Eiskalte Verwöhnung nach Nürnberger Rezept

Nach 26 Jahren in Nürnberg ist Cornel Medrea nach Kronstadt gezogen und bietet 100% natürliche Eiscreme an

Mittwoch, 20. Februar 2019

Cornel, Mira und Casian Medrea zusammen mit Mihai Medrea (Mitte) in der Eisdiele "Eis(kalt)"

„Tagesspezialität: Eiscreme mit Glühwein“. Bei dem kalten Wetter, das diese Tage in Kronstadt ist, liest man erstmals nur das Wort Glühwein. Vor dem Schaufenster glaubt man die Gewürze schon zu riechen und reibt die Hände aneinander, froh, dass man sich hier aufwärmen kann. Doch sobald man den Blick auf die Benennung des Lokals wirft wird einem kalt ums Herz: „Eis(kalt) – 100 % natürliches Eis“. Am Kronstädter Marktplatz Nummer 5, im Gebäude rechts von der orthodoxen Kathedrale, das viele Jahre lang als Lederwarengeschäft funktionierte, hat vor wenigen Monaten eine Eisdiele mit deutschem Namen eröffnet. Die Inhaber, Mira und Cornel Medrea, haben das Konzept aus Nürnberg importiert, wo Cornels kleiner Bruder, Mihai, erfolgreich drei Eisdielen betreibt.


„In Rumänien findet man innere Ruhe“

Die Eissorten von denen manche sehr ungewöhnlich sind, werden nach einem echten deutschen Rezept und ausschließlich mit natürlichen Zutaten hergestellt. Mit ihnen hat
der gebürtige Kronstädter Mihai Medrea zusammen mit seiner Freundin Katrin Nürnberg erobert. So steht Eis mit Schäufele (das geräucherte oder gepökelte Schulterstück vom Schwein), Eis mit Currywurst, aber auch Gurkeneis oder Eis mit Haferflocken in den Schaufenstern von „Eis im Glück“. Nun sollen auch die Einheimischen und Touristen in Kronstadt kosten, was wirklich gut ist, erklärt Cornel Medrea seine Entscheidung „Eis(kalt)“ zu gründen. Bis vor wenigen Jahren hat der nun 46-jährige in Deutschland gelebt, wohin er 1987 als Jugendlicher mit Eltern und Bruder ausgewandert war. Die Liebe, und dabei deutet er auf seine Frau Mira, hat ihn jedoch wieder nach Kronstadt gebracht. „Die Beziehung zu Kronstadt und Rumänien habe ich immer aufrecht erhalten und Kronstadt ist die Stadt wo ich mich wohl fühle“ erklärt Cornel, der seit dem Fall des Kommunismus jährlich seine Geburtsstadt besucht. „In Rumänien findet man noch, was man drüben nicht mehr findet: innere Ruhe“, fügt der ehemalige selbständige Werbemittelhändler mit breitem Lächeln hinzu.
Das Eröffnen der Eisdiele ist die Verwirklichung eines Traums, an dem die Eheleute seit Jahren denken. „Wir hatten den Mut dieses Geschäft zu eröffnen, weil wir das Produkt kennen und weil es in Nürnberg sehr geschätzt wird. Wir glauben, dass es auch hier gut aufgenommen werden wird“ sagen die beiden lächelnd. Mut verlangt es auf jeden Fall, eine Eisdiele im September zu eröffnen und das sogar am Marktplatz, wo das Angebot an Lokals ohnehin sehr groß ist und einige Eisdielen schon ihre Stammkunden haben.

Deutsches Eis in Kronstadt

Doch wenn man die Spezialitäten von „Eis(kalt)“ kostet besteht kein Zweifel, dass Platz für noch eine Eisdiele am Marktplatz und überhaupt in Kronstadt ist, vor allem auch weil sie nicht italienische Eis anbieten, wie alle anderen, sondern Eis nach deutschem Rezept. In der Stadt haben sich in den letzten paar Jahren einige Eismanufakturen - weniger als Finger an einer Hand - durchgesetzt. Das sind nicht jene, wo Fertigmischung aus Italien in die Maschine gekippt wird, sondern jene die angeben, bei der Produktion tatsächlich natürliche Produkte zu benutzen. Etliche Minuten stehen die Schleckermäuler in der warmen Jahreszeit Schlange, um sich mit dem Eis von der Purzengasse, dem eines lokalen Schokoladeanbieters, der auch selbstgemachtes Eis herstellt, oder dem Eis von der Angergasse verwöhnen zu lassen.
Nicht nur das Eis mit Glühwein, oder mit rumänischer „coliv²“ locken  bei „Eis(kalt)“ an, sondern auch die Klassiker, wie Schokolade, oder Kaffee. Das Pistazien- und Mandeleis hier ist so genüsslich, dass man es am liebsten auf ein Croissant streichen möchte, oder mit Kaffee kombiniert in aller Ruhe beim Zuschauen eines guten Films verzehren würde. Und zwar stundenlang.

Gewagte Kombinationen: von Aperol Spritz bis zu rumänischen Mici

In Zukunft sollen auch alkoholische Varianten hergestellt werden, wie Eis mit rumänischem Schnaps, Palinca, mit Aperol-Spritz oder Prosecco. Cornel gibt zu, auch an Rezepten für Mici-Eis mit Senf, Paluckes-Eis mit Sauerrahm, wie auch an Krautwickel-Eis zu arbeiten. „Die Basis ist dieselbe für jedes Eis“ verrät er, „alles andere wird hinzugefügt, das heißt unser Eis enthält tatsächlich Glühwein, oder Coliv², Mici, Krautwickel, die hausgemacht sind, nicht Aromen aus der Tüte“. „Unser Eis hat keine Zusatzstoffe, keine Geschmack- oder Volumenverstärker, keine zugesetzten pflanzlichen Fette. Alle Zutaten sind natürlich und sind überwiegend aus der Region, wie beispielsweise die Äpfel, die wir aus Honigberg bringen“ sagt der Inhaber. Deswegen ist auch die Farbe vom Eis anders als die, die man in Fernsehwerbungen sieht, sagt seine Frau, die den Kunden manchmal erklären muss, dass das Bananeneis deswegen nicht gelb ist, weil es nicht aus Schalen hergestellt wird.

Eis aus dem Leichenwagen

Cornels jüngerer Bruder, Mihai, der schon 37 Angestellte in seinen drei Eisdielen aus Nürnberg beschäftigt,  hat ausgefahrene Ideen nicht nur was das Eisangebot betrifft. Mit einem Eismobil ist er oft bei Veranstaltungen wie Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Festivals oder Firmenfesten anwesend. Die Kunden wissen wohl schon aus der Zeitung, dass das leckere selbstgemachte Eis, das sie mit viel Genuss verzehren aus einem ehemaligen Leichenwagen serviert wird. Den eleganten cremefarbenen Merzedes hat Mihai in Deutschland von einem Bestattungsunternehmen gekauft und in Kronstadt umbauen und färben lassen.
Vor sechs Jahren hat er seinen Job als Selbständiger im Marketingbereich geschmissen, seine Freundin hat ihre Stelle bei einer Werbeagentur gekündigt. Sie
wollten etwas Neues ausprobieren. Nach mehreren Schulungen über die Eisproduktion haben sie mit dem Eisgeschäft begonnen, stellen Eis selbst her. Sogar im Winter haben sie Kunden, besonders seit aus „Eis im Glück“ „HeisS im Glück“ geworden ist und im Angebot gefüllte Ofenkartoffeln, wie die GoHo-Kartoffel mit CousCous, Humus, Rotkohlsalat und Oliven oder die Maxfeld-Kartoffel mit Chili con Carne, sowie auch hausgemachte Suppen stehen.


Beste Betreuung garantiert

Gerne würden die Medreas in Kronstadt bis zu Sommerbeginn auch Suppen und warmes Essen anbieten, doch ist die Bürokratie eine Hürde. Bis zum großen Durchbruch bauen sie aber immer auf Mihais Erfahrung. Nicht nur das Eisrezept vom kleinen Bruder respektiert das Kronstädter Ehepaar, sondern das gesamte Angebot und Konzept, soviel wie möglich natürliche Produkte anzubieten, wie 100 natürlichen Saft, oder in Kronstadt in einer kleinen Fabrik hergestelltes Bier. Auch der Kaffee wird natürlich serviert, ohne künstliche Aromen. „Ich freue mich, dass Mira und Cornel in Kronstadt eine Eisdiele nach unserem Modell eröffnet haben und ich wünsche mir dass das „Baby“ wächst, auch wenn hier keine Eiskultur herrscht, wie in Skandinavien“ erklärt Mihai, der für einige Tage auf Besuch in seiner Geburtsstadt ist. Bis zum Frühling kann man also ruhig die ausgeflippte Idee haben, ein 100 Prozent natürliches Eis nach deutschem Rezept im Herzen von Kronstadt auszuprobieren.

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