Das erfundene Leben der Papiermenschen

Eine etwas andere Fotografie-Ausstellung

Samstag, 20. September 2014

Wer bis Ende September ins Teehaus „Ceai etc“ (Str. Latină nr. 15) geht, kann eine äußerst originelle Fotografie-Ausstellung auf den Wänden bewundern. Es sind keine Porträts von Menschen,  denen wir täglich auf der Straße, im Bus, im Supermarkt oder am Arbeitsplatz begegnen, weil alle Leute in den Fotos pure Erfindung der Fotografin Alina Andrei sind. Sie wurden von ihr durch Zeichnungen ins Leben gerufen und anschließend fotografiert. Ähnlich wie in Comics erscheinen in Wortblasen auch die Gedanken der Papiermenschen auf den Fotos.

Unter dem Namen „Wenn ich keine Modelle habe, fotografiere ich sie“/ „Când nu am modele, îi fotografiez pe ei”, stellt die Kronstädterin eine gesamte Personengalerie zusammen. „In den Fotografien habe ich Menschen aus Fleisch und Blut durch Papiermenschen ersetzt. Es sind in den meisten Fällen Phantasie-gestalten. Es geht um Realität und Illusion und um die Weise, wie Leute fotografiert werden wollen. Die Aufforderung ‘Mach ein Foto von mir’ bekommen alle Fotografen zu hören. Die Worte sind immer die gleichen, aber jeder, der fotografiert wird, denkt sich etwas Anderes dabei.

Die meisten wünschen sich Porträts, in denen sie gut aussehen, weil sie hoffen, dass sie auf diese Weise verewigt werden. Über viele Jahre werden ihre Fotos in verstaubten Schuh-Boxen, auf kaputten Computer-Speichern und in alten Schränken landen. Die Ausstellung besteht  aus Phantasie-Fotografien, die ich alle in meinem Kopf sehe, wenn ich meinen Fotoapparat zu Hause vergesse“, so erklärt Alina Andrei das Konzept der Ausstellung.

„Mach ein Foto von mir wenn ich glücklich bin, damit es auch später da ist“, „Mach ein Foto von mir auf dem Flughafen bevor ich auf eine leere Insel fliege“, „Fotografiere nur meine Hand, ich will mich verstecken“, „Ich will auf dem Foto nicht wie eine Bibliothekarin aussehen. Fotografiere mich, als ob ich eine Kreuzfahrt auf dem Amazonas machen würde“ – das denken die Papiermenschen. Es gibt auch Fotografien ohne Gedanken, wie etwa „Gruppenfoto mit den Freunden, die dich nicht anrufen und die du auch niemals anrufst“, „Nacht-Fotografie mit Traumtänzern“ oder „Die letzte Party vor der nächsten Party“.

Die Papierwelt, in die wir als Besucher der Ausstellung treten, ähnelt unserer Welt sehr stark und in vielen Gedanken der Papiermenschen erkennt man sich selbst. Alle Fotos wurden bei natürlichem Licht geschossen. Die Ausstellung kann bis zum 30. September, täglich ab 14 Uhr, besucht werden. Mehr von Alina Andrei auf alinaandrei.blogspot.com

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