Die Magie der Phantasie

Interaktives Figurentheater in Kronstadt

Freitag, 01. Juni 2018

Mama Muh und die Krähe singen.
Foto: die Verfasserin

Am Montag, dem 21. Mai, strömten kurz vor 10 Uhr Scharen von Kindergartenkindern in das „Redoute“-Kulturzentrum. Schön gekleidet, manche Mädchen in sommerlichen Kleidchen, mit Halskettchen und schicken Frisuren, Jungen dagegen mit Fliege und Hemd, kamen die Kleinen zu zweit, Hand in Hand, in Begleitung ihrer Kindergärtnerinnen oder Eltern und Großeltern sowohl beim Vorder-, wie auch beim Hintereingang herein. Ihre Stimmen ertönten im ganzen Gebäude, es schien große Aufregung zu herrschen. Und zu Recht: denn sie gingen zu einem Treffen mit Mama Muh und ihrer besten Freundin, der Krähe. Rund 350 erwartungsvolle neugierige Blicke schauten auf die Bühne: da stand ein großer Baum, darunter eine Wiese aus grünem Stoff und daneben ein bemaltes Leintuch auf dem ein Baum dargestellt und offensichtlich auch eine kleine Tür angebracht war.

Im großen Saal des Gebäudes wurden die Zuschauer von Roxana Florescu, Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Kronstadt (DKK), willkommen geheißen und danach von einem hohen, schlanken Mann, der auf die Bühne trat: Lothar Lempp. Er redete mit den Kindern als wäre er selbst eines von ihnen und spielte auf der selbstgebastelten Maultrommel und der Nasenflöte einige Melodien vor, sodass die Kleinen gefesselt waren und es, mit kleinen Schwankungen, bis zum Ende der Aufführung des Figurentheaters „Mama Muh und der Kletterbaum“ geblieben sind. Denn die beiden Hauptdarstellerinnen, die Kuh Mama Muh und die Krähe, haben eine witzige Geschichte über das Dranbleiben an den eigenen Wünschen, trotz Entmutigungen von anderen. Die Kuh schaffte es, mithilfe der engagierten „Hau-Ruck!“-Rufe der Kinder, in einen Baum zu klettern und es gelang ihr dann auch wieder hinunter, die eher stolze und eingebildete Krähe hingegen fiel vom Baum und musste von einem freiwilligen Kind, das auf die Bühne durfte, verarztet werden und kriegte ein Pflaster auf die Stirn geklebt. Das Duett des Komikerpaars war köstlich anzuhören, wahrscheinlich aber nicht leicht für den Puppenspieler durchzuführen, der andauernd zwischen einer krächzenden, lebhaften Stimme und einer tiefen, ruhigen Stimme wechselte.

Das Gekicher und das Lachen, die Rufe und Ermutigungen der Kinder, die gesamte Interaktion der Kleinen mit den Charakteren auf der Bühne erfreute Lempp sehr, der zum ersten Mal vor so einem zahlreichen Publikum aufgetreten ist und zudem erstmals im Ausland sein Figurentheater präsentierte.

Nach der Vorführung ließen sich die beiden Hauptdarstelle-rinnen von den Kindern streicheln und der Künstler beantwortete die Fragen der Neugierigen.
Auch die rund 280 Schulkinder waren mit Leib und Seele bei der 50-minütigen Vorführung dabei.

Die Magie erlernen

Über die Anwendung des Handpuppenspiels und dessen Vorteile bei der Arbeit im Unterricht sprach der deutsche Gast aus Bad Mergentheim am Sonntag, dem 20. Mai. Im Rahmen des Workshops „Theatertechniken für Handpuppenspiel, Schwarzlicht und Improvisation“ lud er, zusammen mit Fortbildnerin Mihaela Litean, Erzieherinnen und Lehrerinnen aus Kronstadt, die in deutscher Sprache unterrichten, auch in die magische Welt des Schwarzlichttheaters ein. In Musikklängen spielten weiße Puppen in einem völlig verdunkelten Raum ein kurzes improvisiertes Theaterstück. Dabei waren die Teilnehmerinnen komplett in Schwarz gekleidet, sodass nur das Weiß in der Luft schwebte. Der märchenhafte Effekt dieser Technik spornte manche der Anwesenden an, Schwarzlichttheater mit Kindern auszuprobieren, zumal es die Konzentration und die Kommunikationsfähigkeiten der Kleinen fördere und auch schüchternen Kindern die Möglichkeit gibt, sich in Anwesenheit anderer frei zu entfalten, da sie die schwarze Kleidung im dunklen Raum „unsichtbar“ macht. Trotz des Zaubers und der positiven Wirkung auf Klein und Groß ist diese Methode, die in Deutschland im pädagogischen Rahmen oft angewendet wird, hierzulande eher unbekannt. Eine Schwarzlichtlampe, schwarze Tücher, oder schwarzer Karton, schwarze Kleidung, sowie weiße oder neonfarbene Gegenstände können, zumindest für staatliche Kindergärten, ein Hindernis dafür sein.

Eine Werkstätte für Lehrkräfte deutscher Kindergärten und Schulen hat das Deutsche Kulturzentrum auch im Vorjahr organisiert, als der deutsche Puppenspieler Bernd Linde die Verwendung von Handpuppen im Unterricht vorgestellt hat. Diese Art Workshops, sowie Theateraufführungen deutscher Künstler sollen jährlich stattfinden.

Das große Kind

Seit 2001 bietet Lothar Lempp Phantasiereisen durch seine Objekt-, Figuren- oder Clowntheater hauptsächlich in Kindergärten und Büchereien in Deutschland. Die Stücke inszeniert und spielt er selber, wie die in Deutschland beliebte Geschichte von der Mama Muh, nach dem Bilderbuch von Sven Nordqvist und Jujja Wieslander. Seine Figuren bastelt er selbst, was ihm eine ganz besondere Verbindung zu ihnen vermittelt. Wie ein Kind verbringt er viel Zeit mit Spielen, mit Puppen, mit Basteln und lächelt, sobald er eine Handpuppe aufsetzt.

Neben den verschiedenen Theaterformen, die er betreibt, ist der Bildhauerei-Absolvent von Kaleidoskopen fasziniert. Er stellt Schönbildschauer her und ist mit seiner mobilen Kaleidoskopausstellung bei unterschiedlichen Veranstaltungen dabei.

So bunt wie die Bilder seiner Kaleidoskope scheint auch die Welt von Lothar Lempp zu sein.

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