Die Schulerau bei Kronstadt

Nutzung im 16. Jahrhundert durch die von Honterus neu gegründete Stadtschule und frühe Waldnutzung (II)

Sonntag, 11. Dezember 2011

Der „alte Serpetinenweg“ war vermutlich auch der Weg der Gymnasiasten zu Schulerau und Schuler.
Foto: Ralf Sudrigian

Etwa zu gleicher Zeit kam auf Bitten des Magistrates Johannes Honterus nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Basel und Krakau wieder nach Kronstadt zurück. Er brachte nach Kronstadt den Geist der Reformation aus Wittenberg, den Geist der Neuordnung des  gesamten Schulwesens sowie die erste, sowohl geistige als  auch materiell-technische  Möglichkeit des Buchdruckes.

Unmittelbar in Verbindung zur Schulerau steht die damalige Schulreform von Honterus und deren weitläufige  Tragweite: durch die Gründung der neuen  Kronstädter Stadtschule (neben der Marienkirche) war eines der ersten Anliegen Honterus‘ das Schulgeld abzuschaffen (vor allem bei der Gymnasialen Oberstufe) um somit allen Schülern eine entsprechende schulische Bildung zu ermöglichen. Die notwendigen Einkommen der Schule regelte damals eine Stiftung welcher ein Ratsherr vorstand. Es gab mehrere sehr unterschiedliche Einkunftsquellen für die Schule.

Dennoch fühlte sich die  Stadt Kronstadt  verpflichtet, zum Einkommen der Schule beizutragen indem sie dieser  das „Schüler Gebirge“ (Schuler), damals genannt auch „mons gymnicus“, vorerst schenkte. Damit floss ein Teil der aus der Verpachtung der Bergwiesen in der Schulerau erfolgten Einkommen in die Schulkasse. Die Schenkung dauerte laut Quellen („Geschichte des Kronstädter Gymnasiums. Eine Festgabe zur Dritten Säculärfeier desselben von Joseph Dück“. Kronstadt .1845) bis Ende des 16. Jahrhunderts.

Auch hatte sich nach der Schulreform in Kronstadt eine Tradition an der Schule eingebürgert genannt „ad montes ire“. Was die Schulerau und den Schuler betrifft, wurde vereinbart, dass die Schüler des Gymnasiums unter Aufsicht an jedem ersten Montag der vier Sommermonate in die Schulerau (Schuler) wandern durften. Vorgabe war, dass diese bis zur „Ave Maria Glocke“ (18 Uhr) wieder innerhalb der Stadtmauern (vor der Schließung der Stadttore über Nacht) sich befinden mussten. Unter den recht spärlichen Informationen über die Art und Weise wie diese Wanderungen damals verliefen, ist überliefert, dass damals mit der sogenannte „Adolescens“ (Schüler welche an diesen Wanderungen das erste Mal teilnahmen) etwas derbe Bräuche praktiziert wurden. Wer nämlich als „Adolescens“ zum ersten Mal diese Fahrt mitmachte, musste zu seiner Aufnahme und Gleichberechtigung mit den älteren Gymnasiasten erst durch ein derbes Bad geweiht werden.  Im Oberen Teil des Kronstädter Tales war stellenweise das Wasser zum Antrieb von Mühlenrädern gestaut. Bei der „Wollenweber – Walkmühle“ mussten die „Adolescens“ in das doch recht kalte  und knietiefe Wasser steigen und wurden von den um die Wasserstauung stehenden Kommilitonen mit Gefäßen mit kaltem Wasser begossen. Sie durften das kalte Wasser erst dann verlassen, wenn die „Senioren“ sie für genügend gereinigt und für die Aufnahme in ihrer Mitte  entsprechend würdig erklärt hatten. In der damaligen Studentensprache nannte man das gesamte Prozedere „das Prellen und Hobeln der Füchse“.

 Man sollte in Anbetracht der damaligen  Entwicklungsstufe der bestehenden Schulen sowie der im Vergleich zu den modernen Zeiten noch recht einfachen verfügbaren Mitteln  und dem noch fehlenden Geist der wissenschaftlichen Ordnung und Systematisierung der Schulfächer, diese Wanderung nicht mit einer naturwissenschaftlich geprägten Exkursion verwechseln, welche erst nach der „Aufklärung“, in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufkam.

Auch wissen wir nicht welchen Wanderweg die Schüler damals eingeschlagen hatten. Vermutlich war es der neu reparierte und hergestellte Saumweg (heute alter Serpentinenweg) der später über Jahrzehnte nie wieder gepflegt oder gewartet wurde. Die Wanderungen  müssen des öfteren recht abenteuerlich, wenn nicht manchmal sogar gefährlich gewesen sein. Nach manchen Autoren (H. Wachner: „Kronstädter Heimat und Wanderbuch“, Aldus Verlag Kronstadt. 1994.) fand die letzte Wanderung der Gymnasiasten im Jahre 1716 statt.

Anfang des 17. Jahrhunderts nahm die Stadt die Schenkung der Schulerau ans Gymnasium zurück, ließ aber die Nutzung für die Schüler sowie die materielle Unterstützung des Gymnasiums  unangetastet. Eine weitere Nutzung des gesamten Gebietes des Schulers und der Schulerau ist die Nutzung der Holzbestände der anliegenden Wälder. Diese hat mit Sicherheit gleich nach der systematischen Besiedlung des Kronstädter Tales begonnen, wahrscheinlich anfangs mit der Freilegung  des Siedlungsraumes mit teilweisen Rodungen. Über die eigentliche Nutzung des Waldes durch Holzschlag und spätmittelalterliche Aufforstung berichten die Quellen erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

Man unterschied schon damals zwischen dem Holzbedarf zur häuslichen Beheizung in öffentlichen und privaten Räumlichkeiten sowie für so genanntes „Bauholz“ mit Anwendungen im Hausbau, bei Brücken, Verschanzungen, beim Bau von Wegen  u.v.a.
 
Solange der Eingriff der Siedler in die bestehenden anliegenden Waldungen nicht erheblich war, ließ man den privaten Holzschlag ungesteuert. Da sich aber die Bevölkerung im Kronstädter Tal im 14.  und 15. Jahrhundert stark vermehrte  und der Holzschlag durch unsachgemäße Eingriffe  dem Wald Schaden zufügte, sah sich die Verwaltung der Stadt gezwungen,  Beschränkungen  und allgemein gültige Regeln für alle Bewohner einzuführen.

Die Quellen zur Geschichte der Stadt Kronstadt sprechen von einer der Stadt eignen „Waldordnung“, welche schon im 16. Jahrhundert  in Kronstadt vorhanden war. Das zur Stadt gehörende Forstgebiet wurde in zum Holzschlag „absolut verbotene“ und in  „zugelassene“ Gebiete aufgeteilt. In den „zugelassenen Bereichen“ durfte die Bevölkerung sich gegen einen belanglosen Entgelt das notwendige Holz selbst schlagen und nach Hause transportieren. Die Quellen berichten, dass die ärmere Bevölkerung aus „Corona“ zu diesem Zweck zeitweilig den Wald auf der der Stadt zugewandten Seite der Zinne benutzen durfte. Es handelte sich dabei meistens um am Boden umher liegendes Kleinholz und um Sträucher die abgeholzt wurden  und damit den Wald  eigentlich säuberten und  lichteten.

Obwohl erst in sehr viel späterer Zeit schriftlich belegt, war mit großer Wahrscheinlichkeit der Wald oberhalb der „Salomonsfelsen“  bis in die Schulerau schon im 16. Jahrhundert  der „verbotenen Zone“ zugeschlagen.
Das führte zwangsläufig zu ständigen Reibereien und Konflikten zwischen den Forstbeauftragten  der Stadt  und den Bewohnern der „Oberen Vorstadt“, die sich ihren Holzbedarf aus nächster Nähe, aus den Wäldern  an den rechts und links des Kronstädter Tales liegenden Berghängen sowie aus den Wäldern  auf dem Weg in die  Schulerau, wo die Trampelpfade der Herden entlangliefen, besorgten.  Die Hirten und Waldarbeiter aus der „Oberen Vorstadt“ zeigten meistens wenig Verständnis für Vorschriften und Einschränkungen. Oft wurden zum Heizen wertvolle Bäume gefällt und abtransportiert. Für das Wiederaufforsten kümmerte man sich nicht. Nicht selten wurden die Haustiere  (Ziegen, Schafe, Schweine)  aus der „Oberen Vorstadt“ in den Wald getrieben, wo diese durch „Verbiss“ junge  Baumtriebe vernichteten.
In Anbetracht dieser  Sachlage organisierte die Stadt eine Kontrolle des privaten Holzschlages durch so genannte „Schyzen“ („Schützen“), welche sich mit gut sichtbaren langen Stangen in Gebiete des Waldes begaben, wo das Holz geschlagen werden durfte, und überwachten, dass alle Arbeiten sachgemäß verliefen.

Die Quellen zur Geschichte der Stadt Kronstadt berichten zu Beginn des 16. Jahrhunderts über den Bestand  in der Stadt  (oder nahe der Stadt) eines stattlichen  „Holzmagazins“ („Horreum Civitatis“) in welchem rohes sowie bearbeitetes Holz (in Form von Brettern, Latten, Schindeln u. a.) für öffentliche Nutzung zur Verfügung stand. Das Holzmagazin war umzäunt und mit einer Türe verschlossen und aus den viele Rechnungen für Dachschindeln zur Reparatur der Überdachung zu schließen, mit Sicherheit auch überdacht. Es muss sehr weitläufig angelegt gewesen sein denn die Quellen erwähnen, dass die Stadt zeitweilig auf dem Gelände des Holzmagazins Kanonen untergebracht hatte. Wo sich dieses Holzmagazin damals befand ist leider nicht überliefert.

Was die Waldbestände der Schulerau betrifft, kann man schließen, dass trotz der Einordnung in die „verbotene Zone“, zeitweilig kontrollierter Holzschlag z. B. in der „Valea Oabenului“ zugelassen war. Die Quellen deuten auch etwas vage darauf hin, dass zu bestimmten Zeiten geschlagene Baumstämme  in der „Valea cu Apa“ auf  regulierten Wasserläufen zu Tale transportiert wurden.

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