinem Partner, der Schwede Robert Lindstedt, eher mit einem Sieg im Männer-Doppel rechnete. <br /><br />Sie gehörten zu den Favoriten,  da  sie es z.B. 2010 und auch 2011 in Wimbledon  bis zum Endspiel schafften. Im letzten Jahr verloren sie dort gegen das wohl beste Doppel der Welt – die Brüder Bryan aus den USA. Auf dieselben Gegner stießen sie im Januar in Melbourne im Halbfinale. Tecău und Lindstedt  scheiterten denkbar knapp, nachdem sie sogar einen Matchball vergaben.<br /><br />Unter solchen Umständen kann die Enttäuschung besonders bitter sein. Nicht aber beim 27-jährigen,  in Kronstadt geborenen  Horia Tecău. Zusammen mit seiner gleichaltrigen Partnerin Bethanie Mattek-Sands setzte er sich im Mixed-Doppel-Finale gegen Jelena Wesnina (Russland) und Leander Paes (Indien) mit 6-3, 5-7, 10-3 durch. Die Zwei hatten auch im Vorjahr zusammen gespielt und scheiterten erst im Halbfinalspiel. <br /><br />Aber sowohl Horia als auch Bethanie (Spitzname Killer Bee wegen ihrem unkonventionellen, angriffslustigen Look: dunkle Kniestrümpfe  und zwei unterhalb den Augen sozusagen als  „Kriegsbemalung“ aufgetragene kleine Flaggen) glaubten wohl nicht so recht an ihre Chancen. So spielten sie aber ohne zusätzlichen Druck und konnten siegen. Horia sprach bei der Pressekonferenz von einem hervorragend gutem Gefühl, erstmals einen Grand-Slam-Titel vorweisen zu können, vor allem weil  er auch hart umkämpft werden musste. Nur zum Feiern war nicht Zeit, denn Horia wollte sein Flugzeug nicht verpassen.<br /><br />Bereits vor fast zehn Jahren hatte der heute bei Dinamo Kronstadt unter Vertrag stehende Horia in der Tennis-Juniorenszene für Aufsehen gesorgt: zusammen mit seinem damaligen Partner Florin Mergea siegten sie in Wimbledon im Junioren-Doppelfinale in den Jahren 2002 und 2003. Horia erkannte rechtzeitig, dass er bessere Erfolgsaussichten im Doppel und nicht im Einzel hat. Der erste Erfolg im  Herren-Doppel konnte er, zusammen mit Mergea, 2007 im Challenge-Tournee seiner Heimatstadt feiern. Heute befindet er sich in der Weltrangliste der Doppel-Spieler auf Rang acht.]]></content:encoded>
			<category>Karpatenrundschau</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 04:12:00 +0400</pubDate>
			
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			<title>Ein regionales Dichterschicksal aus Siebenbürgen aus gesamtdeutscher Sicht</title>
			<link>http://www.adz.ro/karpatenrundschau/artikel-karpatenrundschau/artikel/ein-regionales-dichterschicksal-aus-siebenbuergen-aus-gesamtdeutscher-sicht/</link>
			<description>Das tragische Dichterschicksal Georg Hoprichs (1938-1969), der mit 30 Jahren den Freitod wählte,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Das tragische Dichterschicksal Georg Hoprichs (1938-1969), der mit 30 Jahren den Freitod wählte, war der Anlass dieser Auswahl.<br />Als Student kurz vor dem Abschluss des Germanistik- und Rumänistikstudiums in Bukarest 1961, wurde er vom rumänischen Geheimdienst Securitate in einem Schauprozess aus politischen Gründen zu 5 Jahren Haft verurteilt. Drei davon arbeitete er unter schwierigsten Bedingungen in der Bărăgan-Steppe ab, bevor er, gezeichnet und zutiefst verunsichert, entlassen wurde. Danach zog er zu seiner Braut, einer Lehrerin, die die ganze Gefängniszeit tapfer zu ihm gestanden hatte und versuchte wieder Fuß zu fassen.<br /><br />Als Lehrer durfte er aus politischen Gründen nicht arbeiten, nur als Sekretär in der Schule. Von seinen beiden Kindern starb eines früh und vertiefte seine Schwermut, die ihn dann schließlich mit 30 Jahren in den Selbstmord stürzte. <br />Doch nicht diese erschütternde Dramatik allein veranlasste den Herausgeber Bertram Reinecke diesen Gedichtband in seinem Verlag, der sich vornehmlich um randständige und vergessene Literatur bemüht, herauszugeben, sondern vor allem der ästhetische Stellenwert, den diese Gedichte in der fünften deutschen Literatur, der der Rumäniendeutschen, bis heute einnehmen. <br /><br />In seinem Essay, als Nachwort gedacht, „Hoprich lesen“, erläutert er sein Konzept. Die von ihm ausgewählten Texte sollen vermeiden helfen, Georg Hoprichs Werk bloß auf ein Dokument der poststalinistischen Zwangsverhältnisse zu reduzieren. Das würde Georg Hoprichs Lebensgefühl einseitig trist und düster einfärben und seine durchaus sich mit den komplexen Lebensverhältnissen seiner Kindheit und Jugend auseinandersetzenden Gedichte übersehen. <br /><br />Georg Hoprich besaß durchaus die Kraft, Erschütterungen und Verletzungen zu begegnen und auch im Gedicht zu widerstehen. Wie in den schon 1959 geschriebenen Versen: „Rühmend unsere frischen Narben / oder glühend Wort und Kuss, / sonderst du die lichten Farben, / wölbst zum Bild die weiße Brust. / In den Wellen grüner Stunden / teilen wir den stillen Fluss, / herrlich schließen sich die Wunden. /“ <br /><br />Reinecke setzt die verdienstvolle Arbeit Stefan Sienerths fort, der schon 1983 mit großem persönlichem Risiko in Bukarest den ersten Gedichtband Georg Hoprichs „Gedichte“ herausgebracht hat. <br /><br />Sienerth gelang es trotz schwieriger Umstände ein erstaunlich komplexes Bild des Dichters entstehen zu lassen.<br /><br />Hier knüpft Reinecke an und versucht mit Hilfe der Analyse einzelner Gedichtpassagen in seinem Nachwortessay dies zu vertiefen. Vor allem erklärt Reinecke die von Georg Hoprich öfter angewendete Methode des literarischen „Risses“. <br /><br />Damit meint Reinecke gewissermaßen die Schnittstelle, die bewusst einen Schiefklang heraufbeschwört, um nicht in einer gängigen, auch nicht persönlich-poetischen Aussage zu verharren, sondern auch über seine eigene Sprechweise hinauszugehen. <br /><br />Im Gedicht „Die Schlafenden“ zeigt dies Reinecke an der ersten Strophe: „Sie wollten weinen oder lachen, / doch da kam der Schlaf herbei. / In seiner Bodenlosigkeit, / im unfruchtbaren Ei des Daseins. /“ <br /><br />Die beiden letzten Zeilen „In seiner Bodenlosigkeit / im unfruchtbaren Ei des Daseins /“ bilden den formal-melodischen Schiefklang zu den ersten beiden liedhaften melodischen Zeilen „Sie wollten weinen oder lachen, / doch da kam der Schlaf herbei. /“ <br /><br />Für diesen Interpretationsansatz sprechen auch die beiden in siebenbürgisch-sächsischer Mundart (das ist das überwiegend von den aus der Rhein-Maas-Mosel-Gegend vor fast 900 Jahren eingewanderten Siebenbürger-Sachsen gesprochene Moselfränkisch. Erstaunlich ähnlich dem heutigen Letzelburgischen aus Luxemburg.) geschriebenen Gedicht „Des  Nochts“ (Des Nachts) und „De Wegd äs olt“ (Die Weide ist alt) beide von Klaus F. Schneider im Anhang ins Hochdeutsche übersetzt. <br /><br />Selbst in der heimelig vertrauten Mundart bleibt Hoprich abgründig. <br />Diese auch heute noch durchaus modernen Gestaltungsmittel machen die von Reinecke hier ausgewählten Gedichte Hoprichs für alle deutschsprachigen Leser zu einem künstlerischen Erlebnis. <br /><br />Es ist Reinecke gelungen, einen Zugang in die auf den zweiten Blick viel komplexere Dimension des Hoprich’-schen Sprachkosmos zu ermöglichen. <br />Dadurch, dass es Reinecke gelingt, viele „Chiffren“ Hoprichs in ihrer Entwicklung darzubringen, trägt er dazu bei, dass der Leser Hoprichs Schicksalsweg bei dieser Lektüre vor allem poetisch nachvollziehen kann.]]></content:encoded>
			<category>Karpatenrundschau</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 06:35:00 +0400</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Landeskundeerlebnis Bonn</title>
			<link>http://www.adz.ro/karpatenrundschau/artikel-karpatenrundschau/artikel/landeskundeerlebnis-bonn/</link>
			<description>Dass Wissen nicht nur im formalen Rahmen, im Klassenzimmer, vermittelt werden kann, ist uns,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Dass Wissen nicht nur im formalen Rahmen, im Klassenzimmer, vermittelt werden kann, ist uns, Lehrkräften, wohlbekannt. Oft bieten Aufenthalte in einem Land, dessen Sprache man in der Schule lernt, den Schülern Gelegenheit, angeeignete Fertigkeiten anzuwenden, aber auch sich selbst besser kennen zu lernen.<br /><br />In diesem Sinne einer neuen Lernerfahrung war auch unsere Studienreise nach Bonn gedacht. 18 Schüler/ innen aus deutschen Bilingualklassen des „Dr. I. Meşota“-Kollegs haben in Begleitung ihrer Deutschlehrerin in Bonn Landeskunde und Sprache live erlebt. Unterbringung und Verpflegung erfolgten bestens am Kreuzberg, wo auch die Seminare stattfanden. Der vom Sprachinstitut organisierte Kurs wurde inhaltlich als Landeskundeseminar kon-zipiert und didaktisch als Projektunterricht durchgeführt. <br /><br />Dem Konzept lag die Überlegung zugrunde, dass die Stadt Bonn mit ihrer Geschichte vielfältige historische und biografische Anknüpfungspunkte für überregionale landeskundliche Themen bietet. Ausgehend von lokalen Gegebenheiten sollten Beispiele deutscher Geschichte und Kultur dargestellt werden. Daraus erwuchs das Konzept, drei Themen jeweils in Gruppenarbeit vorzubereiten und im Plenum zu präsentieren, um damit einen jeweils anschließenden Besuch einer aktuellen Ausstellung vorzubereiten.<br /><br />Bei der Erarbeitung der Präsentation hatte die Eigenaktivität der Schüler/ innen deutlich Vorrang. Den drei Projekten wurde eine Unterrichtseinheit vorangestellt, die allgemeine Landeskunde mit regionalen und alltagskulturellen Schwerpunkten zum Gegenstand hatte. Folgende Themen wurden in den Einführungsveranstaltungen behandelt: 1. Die Stadt Bonn: „Vom Neandertaler bis zum Lotuseffekt“, 2. Herbert Gronemeyers Song „Currywurst“: Dialekt und Regionalkultur des Ruhrgebietes 3. Deutschland – Quiz: „Was wissen Sie über deutsche Geschichte und Institutionen?“<br />Die Projektarbeit wurde in drei Gruppen durchgeführt. <br /><br />Die erste Projektgruppe beschäftigte sich mit dem Chemiker August Kekule und stellte wichtige Entdeckungen szenisch dar. Danach wurde die Ausstellung „Kekules Traum“ im Deutschen Museum besichtigt. „Ludwig van Beethoven“ war das Thema der zweiten Projektgruppe. Die Schüler präsentierten eine Website mit Multimedia-Elementen über Leben und Werk Beethovens. Der Besuch des Beethovenhauses rundete diese Präsentation ab. „Die Bonner Republik – Deutsche Geschichte vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1990“ war Thema der dritten Projektgruppe. Es folgte der Besuch einer Ausstellung mit Videosequenzen zur jüngsten deutschen Geschichte im „Haus der Geschichte“ Bonn.<br /><br />Lobenswert ist, dass sich die drei Projektgruppen weitgehend selbst organisiert haben und bei der Präsentation ein sehr förderliches technisches Know-how eingebracht haben. Die Präsentation wurde mit viel Engagement und Liebe zum Detail erstellt.<br /><br />Als Deutschlehrerin betrachte ich diese Studienreise als einmalige Gelegenheit, die deutsche Sprache nicht nur während des Kurses, sondern auch außerhalb, bei Museumsbesuchen und Stadterkundungen aktiv zu gebrauchen, soziale Kompetenzen zu erlernen und Vorurteile abzubauen. Eine solche Klassenfahrt fordert die Teamfähigkeit und ist auch eine Abwechslung vom trockenen Unterricht in der Schule. Sie ist, meiner Meinung nach, ein „außerschulischer Lernort“. Ihr wichtigsten Ziel ist jedoch die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls. Die Schüler lernen besser miteinander auszukommen und sich füreinan-der einzusetzen. So lernen sie auch etwas für das Leben. <br /><br />Flughafen Otopeni: Man fragt nach mitgebrachten Objekten. Die Antwort bleibt nicht aus: „Unermessliche Kostbarkeiten“. Die Koffer werden nicht geöffnet. Der Zollbeamte hat gewiss verstanden, dass Mehrwissen zollfrei ist.]]></content:encoded>
			<category>Karpatenrundschau</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 04:09:00 +0400</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Anerkennende und ausführliche Berichterstattung  zum 21. Sachsentreffen in Kronstadt (V)</title>
			<link>http://www.adz.ro/karpatenrundschau/artikel-karpatenrundschau/artikel/anerkennende-und-ausfuehrliche-berichterstattung-zum-21-sachsentreffen-in-kronstadt-v/</link>
			<description>„Weidenbächer Heimatblatt“(55. Ausgabe, Dezember 2011)Gleich zwei Ankündigungen sind einleitend zu...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>„Weidenbächer Heimatblatt“</strong><br />(55. Ausgabe, Dezember 2011)<br /><br />Gleich zwei Ankündigungen sind einleitend zu dieser Ausgabe der Publikation  von Interesse für die Weidenbächer. Erstens deren Treffen, das am 29. September 2012 in Rothenburg ob der Tauber stattfindet. In der nächsten Ausgabe der Publikation, die im Juni erscheint, werden weitere Details geboten. Zweitens ist ein Aufruf des Vorstandes der Heimatortsgemeinschaft zu erwähnen, der freiwillige Helfer für die Instandsetzung der Friedhofsmauer in Weidenbach sucht. Es folgt der reiche Inhalt, in dem einleitend die Weihnachtsbotschaft von Pfarrer Uwe Seidner zu lesen ist. <br /><br />In seinem Editorial geht Nachbarvater Klaus Oyntzen auf die wichtigen Ereignisse des Vorjahres, dem Heimattag in Dinkelsbühl und das Sachsentreffen in Kronstadt ein, denen dann weitere Beiträge im Inhalt der Ausgabe gewidmet werden. Sein Dank richtet sich an alle Weidenbächer, die Beiträge an die Publikation richten, für die Spenden und wünscht allen ein erfolgreiches neues Jahr 2012.<br /><br />In der professionell gestalteten Publikation sind dann anschauliche Berichte zu lesen. Anne Oyntzen schreibt über die in Neustadt organisierte Festlichkeit im Vorjahr, die dem 800. Jubiläum des Deutschen Ordens gewidmet wurde. Karl-Heinz Brenndörfer bietet viel Information über das in Kronstadt am 17. September 2011 stattgefundene Sachsentreffen. Es war auch ein Anlass für die Teilnehmer an der nach Kronstadt organisierten Reise, neue Eindrücke zu gewinnen, Begegnungen mit den hiesigen Vertretern von Kirche und Forum, in den Heimatortschaften zu haben.<br /><br />Anne und Klaus Oyntzen berichten auch über das in Radeln eröffnete Heim der Peter Maffay-Stiftung, Otto Dück bietet Erinnerungen an eine Studienreise  mit einer Gruppe Senioren aus Gröbenzell durch Rumänien, die keine familiäre Bindungen zu diesem Land haben. Zahlreiche Fotos   von deren Besuch in Weidenbach sind sprechend. <br /><br />Zwei Beiträge sind Lehrerinnen gewidmet. Anne Oyntzen schreibt über Lehrerin Hermine Melas (1864 – 1951) aus Reps, Heidemarie Komor führt ein Gespräch mit Heidrun Jesch über ihre didaktische Karriere und  der erfolgten Ausreise.  Die rund 50 Seiten fassende Publikation bietet weitere interessante Beiträge und viel Bildinformation.<br /><br /><strong>„Wolkendorfer Heimatblatt“</strong><br />(Nr. 36, Dezember 2011)<br /><br />Die Farbillustrationen des Titelblattes mit der Wolkendorfer Kirche und einer Innenansicht von der Weihnachtsfeier 1983, die in dieser damals stattfand, führen in die Festatmosphäre zum Jahresende ein. Einleitend werden gleich mehrere Informationen bezüglich Wolkendorfer Chortreffen (13.-15.4.2012), über regionale Feiern und Veranstaltungen, Jugendaktivitäten, der Homepage, Adressänderungen u.a geboten. Auch richtet der HOG- Vorstand den Aufruf an die Wolkendorfer, sich mit Beiträgen für das Heimatblatt zu beteiligen. Weiter wird über das Wappen von Wolkendorf und der HOG berichtet, das vom Viehbrandzeichen von 1826 hervorgegangen ist. <br /><br /> Klaus Guess bietet einen kurzen Rückblick auf das Jahr 2011 bezüglich Beteiligung am Heimattag in Dinkelsbühl und dem Sachsentreffen in Kronstadt. 2011 war aber auch ein Jahr des Gedenkens für die Wolkendorfer, da vor 400 Jahren, 1611, Fürst Bathory das Dorf ausbrannte und die Bewohner grausam tötete. Dieser Katastrophe gedenkt in einem gut dokumentierten Bericht Gerlinde Becker. Eine ausführliche Dokumentation wird auch der 800 Jahre seit dem Einzug des Deutschen Ordens ins Burzenland gewidmet. <br /><br />Der Heimattag in Dinkelsbühl und das Sachsentreffen in Kronstadt sind Thema weiterer Berichte und Bildinformationen. Pfarrer Uwe Seidner schreibt ausführlich über den Besuch evangelischer Presbyter aus Wolkendorf, Neustadt und Weidenbach bei Glaubensgeschwistern in der Ukraine und in Russland. Und da die Publikation nur einmal pro Jahr erscheint, sind die Gedanken über Osterbräuche und deren Herkunft, gezeichnet von Anita Müller, nicht falsch am Platze. Über Ostern 2011 sind zwei weitere Berichte zu lesen, die zeigen, wie die Wolkendorfer in Deutschland feierten.<br /><br />Mehrere Reiseberichte, darunter  auch über das Donaudelta, eine Ausfahrt der Presbyter ins Harbachtal, über eine Erkundungsreise vom Indischen zum Atlantischen Ozean bieten eine angenehme Lektüre. Weitere Informationen aus der Heimatgemeinde wie auch eine Würdigung von Kurator Reinhard Beer anlässlich seines 75. Geburtstages ergänzen diese inhaltsreiche Ausgabe.<br /><br /><strong>„Zeidner Gruß“</strong><br />(Nr.111, Jahrgang 58, Dezember 2011)<br /><br />Schwerpunkt  in der Berichterstattung dieser Ausgabe ist die dritte Begegnung in Zeiden,  die vom 8. bis 10. September 2011 in der Heimat stattgefunden hat, und über die auch unsere Wochenschrift ausführlich berichtete. Allgemein war das Vorjahr, wie der erweiterte Vorstand der Zeidner Nachbarschaft in Deutschland in seiner Sitzung vom 8. Oktober 2011 feststellte, eines der ereignisreichsten Jahre seit Bestehen der Nachbarschaft. <br /><br />Einige dieser Höhepunkte vermerkt auch Nachbarvater Udo Buhn in seinem Editorial: Das 26. Zeidner Skitreffen, dann der Heimattag in Dinkelsbühl, an dem sich die HOG mit 70 aktiven Zeidnern beteiligte und den es auch mitgestaltete; es folgte die dritte Begegnung in Zeiden, das große Sachsentreffen in Kronstadt, das eine Woche darauf stattfand. Auch wird schon zum nächsten, großen Nachbarschaftstreffen nach Friedrichroda eingeladen, das vom 7. - 10. Juni 2012 stattfindet.  Für das Konzept und Redigierung eines Großteils der Materialien dieser Ausgabe zeichnet Hans Königes. Übrigens richten wir auch unseren Dank an ihn, da er uns zwei gebrauchte, aber leistungsfähige Computer für die Redaktion als Spende aus Deutschland vermitteln konnte.<br /><br />Mehrere Seiten dieser Ausgabe sind der Zeidner Begegnung gewidmet. Sowohl ein diesbezüglicher ausführlicher Bericht und zahlreiche Illustrationen bieten einen Einblick in diese niveauvolle Veranstaltung, die im September des Vorjahres in der Heimat stattgefunden hat. Sowohl die Eröffnung in dem Innenhof der Zeidner Kirchenburg, den dabei gebotenen Grußbotschaften von Veranstaltern und Ehrengästen, der Gottesdienst und die zu Herzen gehende Predigt von Pfarrer Andreas Hartig, der Festvortrag von Dr. Liviu Câmpeanu, der Bunte Nachmittag, die stattgefundenen Aussprachen zwischen dem Vorstand der Heimatortsgemeinschaft Zeiden in Deutschland, dem Vorsitzenden Udo Buhn mit der hiesigen Kirchenvertretung, Stadt- und Schulleitung, an der auch der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt, Wolfgang Wittstock, teilgenommen hat, all diese bezeichnenden Momente der Veranstaltung finden ihr Echo in dem Bericht,  aber auch in weiteren Eindrücken, die in dieser Ausgabe zu lesen sind. Auch der Reparatur der Orgel durch Orgelbauer Hermann Binder wird Beachtung geschenkt. Dafür hat, wie auch wir in unserer Wochenschrift zu der Zeit berichteten, der HOG-Vorstand  eine Spende von fast 12.000 Euro an die Zeidner Kirchengemeinde überbracht. <br /><br />Ebenfalls Hans Königes bietet einen kurzen, doch ansprechenden Bildbericht über das in Kronstadt stattgefundenen 21. Sachsentreffen, das in bleibender Erinnerung einen Platz gefunden hat. Gleicher Autor berichtet auch über das Heimattreffen 2011 in Dinkelsbühl, an dem sich die Zeidner wie immer von ihrer besten Seite zeigten und auch einen wesentlichen organisatorischen Beitrag erbrachten. <br /><br />Und immer wieder sind die Bildimpressionen beeindruckend, sowohl durch Aussage als auch deren Qualität, wobei Fotobeiträge von mehreren Mitarbeitern der Publikation verwendet wurde. Vorgestellt werden Rudolf Rekkert, Mitglied im Zeidner Stadtrat, sowie Lehrerin Karmina Vlădilă. Mehrere Berichte von Begegnungen, Treffen, sonstigen Veranstaltungen ergänzen den Inhalt der Ausgabe.<br /><br />Einen schweren Verlust verzeichnete die Zeidner Nachbarschaft im Oktober 2011 durch den Tod von Altnachbarvater Balduin Herter. Geboren 1926 in Zeiden, wurde er nach der Deportation 1947 nach Deutschland entlassen, wo er anfangs Mitarbeiter am Institut für Auslandsbeziehungen war, anschließend Lektor an einem Heidelberger Verlag. Herter begründete 1953 mit anderen Zeidner Freunden die Zeidner Nachbarschaft in Deutschland, deren Vorsitzender er von 1954 bis 1980 war. Dr. Harald Roth bezeichnet ihn in seinem Nachruf als „sächsische Institution“.<br /><br />Die Lektüre der zum Jahresende erschienen Publikationen der Burzenländer Heimatortsgemeinschaften in Deutschland ist aufschlussreich und informativ; sie tragen zum Zusammenhalt der hier oder dort lebenden Gemeindeglieder wesentlich bei.<br /><br /> <em>(Schluss) </em>]]></content:encoded>
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			<pubDate>Sat, 18 Feb 2012 06:29:00 +0400</pubDate>
			
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			<title>Die Pocken</title>
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			<content:encoded><![CDATA[Zu den Schrecken der Vergangenheit gehörten neben Krieg und Hungersnot, auch eine Reihe von Seuchen. Nachdem in der „Karpatenrundschau“  schon über zwei dieser Geißeln der Menschheit, die Pest und die Cholera, geschrieben wurde, folgt nun die dritte: die Pocken (oder Blattern). Alle drei haben seinerzeit auch bei uns in Siebenbürgen und in Kronstadt unsäglich viel menschliche und wirtschaftliche Not verursacht.<br /><br />Die Pocken sind die älteste dieser Seuchen, sie wurden 1980 von der WHO (die  Weltgesundheitsorganisation)  als weltweit erlöscht erklärt.<br />Nur in Laboratorien, im Westen wie in Russland, werden noch Pockenviren aufbewahrt, um im Falle eines unerwarteten Auftreten der Krankheit die Möglichkeit zu haben, Impfstoffe herzustellen. <br /><br />Allerdings ist seit der weltweiten Aufhebung der Impfpflicht die Angst vor terroristischen Angriffen mit biologischen Waffen, darunter  auch Pockenviren, nicht gewichen. <br /><br />Die Pocken sind schon in den ältesten Zeiten eine gefährliche Seuche gewesen. An vielen Mumien des alten Ägyptens sind zweifelsfrei Pockennarben festgestellt worden. Viele Forscher sehen in der im Alten Testament berichteten 6. Plage, mit der Gott Ägypten heimgesucht hatte, weil der Pharao sich weigerte die Juden aus seinem Reich zu entlassen, eine Pockenepidemie.<br />In Europa treten die Pocken um 165 n. Ch. als „antoninische Pest“ das erste Mal auf,  sie  verheert den Kontinent bis zum Rhein und Donau.<br /><br />Durch die Kreuzzüge und den sich ausdehnenden Handel im Mittelmeer werden die Pocken nach ganz Europa eingeschleppt. In die neu entdeckten Erdteile, Amerika und Australien bringen die Europäer die Krankheit mit verheerenden Folgen für die Urbevölkerungen.<br /><br />Im 18. Jahrhundert lösen die Pocken die Pest als gefährlichste Seuche ab; es starben jährlich bis 400.000 Menschen. Vor allem Kinder wurden von der Krankheit hingerafft, so dass zeitweilig ein Kind erst wenn es von den Pocken genesen war, als wirklicher Mensch betrachtet wurde. Die letzten Erkrankungen in Europa finden wir 1950 in Glasgow, 1958 in Heidelberg, 1963 in Breslau und 1967 in der Tschechoslowakei. 1975 wurde in Bangladesch der letzte Pockenfall verzeichnet, so dass die WHO  1980 die erst 1967 weltweit durchgesetzte Impfpflicht wieder aufhebt.<br /><br />Wie äußerten sich die Pocken/Blattern?<br /><br />Die Infektion erfolgte durch beim Husten oder Niesen ausgeschiedene Viren, die Inkubationszeit dauerte 1-2 Wochen. Die Krankheit begann mit Kreuzschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Rachenkatarrh, nach etwa 6 Tagen traten die Pusteln mit unangenehmem Geruch am ganzen Körper auf. Bei leichten Fällen trockneten die Pusteln nach 2 Wochen ab, es blieben die typischen Pockennarben zurück. In schweren Fällen kam es zu Erblinden, Taubheit, Lähmungen und  Hirnschäden. In etwa 30 Prozent der Fälle endete die Krankheit tödlich. <br /><br />Schon vor 3000 Jahren wurde in China, später auch in Indien versucht, eine Impfung mit dem Inhalt der Pusteln, also den lebenden Viren, durchzuführen, was zu vielen Todesfällen führte. 1771 entdeckt der englische Arzt Jenner, dass eine Infektion mit den Kuhpocken gegen die echten Pocken immunisiert. 1796 führt er dann die Impfung in England ein. Als erstes Land führt 1807 Bayern die Pflichtimpfung ein, es folgen 1815 Baden, 1816 Schweden, 1867 England, 1874 das Deutsche Reich.<br /><br />Trotz Impfpflicht kam es immer wieder zu Rückschlägen, denn die Schutzimpfung musste wiederholt werden, damit ein dauerhafter Schutz gewährleistet wurde. Dazu kommt, dass die Impfung präventiv durchgeführt werden musste. Nach Ausbruch der Krankheit gab es keine Möglichkeit, die Heilung zu bewirken.<br /><br />Ich kann mich noch gut erinnern wie, als ich in der 2. oder 3. Klasse war, die Pockenimpfung wiederholt wurde: Wir Kinder standen im Schulhof in Reih und Glied, eine Krankenschwester hatte auf einem Tische die Fläschchen mit dem Serum, eine Spirituslampe und verschiedene andere Utensilien ausgebreitet. Dann zog sie eine Schreibfeder, die in einem Federstiel befestigt war, durch die Flamme der Lampe und ritzte mit der Feder, die sie vorher in das Serum getaucht hatte, den Oberarm des ersten Kindes. Dann kam die Feder wieder in die Flamme und in das Serum und das nächste Kind war dran. Das ging alles so schnell, dass wir nicht einmal zum Jammern und Weinen kamen.  Eine heute nicht mehr vorstellbare Prozedur.<br /><br />Sehen wir nun, wie sich die Pocken bei uns, in Kronstadt ausgewirkt haben. Hier folgen wir dem von uns schon so oft bemühten Dr. Gusbeth.<br />Aus  den älteren Berichten erfahren wir wenig über die Pocken. Tartler erwähnt in seinen „Collectaneen“, dass es 1601/1602 viele Tote durch die Pocken gab. 1724 sterben viele Kinder an der Seuche. Gusbeth führt die spärlichen Quellen darauf zurück, dass die Pocken im Gegensatz zu der Pest, als eine einheimische Krankheit angesehen wurde und deshalb weniger Beachtung fanden.<br /><br />Anfang des 19. Jahrhundert führt Dr. Barbenius die Pockenschutzimpfung nach Jenner  mit gutem Erfolg in Kronstadt ein. Aber in dem zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts gibt es einen Rückfall, denn der Impfschutz wurde  nicht konsequent durchgeführt und wiederholt, so dass die Krankheit  sich wieder ausbreiten konnte. Schwere Epidemien gab es 1795 und 1801, aber von diesen sind keine Zahlen bekannt, denn die Pocken wurden nicht separat als Todesursache geführt. <br /><br />Bei der Epidemie von 1835/36 gab es 69 Tote, 1841/42 schon 331, 1850 – 1852 sind es 93. In den Jahren 1873/1874 war eine schwere Epidemie mit 640 und 1880/1881 mit 470 Toten zu beklagen. Die letzte Epidemie begann im Juli 1880 mit 35 Erkrankungen, deren Zahl stieg stetig bis im Dezember, als mit 488 Fällen der Höhepunkt erreicht war. Dann begann sie langsam abzuflauen um im Juli 1881 zu erlöschen. Zwischen Oktober 1880 und Februar 1881 wurden 74 Prozent der Fälle verzeichnet. Von den 1965 Erkrankten starben 472, das heißt 24 Prozent. Von den Erkrankten waren 28,9 Prozent geimpft, von den Verstorbenen aber nur 14 Prozent. <br /><br />Die Stadtverwaltung blieb nicht untätig. Die Stadt wurde in fünf Epidemiebezirke eingeteilt, in jedem Bezirk wurden die Armen von zwei Ärzten unentgeltlich behandelt, für Mittellose stellte die Stadt die Medikamente kostenlos zur Verfügung. Die Kranken wurden isoliert, die Schulen gesperrt, alle öffentlichen Unterhaltungen verboten, der Handel eingeschränkt, das ganze Leben in der Stadt war von der Krankheit geprägt.<br />Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in den andern Städten Siebenbürgens. Bis  zum Ende des 19. Jahrhunderts sind nur die Jahre 1874 – 1880 frei von Pocken gewesen.     <br /><br />Hinter diesen trockenen Tatsachen stehen aber unzählige Menschenschicksale. Not durch den Verlust des Familienvaters oder der Mutter, Trauer um die zu früh gestorbenen Kinder, lebenslange Verunstaltung durch die Pockennarben sind heute kaum noch vorstellbare Folgen der Pocken gewesen. <br /><br />Der Sieg über die Pocken ist leider der einzige, den die WHO im Kampfe gegen die auch heute noch verheerenden Krankheiten errungen hat. Wir erinnern: Tuberkulose, Typhus, Syphilis, Hepatitis, Malaria und als neueste „Errungenschaft“ AIDS haben bis heute allen Anstrengungen widerstanden.<br /><br /> Im Gegenteil, es scheint, dass Krankheiten, die aus Europa verschwunden waren, wie etwa die Malaria, durch den Klimawandel bedingt, wieder auch auf unserm Kontinent vordringen. Auch die Tuberkulose konnte noch nicht besiegt werden, viele Erregerstämme sind  resistent gegen die herkömmlichen und auch gegen moderne Medikamente geworden, so dass ihre Bekämpfung immer schwerer wird. Selbst so banale Krankheiten  wie die Grippe, hat durch neue Abarten (Vogelgrippe und Schweinegrippe) in den letzten Jahren durch ihre große Virulenz für Aufregung und Panik gesorgt.]]></content:encoded>
			<category>Karpatenrundschau</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 18 Feb 2012 04:33:00 +0400</pubDate>
			
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