Burzenländer sächsische Ortschaften online

Nachbarschaften-Webseiten im Überblick (II)

Freitag, 16. Dezember 2011

Ein Aquarell von Renate Mildner-Müller. Die Homepage der HOG Kronstadt enthält auch einen Link zur Webseite der Kronstädter Künstlerin, die seit 1977 in Deutschland lebt. Foto: www.re-mildner-mueller.de

Eine der alten Postkarten auf der Webseite der HOG-Regionalgruppe Burzenland zeigt den Kronstädter Rudolfsring. Heute befindet sich anstelle der ehemaligen reformierten Kirche der neue Flügel des Aro-Hotels. Foto: www.burzenland.de

In Fortsetzung der virtuellen Besuche von voriger Woche, klicken wir  heute auf die Webseiten der Heimatortsgemeinschaften Kronstadt, Marienburg und Nussbach, die uns mit Nachrichten, Mitteilungsblättern, Bildergalerien und Hinweisen auf interessante Publikationen und Veranstaltungen empfangen.  

HOG Kronstadt


Die Kronstädter in Deutschland präsentieren im Netz unter www.hog-kronstadt.de die Ortsteile Bartholomä, Blumenau, Innere Stadt, Martinsberg und Obere Vorstadt. Für diejenigen, „die die ‘Neue Kronstädter Zeitung’ noch nicht kennen“, gibt es hier „eine Kostprobe“ und einen Bestellcoupon.
Im Bereich „Heimat Geschichte“ steht u. a. ein lustiger Text, den man herunterladen sollte. Es handelt sich um ein neunseitiges „Wörterbuch siebenbürgisch-deutsch“, welches als Gemeinschaftswerk der Teilnehmer an einem Siebenbürger Skilager in Deutschland entstanden ist. Die Anregung dazu hatte ein Nichtsiebenbürger geliefert, mit der verwunderten Frage „Was ist ein Otata ?“. Beim Text geht es, wohlbemerkt, nicht um Vokabeln und Redewendungen in sächsischer Mundart, sondern um Wörter, „die im täglichen Gebrauch der hochdeutschen Sprache (in Siebenbürgen) Aufnahme gefunden haben“. Der Leser erfährt hier, dass es sich bei „Aufboden“ um den Dachboden handelt, bei den „Augengläsern“ um die Brille, bei den „Bokantschen“ um die Bergschuhe, beim „Eiskasten“ um den Kühlschrank, bei „Hetschenpetsch“ um Hagebutten, bei der „Godi“ um die Taufpatin und beim „Otata“ selbstverständlich um den Großvater! Noch lustiger sind die Definitionen für „betickelt“ („leicht - oder mehr – angeheitert“) sowie für „Grammeln“ („beim Erhitzen von Speck übrigbleibende feste Bestandteile, die gerne gesalzen gegessen werden; salzige Nascherei“). Ein „Schmarrn“ (=Unsinn) ist ein derartiges Projekt keinesfalls, eher etwas recht „Strammes” (zu Hochdeutsch „Tolles“)!

Bemerkenswert im umfassenden Webseiten-Bereich  „Kunst und Kultur“ sind die Burzenländer Heimatkalender von 2002 bis 2004, die als Bildergalerie aufgerufen werden können. Man kann nur hoffen, dass bald auch die anderen Ausgaben hinzukommen werden. Interessant für Genealogie-Begeisterte sind zudem die Infos von der „Arbeitsgruppe Matrikelkartei“, z. B. Texte wie „Matrikeln erzählen“ oder „Die Kirchenbuchverkartung von Kronstadt auf CD-ROM“, wo es um die Digitalisierung der Kronstädter Kirchenbücher geht.

HOG Marienburg 

Gleich auf der Startseite www.marienburg-burzenland.de steht ein inspiratives Adventsgedicht von Elise Hennek, dessen Schlusszeilen wir zitieren: „Des Jahres Hektik langsam schwindet/und Ruhe endlich Einkehr findet./Ein Tag, er kann kaum schöner sein,/als im Advent bei Kerzenschein.“
Unter „Aktuelles“ werden Artikel mit Marienburg-Bezug verlinkt, die in der ADZ/„Karpatenrundschau“ oder in der „Siebenbürgischen Zeitung“ erschienen sind (Letztere wird allerdings „Siebenbürger Zeitung“ genannt – ein Fehler, dem man oft begegnet).

Die zusammengefasste Geschichte der 1981 gegründeten HOG, sowie ein Hinweis zur „Marienburger Chronik“ von Georg Janesch (Troll), Hans Mendgen und Kurt Stephani (1987) informieren über Gemeinde und Gemeinschaft. Aus den Infos zur Historie der einstigen Ritterorden-Gründung erfährt man z. B. dass erst 1698 zugewanderte Rumänen erwähnt worden sind, wobei sich 1857 „die Bevölkerung aus 55% Rumänen und 45% Sachsen zusammensetzt.“
Die Webseite stellt zudem ein umfassendes Archiv zur Verfügung: alle Heimatblätter oder „Marienburger Nachrichten“ seit 1981 können als PDF-Dateien heruntergeladen werden.

HOG Neustadt

Die moderne Homepage www.neustadt-kr.de wird lustig eingeleitet: „Orte mit Namen ‘Neustadt’ gibt es weltweit und unzählige Male. Suchen Sie Neustadt an der Weinstraße, an der Saale, an der Aisch ... Wiener Neustadt? Oder gar New York, Napoli, Nowgorod? Die alle werden Sie hier nicht finden. Falls Sie jedoch etwas über Neustadt im Burzenland wissen wollen, dann sind Sie hier genau richtig. Gehen Sie mit in den Osten Europas, nach Siebenbürgen, ins Burzenland ...“

Diejenigen, die im virtuellen Raum „mitgehen“, finden ein ausführliches Ortsporträt des sächsischen „Nooscht“ samt Gründungssagen, Infos zu Siegel, Wappen und Fahnen und Zeittafel. Zur Umgebung der Gemeinde gehört selbstverständlich der Zeidner Berg, „der Wetterprophet“ der Neustädter: „Hat er einen Hut, steht das Wetter gut,/hat er einen Kragen, kann man es noch wagen,/hat er einen Säbel, gibt es Nebel,/hat er einen Degen, dann gibt’s Regen.“ Sehenswürdigkeiten wie Kirche, Wehrburg oder Schule werden mit Humor präsentiert: „Landsleuten, die es nicht schon längst erkannt hatten, denen dürfte es zumindest allmählich bewusst geworden sein, dass unsere siebenbürgischen Heimatorte durchaus sehenswert sind.“ Weniger angenehm, aber realitätsgetreu klingt der Hinweis: „Mit dem Schwinden der sächsischen Bevölkerung sind die Orte im Begriff, ihre sächsische Prägung zu verlieren.“

Informativ vor allem für die jüngeren Leser dürfte ein Text über die Nachbarschaften sein, welcher auch folgendes Zitat aus einer Satzung von 1921 beinhaltet: „Die Nachbarschaft dient dem Zweck, gegenseitige Selbsthilfe der Nachbarn zu fördern, nachbarlich-brüderliche Gesinnung zu pflegen, ehrbare evangelische Lebensführung und gute sächsische Sitte unter den Gemeindegliedern aufrecht zu erhalten, den Stolz und die Freude ebenso an dem ererbten väterlichen Besitz, wie an der Zugehörigkeit zur Volks- und Kirchengemeinschaft und an der Heimat zu wecken und zu beleben, überhaupt alle auf die Volkswohlfahrt und Heimatpflege gerichteten Bestrebungen der Behörden, Vereine und Genossenschaften des Heimatortes fördern zu helfen.“

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*