Kronstädter Mahnmal an die jüdischen Opfer aus Nord-Siebenbürgen eingeweiht

Freitag, 30. Mai 2014

An dem Einweihungsakt des Mahnmals beteiligten sich der Rabbi und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft, der Kronstädter Bürgermeister George Scripcaru, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisrats, Mihai Pascu (von rechts nach links).
Foto: Dieter Drotleff

Mit den Klängen einer Sirene und zwei Schweigeminuten wurde die Gedenkfeier zur Erinnerung an die vor 70 Jahren aus Nord-Siebenbürgen deportierten Juden in der Waisenhausgässer Synagoge von Kronstadt am Freitag, dem 23. Mai, eingeleitet. Außer Mitgliedern der Kronstädter jüdischen Gemeinschaft,  der heute noch rund 250 Personen angehören und von Dipl-Ing. Tiberiu Roth geleitet wird, beteiligten sich daran die Vertreter aller historischen Konfessionen aus der Stadt unter der Zinne, Leiter der lokalen Behörden, des Deutschen Orts- und Kreisforums, zahlreiche Jugendliche.

Nach dem Anzünden von sechs Kerzen in Erinnerung an die rund sechs Millionen Juden und einer für die Roma, die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs hingerichtet wurden, wurde der 38 jüdischen Kinder gedacht, die in Kronstadt geboren, doch später während des Holocaust getötet wurden. Nach den ergreifenden Worten von Tiberiu Roth, der diese Taten die sich nie wiederholen sollen, ergreifend schilderte, sprach Rahel Năstase aus Miercurea Ciuc, eine Überlebende des Holocaust, die das 90. Lebensjahr überschritten hat, über ihre Aushebung, den Transport in ein Getto und die Deportation. Christian Plajer, Stadtpfarrer der evangelischen Honterusgemeinde A. B., betonte die unheilvolle Rolle, die der damalige Bürgermeister von Bistritz, Norbert Kuales, und der Gestapo Angehörige Gustav Orendi in der Verfolgung der Juden gehabt haben.

Anschließend fand die Einweihung des Mahnmals an die vor 70 Jahren erfolgte Deportation der Juden aus Nord-Siebenbürgen statt. Auf dem schwarzen Marmorhintergrund wurden die Namen der 240 in Kronstadt geborenen jüdischen Angehörigen eingraviert, die in andere Ortschaften übersiedelt waren und  später Opfer des Holocaust wurden.

Kommentare zu diesem Artikel

Kronstadt45, 11.06 2014, 00:03
Es ist sehr zu begrüßen, dass die Verbrechen des deutschen Faschismus auch in Kronstadt Gedenksteine erhalten. Als Ort wäre ein öffentlicher Platz oder Park, statt der Hof der Synagoge, einem breiteren Publikum zugänglicher. Des Weiteren finde ich es bemerkenswert, dass der Stadtpfarrer den Mut aufbringt die Täter aus Siebenbürgen, die Teil dieser SS-Maschinerie waren, beim Namen zu nennen. Die Forumsliste mit Kronstädter Persönlichkeiten sollte auch mal nach Täter und Komplizen durchsucht werden. Mir fällt da der Name Heinrich Zwillich ein Mitglied der NSDAP, der nach 1945 nicht in der Lage war, sich von dieser rassistischen Ideologie zu trennen; und 1980 noch in einem Artikel den KZ-Arzt Fritz Klein als Opfer der Siegerjustiz hinzustellen. Wir müssen uns auch mit den Schreibtischtätern auseinandersetzen. Personen, die sich von der nationalsozialistische Ideologie nicht trennen wollten, gehören aus dieser Liste entfernt.
Hans, 02.06 2014, 12:32
Vielleicht zieht Klausenburg noch nach. Jedenfalls ist dieses Mahnmal wichtig und richtig, es kommt reichlich spät. Auch die Nordsiebenbürger Sachsen hätten Anlass, in ihrer Opfergeschichte auch dieses dunkle Kapitel einzubeziehen, wenn sie in diesem Jahr an die Evakuierung der Nordsiebenbürger Sachsen vor 70 Jahren erinnern (siehe: http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/verschiedenes/14503-evakuierung-1944-gedenken-2014.html ). Die von Stadtpfarrer Christian Plajer erwähnten Norbert Kuales und Gustav Orendi waren schließlich Landsleute.
Tourist, 31.05 2014, 18:16
das Wort "Nord-Siebenbürgen" versteh ich in dem Zusammenhang nicht. Sollte ein Denkmal für die Opfer aus Nord-Siebenbürgen nicht viel eher in Klausenburg oder Neumarkt errichtet werden? Gedenkt man hier nur den Opfern, die die Ungarn zu verantworten haben, aber jenen Opfern, die die Rumänen zu verantworten haben nicht?

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