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		<title>adz.ro: Nachrichten</title>
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		<lastBuildDate>Tue, 21 Feb 2012 05:38:00 +0400</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Making the Game – Legendäre Game Designer (Teil 2)</title>
			<link>http://www.adz.ro/kultur/artikel-kultur/artikel/making-the-game-legendaere-game-designer-teil-2/</link>
			<description>Über ein „Oh weia“ war Gabe Newell am 19. September 2003 längst hinaus. Seine Spieleschmiede Valve...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Über ein „Oh weia“ war Gabe Newell am 19. September 2003 längst hinaus. Seine Spieleschmiede Valve hatte zu dem Zeitpunkt bereits vier Jahre in die Entwicklung des Ego-Shooters Half Life 2 investiert. Zahlreiche Überstunden und Millionen Dollar später, sah sich Newell vor einer unvorhersehbaren Katastrophe: Ein Hacker hatte sich Zugang zu Valves Servern verschafft und das unfertige Spiel ins Netz gestellt. Binnen weniger Stunden konnte alle Welt sehen, woran Newell und sein Team seit Jahren gearbeitet hatten. Die Fangemeinde reagierte auf die interne Krise des Studios unterschiedlich. <br /><br />Manche waren genauso entsetzt wie Valve, manche waren glücklich, endlich Half Life 2 spielen zu können und viele waren einfach nur schadenfroh, denn schließlich hatte Newell den Fans das Spiel schon längst versprochen, nur um dann den offiziellen Erscheinungstermin hinauszuzögern. <br /><br /><strong>Revolution in Grenzen</strong><br /><br />Die Presse zeigte sich weder glücklich noch schadenfroh, sondern skeptisch. Denn nur wenige Monate zuvor versprachen Newell und sein Team während der E3 in Los Angeles ein Spiel zu liefern, das das Medium revolutionieren würde. Schließlich hatte das erste Half-Life Spiel 1998 genau das getan. Nun sollte der Nachfolger die Erwartungen der Fans und der Presse übertreffen. <br /><br />Worauf Valve setzte, war besonders die Implementierung der Havok Physics Engine in ihr Spiel. Damals war die Software der irischen Firma noch ein Novum. Was es versprach waren Gegenstände, die sich im Spiel physikalisch korrekt verhalten. Wenn die Spielfigur zum Beispiel gegen ein Fass laufen würde, würde dieses zur Seite  kippen und dann dynamisch in eine Richtung rollen. Spieler hatten so ein realistisches Verhalten von Gegenständen in Spielen noch nicht erlebt. Vor Havok wirkten Spielwelten wie Kulissen und Gegenstände waren nur ein Teil jener statischen Kulissen die sich leer und leblos anfühlten. Havok schuf die Illusion von Objekten, wie im echten Leben. <br /><br />Nur hatte das Ganze einen Haken: Die Gegner und Nebenfiguren wirkten nun im Vergleich zur Spielwelt künstlicher. Valve wollte sich darum als Pionier sehen und versprach während der E3, dass die Gegner auf Veränderungen in ihrer Spielwelt reagieren würden. Das war eines der Revolutionen, die Newell versprach. <br /><br />Für damalige Verhältnisse schien es ein zu hochgestecktes Ziel zu sein. Doch den Beweis lieferte Valve im E3 Video. Darin flüchtet der Spieler vor dem sogenannten Combiner, die ihn beschießen, sucht in einem Gebäude Zuflucht, schließt die Tür hinter sich und dann schiebt er einen Tisch vor die Tür und das Unglaubliche passiert: Die Combine kriegen die Tür nicht auf, versuchen es mit Gewalt, doch der Tisch hält dagegen. So natürlich und echt hatte sich ein Ego-Shooter noch nie angefühlt. Spielen konnte man die Demo damals nicht. Als dann der Leak im Internet erschien, wurde die gleiche Szene von der E3 als Lüge entlarvt. Viele Spiele machten es dem E3 Video nach, versuchten die Tür mit Gegenständen zu verbarrikadieren, doch das Spiel reagierte darauf nicht. <br /><br /><strong>Das Blau vom Himmel versprechen</strong><br /><br />Ein Jahr später würde Half-Life 2 dann doch erscheinen. Newells Spieleschmiede würde mit dem Titel Millionen verdienen und den Weg ebnen für weitere erfolgreiche Serien. Ganz die Revolution von der Valve im Frühjahr 2003 sprach, wurde es dann nicht. Es gehörte aber trotzdem zu den Meilensteinen seiner Zeit aufgrund der beeindruckenden Grafik, den für damalige Verhältnisse lebensechten Nebenfiguren und der Spielphysik. Noch heute wird die Half-Life-Serie als eine der besten Spielserien aller Zeiten gefeiert. Inzwischen aber scheint sich die Geschichte zu wiederholen, denn die Fans schreien nach Half-Life 3, während Valve sich mit Informationen bedeckt hält. <br /><br />Von Valves Erfolg würde sich Peter Molyneux eine Scheibe abschneiden wollen, denn der Brite hat schon oft das Blaue vom Himmel versprochen, nur um dann den übertriebenen Erwartungen der Spieler nicht gerecht zu werden. Heute nimmt kaum jemand Molyneux ernst, wenn er von Spielwelten spricht, die mit dem Spieler altern und sich die guten und schlechten Taten des Spielers merken. Fünf Jahre hatten Gamer auf Molyneux’s Rollenspiel „Fable“ gewartet. 2000 klang es zu schön um wahr zu sein: Ausgehend von den Entscheidungen des Spielers würde sich die Welt drastisch verändern. <br /><br />Wer der große strahlende Ritter sein wollte, würde von allen geliebt und in einem Paradies leben. Wer lieber Häuser abfackelte und andere bestahl, sollte von allen gefürchtet werden und auch die Welt sollte dementsprechend seine schlechten Taten widerspiegeln. Bäume sollten mit der Spielfigur altern, Narben sollten verheilen. Als das Spiel 2004 schließlich herauskam, war „Fable“ nur das halbe Spiel, das versprochen wurde. Was sich Molyneux vorgenommen hatte, war technisch niemals möglich gewesen. <br /><br />Dabei war der aus Guildford stammende Game Designer über jeden Zweifel erhaben. In den 1990er Jahren war er an der Entwicklung einiger Strategiemeilensteine wie „Populous“ und „Syndicate“ beteiligt. Er gilt als der Vater der „Göttersimulation“. Diesen Ruf festigte er 2001 mit dem Spiel „Black and White“. Inzwischen scheint er sich ausschließlich auf die „Fable“-Spiele zu konzentrieren. Für echte Rollenspielfans sind die Spiele zu simpel gehalten. <br /><br />Die Produktion der Spiele, die alte Hardcore-Fans von Molyneux wollen, wurden längst eingestellt. Sowohl Dungeon Keeper 3 als auch Black and White 3 mussten weniger anspruchsvollen Titeln Platz machen. Den Nerv der Zeit trifft der Spieleentwickler schon längst nicht mehr. Genau wie die Hardcore-Spiele, die ihn berühmt machten, muss auch Molyneux inzwischen anderen, jüngeren Entwicklern Platz machen. <br /><br /><strong>Innovation aus der Indie-Szene</strong><br /><br />Dabei kommen viele überraschenderweise aus der sogenannten Indie-Szene. Genau wie im Filmgeschäft findet man inzwischen auch in der Spielebranche die Innovationen in den Low-Budget-Spielen unabhängiger Entwickler wie Jonathan Blow, Dino Patti oder Markus Persson. Ihre Spiele erinnern zwar an die guten alten 2D-Tage, als Spiele noch nicht Millionen Euro verschlangen, überraschen dafür mit origineller Spielmechanik. <br /><br />Oft erinnern gerade diese Indie-Entwickler daran, dass in Spielen die Spielmechanik Vorrang hat und erst dann kommen Handlung und Grafik. Damit schlägt man sich gegenseitig vor den Kopf. Denn während Entwickler wie Valve auf mehr Handlung in Spielen setzen und dadurch die Spieleindustrie revolutionierten, pochen Indie-Gamer oft auf Spielmechanik statt Handlung. Dem schließen sich inzwischen auch viele etablierte Entwickler wie David Jaffe an. Auf der jüngsten DICE Konferenz in Las Vegas sprach sich Jaffe für weniger Handlung in Spielen aus. „Wenn ihr eine Geschichte zu erzählen habt, dann wählt euch ein anderes Medium aus“, sagte der God of War-Entwickler. <br /><br />Damit steht inzwischen fest, dass sich in der Spielindustrie mehrere Fronten bilden. Denn nur zu oft heißt es in modernen Videospielen entweder gute Handlung oder gute Spielmechanik. Nur selten gelingt es einem Spiel beides miteinander erfolgreich zu verbinden. <br /><br />Führend bleibt erstaunlicherweise Valve, die mit Portal 2 im vergangenen Jahr ein Spiel lieferten, das sowohl eine herzzerreißende und spannende Geschichte erzählte, aber auch ein innovatives Puzzlespiel lieferte, das im Vergleich zur Konkurrenz einzigartig bleibt. Andere erfolgreiche Spiele wie Naughty Dogs „Uncharted“-Serie oder Activistions „Call of Duty“-Spiele gehen in Sachen Spielmechanik auf Nummer sicher und konzentrieren sich auf ein kinoreifes Erlebnis. Deswegen wird diesen Spielen oft vorgeworfen, dass sie immer mehr zu interaktiven Spielfilmen verkommen, statt ausgereiften Videospielen, die auch ohne die Handlung und Grafik beeindrucken würden. Valve machen es nur wenige nach. Irrational Games bleibt ein positives Beispiel mit den Bioshock-Spielen. Ein weiteres positives Beispiel ist  der japanische Spieleentwickler Fumito Ueda. <br /><br /><strong>Japans Innovateur</strong> <br /><br />Für die Playstation 2 entwickelte Ueda zwei Klassiker: Die Action-Adventure Spiele „Ico“ und „Shawow of the Colossus“. Beiden Spielen gelingt es, eine Geschichte allein durch die Spielmechanik zu erzählen. In „Ico“ schlüpft der Spieler in die Rolle eines kleinen Jungen, der sich zusammen mit einem mysteriösen Mädchen einen Weg aus einem gefährlichen Schloss bahnen muss. Der Clou: Das Mädchen ist hilflos. <br /><br />Der Spieler muss sie an der Hand nehmen und sie durch das Schloss lotsen, dabei Rätsel lösen und einen Ausweg für beide finden. Unweigerlich entsteht eine Bindung zu dem namenlosen Mädchen. Worauf sich Ueda stützt, sind allein die Konventionen des Mediums, die in den 1980er Jahren schon festgesetzt wurden. Shadow of the Colossus verhält sich ähnlich. Hier muss ein junger Mann sechzehn Kolosse erlegen, um eine junge Frau von den Toten auferstehen zu lassen. Sein jüngstes Projekt „The Last Guardian“ wurde für 2012 angekündigt. Ein genauer Erscheinungstermin steht allerdings noch nicht fest.]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 05:38:00 +0400</pubDate>
			
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			<title>Lieben Sie Bach?</title>
			<link>http://www.adz.ro/kultur/artikel-kultur/artikel/lieben-sie-bach/</link>
			<description>Die Tournee „Lieben Sie BACH?“ präsentiert dem rumänischen Konzertpublikum gleich drei Premieren:...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Tournee „Lieben Sie BACH?“ präsentiert dem rumänischen Konzertpublikum gleich drei Premieren: die erste Aufführung der sämtlichen Cellosuiten von Bach im Rahmen eines einzigen Konzerts durch einen rumänischen Interpreten, die erste Solo-Konzertreise des Cellisten Răzvan Suma und dazu eine multimediale Show mit Projektionen auf lichtdurchlässigen Schildern.<br />Die musikalische Reise dauert drei Wochen und führt durch acht Stationen: Kronstadt/Braşov (1. März - Saal des Armeehauses), Arcuş (7. März – Kulturzentrum), Bistritz/Bistriţa (11. März  – Synagoge), Neustadt/Baia Mare (13. März – Rotary-Konzertsaal des Kunstlyzeums), Piteşti (15. März – Gewerkschaftskulturhaus), Bacău (17. März – Athenäum) und Elisabethstadt/Dumbrăveni (19. März – UNESCO-Kulturzentrum). Die Tournee schließt mit einem Konzert im Bukarester Radio-Saal am 21. März. Konzertkarten können bei den jeweiligen Sälen gekauft werden. In Bukarest sind sie bei der Kasse des Radio-Saals sowie im Internet unter<link http://www.eventim.ro _blank> www.eventim.ro</link> zu finden. <br /><br />Die sechs Suiten für Violoncello Solo (BWV 1007–1012) von Bach werden als „Prüfstein für jeden Cellisten“ betrachtet und gehören zu den meistgespielten Solowerken für Streichinstrumente. Sie nehmen von der ersten zur sechsten an technischen Ansprüchen und an Länge zu – es wird vermutet, dass die sechste Suite zu Bachs Zeiten sogar als unspielbar gegolten haben dürfte. „Wiederentdeckt“ wurden die Werke Anfang des 20. Jahrhunderts, als Pablo Casals sie komplett aufführte. <br /><br />Răzvan Suma ist zurzeit einer der aktivsten rumänischen Solisten – rund 500 Konzerte hat er in Europa, Amerika, Afrika und Asien bereits gegeben. Der junge Cellist ist 1977 in Klausenburg/Cluj-Napoca geboren und hat bei Marin Cazacu in Bukarest sowie bei Terry King an der Longy School of Music, Cambridge, USA, studiert. Er ist Preisträger bei Fachwettbewerben in Italien, Deutschland, in der Republik Moldau und Spanien. Als Mitglied des „Romanian Piano Trio“ und des Trio „Strad“, zusammen mit dem Violinisten Alexandru Tomescu und mit den Pianisten Horia Mihail, bzw. Toma Popovici, hat Suma seit 2006 mehrere Konzertreisen mitgestaltet. Auch im Cello-Quartett „Cellissimo“ spielt Suma neben Marin Cazacu, Alexandra Guţu und Octavian Lup in Italien, Portugal, Macao oder Marokko. Regelmäßige Auftritte in Begleitung des spanischen Pianisten Josu Okinena brachten ihn auf wichtige Bühnen in Madrid, San Sebastian und Buenos Aires. 2009 wurde er zum Solisten der Musikensembles des Rumänischen Rundfunks ernannt. Zudem unterrichtet er an der Bukarester Musikuniversität.<br />Das Instrument, auf dem Răzvan Suma spielt, ist 1849 von Charles Adolphe Maucotel gebaut worden und gehörte im vergangenen Jahrhundert dem berühmten französischen Instrumentalisten Pierre Fournier.]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 09:00:00 +0400</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Deutsch-Rumänische Klänge und neue Impulse für eine Wissenschaft</title>
			<link>http://www.adz.ro/kultur/artikel-kultur/artikel/deutsch-rumaenische-klaenge-und-neue-impulse-fuer-eine-wissenschaft/</link>
			<description>So leicht kann das Schreiben rund ums Schreiben sein. Als Ioana Crăciun Anfang der neunziger Jahre...</description>
			<content:encoded><![CDATA[So leicht kann das Schreiben rund ums Schreiben sein. Als Ioana Crăciun Anfang der neunziger Jahre ihren literaturkritischen Einzug in das bereits vielfach gepflügte Feld der Bukarester Germanistik hielt, war das Fach seit geraumer Zeit im Begriff, „sich neu zu erfinden”: zu sich selbst zu finden. Eine Gesellschaft war gegründet worden, die an die rumänische Tradition der vielseitig ausgerichteten, niveauvollen Germanistik der Zwischenkriegszeit anlehnen wollte, eine erste Publikation dieser neuen Gesellschaft in Lauf gebracht, die „Zeitschrift der Germanisten Rumäniens“. Erste Schritte in Richtung Auslandsgermanistik waren getan, nein, in Betracht gezogen worden. Dazwischen, dahinter, darüber hinweg die mittlerweile klassische Jandl-Frage: „Jo brauch ma dn die germanistn?” <br /><br />Ja, die braucht man. Heute leitet Professor Crăciun, Stellvertretende Direktorin des Exzellenz- u. Forschungszentrums „Paul Celan“ der Universität Bukarest, die Zweigstelle Bukarest der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens, wirkt im Landeskomitee, mischt bei der Veranstaltung von Kongressen, bei der Betreuung von Fachzeitschriften (u. a. schon als Redakteurin der allerersten Nummer der transcarpathica (2002) –  mehr dazu auf <link http://www.aurora-magazin.at/medien_kultur/poenaru_transcarp_frm.htm _blank>http://www.aurora-magazin.at/medien_kultur/poenaru_transcarp_frm.htm</link>) und beim Beschwören der Geschicke rumänisch-deutscher Gänge und Klänge im weitesten Sinne mit. Zahlreiche Übersetzungen und eigene Werke der in Tübingen promovierten Literaturwissenschaftlerin liegen vor, darunter folgende Buchpublikationen: „Mystik und Erotik in Christian Morgensterns Galgenliedern“. „Die Politisierung des antiken Mythos in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ und „Historische Dichtergestalten im zeitgenössischen deutschen Drama“ (u. a. in „Ostragehege“ 58 besprochen).<br /><br />Es war ein schöner, angenehm warmer, ruhiger Herbsttag in rumänischen Landen, als Crăciun mit ihrem strapazierten Bücher-Tross und dem noch kaum abgewetzten Doktorhut in der Strada Pitar Moş in Bukarest, dem Zentrum rumänischer Germanistik-Getriebe, ankam. Die Sonne schien, die Studenten strahlten übers ganze Gesicht ... oder um etwas gemäßigter zu bleiben: Es war ein guter Tag. Mit Ioana Crăciun setzte ein neuer Rhythmus, eine neue Melodie des deutschsprachigen Vermächtnisses rumänischer Nation ein (stimmt, diese theatralische Formulierung ist weder originell noch folgerichtig, nur, es fällt schwer, das Moment des damaligen, des heutigen Zusammenhangs der Einschleusung einer Dozentin mit unerhörter Tatkraft in seiner ganzen Tragweite zur Sprache zu bringen). Ein Spionage-Coup (incursiune de spionaj) sei ihre Rückkehr nach Rumänien, so Ioana Crăciun Ende 1992 in einem Interview mit Adina Bardaş (Radio România Cultural), das sich vor allem auf Crăciuns Leistungen als Theaterautorin bezog und denn auch sinngemäß eines schönen Abends nach einer Aufführung im Foyer eines Theaters stattfand.<br /><br />Vom Theatersaal und seinen dramatischen Welten (mitsamt ihren möglichen Wendungen) über den wissenschaftlichen Handapparat ins Klassenzimmer, genauer gesagt in den Goethe-Saal des Deutschen Seminars der Universität Bukarest, der damals, vor rund zwanzig Jahren, gerade renoviert und neu eingerichtet wurde, worauf es natürlich eine festliche Feier gab, zu der Crăciun aus ihren Werken las. Was die junge Dozentin bereits auf literarischer, auf literaturwissenschaftlicher Ebene erreicht hatte, sei zum großen Teil das Verdienst ihrer ehemaligen Professoren in Rumänien. Ein Teil des Ganzen – oder poetisch ausgedrückt: ein Teil von jener Kraft?<br /><br />Und doch: Sie war nicht bescheiden, sah sich als einen „alten Hasen“ auf dem Gebiet der sprachpolizeilichen Ermittlungen, fühlte sozusagen stets dem Text, dem Kontext und dem Ko-Text  auf den Zahn, jagte das entsetzte Studentenvolk – ja, ein bisschen furchterregend war sie schon, aber vor allem sachlich orientiert und jedenfalls durchaus kompetent – auch gerne mal quer und krumm durch die allerausführlichsten Fußnoten kritischer Editionen. Aber vielleicht hatte sie ja nur schrecklich viel gelesen.<br /><br />Crăciun ermittelte im Rahmen ihrer  Seminare zum deutschsprachigen Dokumentartheater nicht zuletzt „Die Ermittlung“ (Peter Weiss) selbst, versuchte anhand von Dürrenmatts „Minotaurus“ oder anhand von Grimmelshausens „Simplicissimus“ zu erweisen, dass Hermeneutik ein Ding sein kann und dass die Dinge auf deutschsprachig begangenen Wegen der Erkenntnis, der Spekulation, des kreativen Umgangs mit Sagbarem im wörtlichen Sinne bald so, bald anders geraten.<br /><br />„Hat denn zur unerhörten Tat der Mann allein das Recht?“ Mit diesem erbaulichen Goethe-Zitat aus „Iphigenie auf Tauris“ zog Ioana Crăciun zu Felde, als sie in jener Zeit der Neugestaltung rumänischer Germanistik ihren Vortrag über Not und Leben und Mut und Lust und Liebe und große Taten und altes Recht und neues Schreiben im Bukarester Goethe-Institut hielt. Ein dementsprechend zum Kontext passendes Goethe-Wort? „Wir möchten jede Tat so groß gleich tun als wie sie wächst und wirkt.” Immer aufs Ganze gehen, damit könnte man Crăciuns Geworfenheit der Dinge, die zurück ins Wort gekrochen sind, in Anlehnung an ihren Lyrikband („Krochen alle Dinge ins Wort zurück”) als Wappenspruch zusammenfassen. Fünfzehn Jahre später in Walsers Handschrift: „(...) ich glaube, Sie und ich sind die einzigen, die das Stück („In Goethes Hand” von Martin Walser) ganz verstanden haben“. Ja, das leuchtet ein.<br /><br />Deutsche Sprache, rumänische Ortung. In der sogenannten Auslandsgermanistik dreht es sich oft um Standortbestimmungen. Dass man die Germanistin Ioana Crăciun braucht, würde Jandl wohl mit dialektal gefärbtem Klang bestätigen. „Jo.” Aber natürlich müsste man dann gleich weiter fragen, ob Professor Crăciun wirklich eine Auslandsgermanistin ist. Bisweilen hat es nämlich eher den Anschein, dass sie seit je im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, in dem sie oft wohl eher als Exponentin der Inlandsgermanistik herumgeistert, ihr auf wundersam geschwungenen Klangwellen rumänischer Germanistik (oder muss man heutzutage unbedingt German Studies sagen?) dem Transcarpathischen dienliches Unwesen treibt.<br /><br />„Wortakrobat ohne Netz”, so der Titel eines weiteren Lyrikbands von Ioana Crăciun, in dem die Urplötzlichkeit des Zusammenreimens von Sinn und Form anklingt, das Aufblitzen von Sagbarkeit, der Salto ins Leere, den jeder, der etwas sagen will, wagen muss, der Lebendigkeits-Salto, aus dem – wenn es sich so fügt – ein Wort wird, das etwas in die Wege leitet: eine unerhörte Tat, einen in dieser Ausformung noch nicht vernommenen deutschen Klang in rumänischen Landen, einen akrobatischen Lebenslauf jenseits von Konstanza/Constanţa und Bukarest und Heidelberg und Tübingen und Graz und Marbach und den Grachten der Niederlande, kurz: eine Berufung. Das Spracherlebnis kommt stets auf seine Kosten. Die Dichterin steckt in einer Welt der Befunde, und die Wissenschaftlerin steckt in einer Welt der Empfindungen. Jede Formulierung: ein Risiko, ein Griff ins Ungewisse, ein Zusammenbruch von Welten, ein Schöpfungsakt. In diesem Sinne wird der Umgang mit Texten in ein todernstes Spannungsfeld ontologischer und poetologischer Betrachtungen gerückt, in dem das Mysterium der Deutung waltet – und alles Verkehrte im wörtlichen Sinne wegjagt.<br /><br />Um sich in Ioana Crăciuns akademisches, in ihr schöpferisches Tun und Treiben einzuarbeiten, um ihre tiefgründig angelegte, oft anspruchsvoll verschränkte und dabei immerhin unwahrscheinlich lebendige Metaphernwelt ganz zu erfassen, um sich von dem mal ruhigen, mal reißenden Fluss ihrer Sprache, ihrer geschickt zu Markte getragenen Worte und Mythen treiben zu lassen, braucht es ein klein bisschen Wachsamkeit – oder gar Besonnenheit? Nein, das wäre zu früh angesetzt, denn dann hätten wir ja eigentlich das Thema des Ursprungs der Sprache schlechthin im Visier, was freilich strenggenommen zwingend zur Sache gehört, geht es doch darum, eine Professorin und Dichterin sinnbildlich zu erfassen, die leicht über das Konglomerat ihrer Noten, ihrer Töne, ihrer Zahlen und Figuren hinweg schießt, um auf der Bühne, im Klassenraum, vor dem Mikrofon, rund um die Archive und zwischen den Zeilen, ja zwischen den Sprachen mehr Sinn zu schöpfen. Entschlüsselung als Steckenpferd. Dramatik: eine Familientradition. Deutsch zum Atmen. So schwerwiegend kann Germanistik sein.]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 09:00:00 +0400</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Zeitgenössisches, Modernes, Romantisches</title>
			<link>http://www.adz.ro/kultur/artikel-kultur/artikel/zeitgenoessisches-modernes-romantisches/</link>
			<description>Der französische Geiger Philippe Graffin ist für das Bukarester Publikum kein Unbekannter. Beim...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Der französische Geiger Philippe Graffin ist für das Bukarester Publikum kein Unbekannter. Beim Internationalen Musikfestival „George Enescu“ war er im September vergangenen Jahres mit einem Duoabend im Rahmen der Konzertreihe „Enescu und seine Zeitgenossen“ zu hören, bei dem er neben anderem auch Enescus Suite für Violine und Klavier „Eindrücke aus der Kindheit“ (op. 28) erklingen ließ.<br /><br />Philippe Graffin ist bekannt für sein Interesse an selten aufgeführten Werken wie etwa den Violinkonzerten von Fauré oder Coleridge-Taylor, vor allem aber für seine besonderen Interpretationen zeitgenössischer Musikstücke. Zahlreiche Komponisten der Gegenwart, darunter der Litauer Vytautas Barkauskas, der Franzose Philippe Hersant, der Engländer David Matthews oder der Russe Rodion Konstantinowitsch Schtschedrin, haben ihm Werke gewidmet, die mit allen technischen und klanglichen Raffinessen zeitgenössischer Violinkunst bestückt sind.<br /><br />Aus der Feder Schtschedrins stammt auch das „Concerto cantabile“ für Violine und Orchester aus dem Jahre 1998, das der Komponist dem russischen Geiger Maxim Vengerov gewidmet hat und mit dem Philippe Graffin in der vergangenen Woche sein Konzert im Bukarester Athenäum eröffnete. Das Orchester der Philharmonie „George Enescu“ begleitete ihn dabei unter der Leitung des moldauischen Dirigenten Valentin Doni.<br /><br />Das dreisätzige Werk Schtschedrins besticht durch seine ungewöhnliche Form. Wird bei Violinkonzerten traditionellerweise ein langsamer Satz von zwei schnellen eingefasst, so ist es bei diesem Werk gerade umkehrt: Der mittlere Allegro-Satz wird von dem langsamen Eröffnungssatz Moderato cantabile und dem langsamen Finalsatz Sostenuto assai umschlossen. Das Schtschedrinsche Werk stellt dabei höchste Ansprüche an den Solisten wie auch an das Orchester: Während die Tuttiviolinen ihre Saiten mit der Bogenstange bearbeiten oder Töne auf den Saitenabschnitten hinter dem Steg erzeugen, lässt die Solovioline linkshändige Pizzicati und künstliche Flageoletttöne erklingen, und nahe am Griffbrett gespielte Töne der Orchesterviolinen, die einen rauchigen, gleichsam unwirklichen Klang erzeugen, bilden das diffuse Fundament, auf dem sich immer wieder wellengleich die rasenden Läufe der Sologeige erheben und in es zurücksinken. Bei aller Modernität atmet dieses Werk jedoch insgesamt einen harmonischen Charakter, der Dissonanzen und Irritationen immer wieder auflöst und in Sanglichkeit überführt.<br /><br />Das zweite Werk, das Philippe Graffin an diesem Abend im Bukarester Athenäum zu Gehör brachte, waren die „Fünf Melodien“ für Violine und Klavier (op. 35b) von Sergei Prokofjew aus dem Jahre 1925, die bereits eine Transkription von Vokalwerken (für Singstimme und Orchester bzw. Singstimme und Klavier, op. 35) vom Beginn der Zwanziger Jahre durch den Komponisten selbst darstellen. Prokofjew schuf dann von der zweiten der fünf Melodien (Lento, ma non troppo) eine Orchesterfassung, die Schtschedrin im Jahre 2007 durch die Orchestrierung der restlichen vier Sätze (Andante; Animato, ma non allegro; Andantino, un poco scherzando; Andante non troppo) zu einem kompletten Orchesterwerk ergänzte. Diese Orchesterfassung erklang dann im Bukarester Athenäum, wobei der romantische Geist der „Lieder ohne Worte“, die, von Mendelssohn herrührend, im Laufe der Musikgeschichte zu einer Genrebezeichnung geworden sind, auch in diesem Prokofjewschen Werk Schtschedrinscher Klangprägung spürbar war.<br /><br />Als Zugabe und zugleich als Überleitung zum zweiten Teil des Konzertabends ließ Philippe Graffin seine venezianische Domenico Busano-Geige aus dem Jahre 1730 ein weiteres Mal erklingen, und zwar zusammen mit der Geige des Konzertmeisters und dem Kontrabass des Stimmführers der tiefsten Streichinstrumente der Philharmonie „George Enescu“. Sie führten ein launiges und humoristisches Trio von Johannes Brahms auf, das den großen Geiger und Brahms-Freund Joseph Joachim bei seiner herrischen Art zu proben parodiert und bei dessen Aufführung die Musikanten sogar einige Sätze auf Deutsch zu sprechen haben, bevor sie den musikalischen Spaß mit ihren Instrumenten ins Werk setzen. Dieses Musikstück bildete einen heiteren Kontrapunkt zu der traurigen Nachricht, die der französische Geiger zu Beginn des Konzertes dem Publikum mündlich übermittelt hatte: Sein betagter Geigenlehrer sei vor zwei Tagen in Paris bei einem Autounfall ums Leben gekommen, weswegen er ihm auch dieses Bukarester Konzert seligen Angedenkens widme.<br /><br />Nach der Pause erklang dann der Klavierzyklus „Carnaval“ (op. 9) von Robert Schumann, ein romantisches Werk par excellence, diesmal jedoch nicht als Solostück, sondern als sinfonisches Opus in Vertonungen der russischen Komponisten Alexander Glasunow, Nikolai Rimski-Korsakow, Anatoli Ljadow und Alexander Tscherepnin. Der Komponist und Dirigent Valentin Doni, der in der Republik Moldau und Frankreich Musik studierte, danach zahlreiche Konzerte mit europäischen Orchestern gegeben und im Laufe seiner Karriere sämtliche philharmonischen Orchester Rumäniens dirigiert hat, brachte das zweiundzwanzigteilige Schumannsche Werk mit dem Untertitel „Scènes mignonnes sur quatre notes“ aus den Jahren 1834/35 mit großer Präzision, feinem Einfühlungsvermögen und vollkommen auswendig dirigierend zur Aufführung. Der überbordende Applaus ließ ihn diejenige der Orchesterszenen wiederholen, in der Harfe und Klarinette einen wunderbaren Zwiegesang anstimmten und den Abend beschaulich ausklingen ließen.]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 18 Feb 2012 09:00:00 +0400</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Wirken für die siebenbürgische Musik</title>
			<link>http://www.adz.ro/kultur/artikel-kultur/artikel/wirken-fuer-die-siebenbuergische-musik/</link>
			<description>In der Nacht vom 8. Februar verstarb in Dessau der Musiker Wolfgang Meschendörfer, Enkel des...</description>
			<content:encoded><![CDATA[In der Nacht vom 8. Februar verstarb in Dessau der Musiker Wolfgang Meschendörfer, Enkel des Schriftstellers Adolf Meschendörfer und Sohn des Malers und Grafikers Harald Meschendörfer – unser Wolfi, wie ihn alle nannten, die ihn kannten und liebten.<br />Er wurde am 17. Juni 1944 in Schäßburg geboren, Grundschule und Gymnasium absolvierte er in seiner Vaterstadt Kronstadt. Hier erhielt er auch seinen ersten Flötenunterricht bei Frederic Toduţă, den er dann in Klausenburg an der staatlichen Musikhochschule bei Dumitru Pop fortsetzen konnte. Nach seiner Diplomprüfung war er einige Jahre Flötist in der Hermannstädter Staatsphilharmonie, danach, zwischen 1972 und 1978, Flötenlehrer an der Musikpädagogischen Fakultät der Universität Kronstadt. In dieser Zeit gründete er, zusammen mit anderen Kronstädter Musikern, das Kammermusikensemble „Cantus serenus“.<br /><br />1980 übersiedelte er mit seiner Familie, Frau Roswitha und den Kindern Jörg und Almut, in die Bundesrepublik Deutschland. Im westfälischen Coesfeld neben Münster fand er eine neue Wirkungsstätte als Flötenlehrer und später auch als stellvertretender Musikschulleiter. In den 25 Jahren seines Wirkens an dieser Musikschule bildete er Generationen von Flötisten aus und gab zahlreiche Konzerte, in denen er immer wieder siebenbürgische Komponisten zu Gehör brachte, wie Baußnern, Neugeboren, Sadler, Türk, Toduţă oder Ţăranu.<br /> <br />Zeit seines Lebens setzte er sich für den Austausch zwischen jugendlichen Musikern aus Deutschland und Rumänien ein, sei es mit den Flötenklassen der Musikschulen Coesfeld und Klausenburg, sei es im Rahmen der alljährlichen Musikwochen in der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein bei Heilbronn. Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Deutsche Musikkultur im Südöstlichen Europa e. V. organisierte er diese Musikwochen mit Hingabe und Zielstrebigkeit über 20 Jahre lang. Viele Jugendliche aus Rumänien durften im Laufe der Jahre unentgeltlich an diesen Musikwochen teilnehmen, in deren Programmen vorwiegend Werke aufgeführt wurden, die Bezug zu Siebenbürgen und/oder zum Banat hatten. Unter den Dozenten figurierten nicht selten Fachkräfte aus Siebenbürgen. Trotz seiner unheilbaren Krankheit war er noch aktiv an den Vorbereitungen der Musikwoche 2011 beteiligt.<br /><br />Welche Dimensionen sein Engagement für Musiker und Musik seiner Heimat annehmen konnte, zeigte sich in dem von ihm organisierten Coesfelder Musikfest vom 7.-11. Oktober 1995. In sechs Konzerten, in denen u. a. die Staatsphilharmonie aus Tg. Mureş unter Leitung von Florentin Mihăescu auftrat, und einem gleichzeitig stattfindenden musikwissenschaftlichen Symposium unter Mitwirkung von über zehn Musikwissenschaftlern aus Ost und West ging es um die vielfältige Darstellung des Musiklebens in Siebenbürgen und  dem Banat, eine organisatorische Glanzleistung, mit der  Wolfgang Meschendörfer sich selbst übertroffen hat.<br />Es ist nicht möglich, alles lückenlos zu erwähnen, was Wolfgang Meschendörfer in seinem Leben geleistet und bewirkt hat. Sein Denken galt vorwiegend seinen Mitmenschen und in der Durchführung seiner Ideale hat er sich nie geschont. Alle, die das Glück hatten, ihm zu begegnen, werden seiner in Liebe und tiefer Dankbarkeit gedenken.<br /><br />Man sagt, es würde Menschen geben, die würden alt geboren und andere, die würden eine ungebrochene Jugend in sich tragen. Wer Wolfgang Meschendörfer kannte, wird ihn mit Sicherheit als einen jung Geborenen in Erinnerung behalten. Er konnte sich an allem Schönen dieser Welt mit fast kindlicher und ansteckender Freude begeistern, sei es eine Blumenwiese in den Bergen seiner siebenbürgischen Heimat, sei es eine Kirche im sizilianischen Palermo oder natürlich an der Musik, die ihm bis in die letzten Stunden seines Lebens Halt und Trost gegeben hat.]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 09:00:00 +0400</pubDate>
			
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			<title>Ştefan Baciu – der Kronstädter Stadtdichter</title>
			<link>http://www.adz.ro/kultur/artikel-kultur/artikel/stefan-baciu-der-kronstaedter-stadtdichter/</link>
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			<content:encoded><![CDATA[In der Dr. Gheorghe-Baiulescu-Straße/Schützenwiesengasse bei Hausnummer 9 steht ein einstöckiges gelbes Wohnhaus, das in den Jahren 1930-1931 nach den Plänen des Architekten Coloman Halász für Dr. Ioan Baciu, den Vater des Dichters Ştefan Baciu, errichtet wurde. Seit Juni 2006 ist das „Gelbe Haus“ wie es in der Stadt bekannt war, als Gedenkhaus der Familie Baciu für Touristen zugänglich (Öffnungszeiten: dienstags – freitags: 9.00 -  17.00 Uhr; samstags und montags:  10.00 – 17.00 Uhr). <br /><br />Damit konnte ein letzter Wunsch der Schwester des Dichters, der Theaterwissenschaftlerin Ioana Veronica Baciu-Mărgineanu (1931 - 2000) von ihrem Ehemann, dem Zahnarzt Ovidiu Mărgineanu, erfüllt werden. Sie hatte sich in ihren letzten Lebensjahren intensiv um den literarischen und wissenschaftlichen Nachlass ihres Bruders wie auch ihres Vaters gekümmert und dafür gekämpft, deren Andenken wach zu halten.<br /><br /><strong>Das Museum</strong><br /><br />Das Museum ist eine Zweigstelle des Mureşenilor-Hauses (Marktplatz 25) und wird finanziell vom Kreisrat Kronstadt/Braşov getragen. <br /><br />Es gilt als das erste Museum, das einem Rumänen gewidmet ist, der die größte Zeit seines Lebens im Exil verbringen musste. Denn der Kronstädter Ştefan  Aurel Baciu hat ab 1946, als er zum Presseattaché an der rumänischen Botschaft in Bern ernannt wurde, bis zu seinem Lebensende im Jahre 1993 Rumänien und seine Geburtsstadt Kronstadt, die ihm so viel bedeutete, nicht mehr wiedersehen können. Bis 1989 war es das kommunistische Regime, das so eine Reise verhinderte; nach der Wende waren es vor allem seine Krankheit und die große geografische Entfernung, die eine Rückkehr vereitelten. <br />[tefan Baciu wird oft und zu Recht als der „Kronstädter Stadtdichter“ bezeichnet. Seit 2006 wurde er (leider post mortem) zum Ehrenbürger Kronstadts ernannt. Es ist nur auf den ersten Blick ein Paradox: ein Dichter der fast ein halbes Jahrhundert seiner Stadt und seinem Vaterland fern bleiben musste, ist dank seiner Heimatverbundenheit und dichterischen Begabung zum Stadtdichter erklärt worden. Ob in Rio de Janeiro, in Seattle oder „am Ende der Welt“ in Honolulu, wo er seit 1964 bis zu seinem Tod als Universitätsprofessor lehrte und schrieb, überall war auch Kronstadt als Anhaltspunkt und Vergleich dabei. <br />Es war das Kronstadt seiner Kindheit und seiner Jugendjahre, das  Kronstadt der 1920-er und 1930er Jahre, so wie er es immer wieder in seinen Gedichten aufleben lässt oder in seinen Erinnerungen („Praful de pe tobă“, „Mira“) schildert.<br /><br /><strong>Kindheit in Kronstadt</strong><br /><br />Etwas von der Atmosphäre jener Jahre vermitteln auch die drei Museumsräume. Eine Bücherwand kann nur einen Teil der Bibliothek umfassen. Rund 1800 Bände sind dort ausgestellt; weitere 4700 befinden sich im Museumsdepot, sagt Museografin Ramona Ionescu. Sie und Lucreţia Chiţu, die ihr als Hilfskraft zur Seite steht, wissen gut Bescheid über die Familie Baciu, über die Geschichte des noch jungen Museums. Unter den Büchern sind deutsche Titel sehr gut vertreten. <br /><br />Gesammelte Werke von Goethe und Schiller durften in der Bibliothek des Deutschlehrers Ioan Baciu nicht fehlen. Geboren wurde er 1888 in Nadesch als Sohn des orthodoxen Dorfpfarrers. Seine ersten Schulklassen besuchte er auf Deutsch in Schäßburg und auf Ungarisch in Dumbrăveni/Elisabethstadt. <br /><br />In Budapest promovierte er 1910 zum Doktor der Philosophie. Ioan Baciu kam im nächsten Jahr nach Kronstadt und wirkte da vor allem als Deutschlehrer an der rumänischen Handelsschule, sowie zeitweilig als Rumänischlehrer am Honterusgymnasium und nach 1918, als Deutsch- und Lateinlehrer am [aguna-Lyzeum. Da hatte er prominente Kollegen ,  zum Beispiel Emil Cioran und Octav Şuluţiu) – sowie Schüler, die später sehr bekannt werden sollten: Lucian Blaga, Eugen Jebeleanu, Ferenc Szemlér, Mihai Brediceanu und … seinen Sohn. <br /><br />Dieser hatte vorher seine zwei ersten Schuljahre „bei den Sachsen“ besucht. Kein Wunder, denn seine Mutter Elisabeth Maria, genannt Else, war Kronstädterin und Tochter des aus Österreich stammenden Forstingenieurs Arthur Sager. Die Absolventin des Honterusgymnasiums galt, obwohl sie zeitlebens Hausfrau blieb, als hochgebildet. Ihr Porträt als junge Frau, gemalt von Grete Csaky Copony, ist im Museum zu sehen, wie auch das Porträt von Ioan Baciu, gezeichnet von Hans Eder. Gedicht- und Musikabende im Baciu-Haus waren keine Ausnahme. Zum Freundeskreis gehörten auch Adolf Meschendörfer, Sextil Puşcariu, Constantin Lacea, aber auch die Nicht-Kronstädter Octavian Goga und George Coşbuc. <br /><br />Eines der ersten Hobbys von [tefan, der bei diesen Besuchen dabei war, war das Sammeln von Autogrammen und Widmungen bekannter Persönlichkeiten. Ioan Baciu war ein Liebhaber japanischer, aber auch modernerer Kunst. In zwei Zimmern sind Möbel, Schreibtisch, Kanapee, schöne Leuchter, kleine Schmuckgegenstände, ein Klavier, eine Pendeluhr sowie eine Lithografie von Franz Marc ausgestellt. <br /><br />Aus den Beständen des Kronstädter Kunstmuseums hinzugekommen sind Gemälde, die bekannte Kronstädter Sehenswürdigkeiten wiedergeben. Ioan Baciu hat gelegentlich für die „Gazeta Transilvaniei“ und die „Kronstädter Zeitung“ geschrieben. Er ist auch, zusammen mit Michael Teutsch, Mitautor des „Rumänischen Sprachbuchs“, das erste Rumänisch-Lehrbuch für die deutschen Schulen im vereinten Rumänien, das bis 1925 sechs Auflagen erlebte. <br /><br /><strong>Exiljahre</strong> <br /><br />Der dritte Raum des Museums veranschaulicht anhand von Fotos die Jugendjahre und vor allem Ştefan Bacius Tätigkeit im Exil. Nachdem er in Bukarest zwischen 1937und1946 Rechtswissenschaften studiert hatte und bei verschiedenen Zeitschriften als Redakteur oder Redaktionssekretär tätig war, wählte er zusammen mit seiner Ehefrau Mira Baciu, eine gelernte Apothekerin, den Weg in die Freiheit, sodass er 1948 aus dem rumänischen diplomatischen Dienst austrat. <br /><br />Nach einem Jahr in der Schweiz, folgte 1949 die Ausreise nach Brasilien – in das Land, das dem Ehepaar Baciu als erstes die Staatsbürgerschaft verlieh. Beide lernten dort Portugiesisch.  Ştefan Baciu wurde als leitender Redakteur für Außenpolitik der „Tribuna da Imprensa“ zu einem der bekanntesten und  meistbeachteten Journalisten Lateinamerikas. <br /><br />So lernte er Politiker kennen, etwa die Präsidenten Brasiliens (Juscelino Kubitschek) oder der Dominikanischen Republik (Juan Bosch), Fidel Castro, Che Guevara (mit ihm und dem Dichter gibt es im Museum auch ein Foto), Xavier Perez de Cuellar, oder Dichter wie Octavio Paz, Manuel Bandeira und Ernesto Cardenal, von dem Baciu viel ins Deutsche nachgedichtet hat. 1962 folgte er der  Einladung, an der Universität in Seattle brasilianische Literatur und Kultur zu unterrichten, sowie Spanisch-Kurse zu halten.  <br /><br />Inzwischen installierte sich in seiner Adoptivheimat Brasilien eine Militärdiktatur und das Ehepaar Baciu eröffnete eine weitere – diesmal die letzte - Exil-Etappe in Hawaii, wo Ştefan und Mira Baciu als Hochschullehrer tätig waren. Gleichzeitig brachte Baciu mehrere Anthologien heraus, sowie die mehrsprachige Zeitschrift „Mele“ –  internationale Briefe für Lieder und Poesie. Außer wissenschaftlichen Arbeiten schrieb der Exildichter Gedichte und Erinnerungen, wohlwissend, dass diese eher für den Nachlass bestimmt sind, da ihm in Hawaii die rumänischen Leser fehlten.<br /><br />Immer wieder kommt darin „sein Kronstadt“ vor, das ihm spät, aber nicht zu spät, dafür auch durch das Baciu-Gedenkhaus dankt. Ein Besuch in dieses Museum, während eines Spaziergangs auf der Burgpromenade unter der Zinne – der Zugang ist sowohl von der Brediceanu-Allee neben dem Sportplatz des ehemaligen Sportlyzeums als auch von der Baiulescu-Straße möglich – gibt Aufschluss sowohl über das Kronstadt der Jugend von Ştefan Baciu, wie auch über dessen Leben und Schaffen in der weiten Welt.]]></content:encoded>
			<category>Kultur</category>
			<category>Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 06:11:00 +0400</pubDate>
			
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